1976 fand das erste Luisenfest statt: Was als Protestaktion begann, zählt mittlerweile, 50 Jahre später, zu einem festen Bestandteil Wuppertals. Begonnen hat das Fest als Trödeltag, mit viel Programm für Kinder, Essen und Musik – vor allem aber auch mit Informationen rund um die Bürgerinitiative. Damals sollte das Viertel einer Umgehungsstraße weichen – so, wie wir das Luisenviertel heute kennen, wäre es ohne die Initiative, die Ansiedlung von Einzelhandel und Gastronomie nicht gekommen.

Es war ein familiäres Fest von der Nachbarschaft für die Nachbarschaft, erinnert sich Frank Höhlschen, Wirt der „Luise“. Als Privatperson erlebt er das Luisenfest bereits seit über 40 Jahren. „Natürlich hat sich das mittlerweile gewandelt, es ist viel größer geworden, der Spirit von damals ist nicht mehr so zu finden“, erzählt Höhlschen.

Die Organisation des Festes ist deutlich aufwendiger

Inzwischen ist das Fest deutlich mehr durchgetaktet, bei der Organisation muss vieles bedacht werden. Ein Kinderprogramm gibt es im Bereich des Wandelgartens immer noch, auch Trödel spielt weiterhin eine sehr große Rolle, doch viele Besucherinnen und Besucher kommen an diesem Tag zusammen, um zu feiern. Es gibt Live-Musik verschiedener Genres an diversen Ecken des Viertels, für Getränke und Essen ist ebenfalls gesorgt. An diesem Tag ist dann auch tatsächlich das Luisenviertel mitsamt der Friedrich-Ebert-Straße autofreie Zone.

Für die Interessengemeinschaft Luisenstraße bedeutet das viel Arbeit, denn die Organisation des Festes läuft komplett ehrenamtlich ab. Genehmigungen, Straßensperrung, Plakate, Infos für die Anwohnenden, Gespräche mit den Gastronomen, die Buchung von Musikerinnen und Musikern und natürlich auch die Vergabe der Flohmarktstände – all das muss erledigt werden.

Natürlich gibt es auch Kritik, insbesondere in den sozialen Medien: Zu kommerziell, zu voll und vieles mehr. „Ich bin froh, dass wir mit den Kleins jemanden haben, der die Organisation übernimmt. Genügend Feste und Veranstaltungen sind schon gescheitert, weil niemand die Verantwortung und Arbeit dafür leisten wollte“, sagt Frank Höhlschen. Er hofft auf ein friedliches Fest, das Menschen zusammenbringt, selbst wenn es sich wirtschaftlich für ihn als Gastronom weniger lohnt als noch vor einigen Jahren. „Alles in allem bleibt es ein tolles Fest, wir machen uns einen schönen Tag mit alten und neuen Freunden“, meint Höhlschen.

Die Vorbereitungen gehen indes in die heiße Phase. „Aktuell sind wir ganz optimistisch. Die Bezirksvertretung Elberfeld unterstützt uns wieder mit 3500 Euro, das erleichtert uns die Arbeit sehr“, sagt Alexander Klein, Vorsitzender der IG Luisenstraße. Daneben gebe es weitere Sponsoren, unter anderem die Sparkasse. Ein Teil der Finanzierung wird durch die Vermietung der Standflächen für den Flohmarkt getragen. „In diesem Jahr haben wir aber noch ein paar freie Trödelflächen – wer sich also noch spontan einbringen möchte, kann gerne eine kurze Mail schreiben.“ Rund zehn der insgesamt knapp 200 Stände sind noch frei, die Preise variieren je nach Größe zwischen 72 und 130 Euro. Schnäppchen- und Schätzchenjäger kommen hier voll auf ihre Kosten, denn es wird Wert darauf gelegt, dass hier nur „echter“ Trödel von Privatleuten verkauft wird.

Die wohl größte Sorge ist, wie bei allen Veranstaltungen im Freien, das Wetter. Seit Tagen checken die Verantwortlichen deutlich häufiger die Wettervorhersage als gewöhnlich, schließlich besteht immer die Gefahr, dass alles im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt. Aktuelle Vorhersagen deuten aber 2026 zumindest auf einen weitgehend trockenen Sonntag hin.

Obwohl es die 50. Ausgabe des Luisenfestes ist, wird es keine besonderen Aktionen oder Programmpunkte geben. „Tatsächlich stehen wir dieses Jahr sogar vor dem Problem, dass der Deweerth’sche Garten wegen der Umbaumaßnahmen gesperrt ist“, sagt Alexander Klein. Das führt eher zu einer Platzverknappung, mit der die Veranstalter kalkulieren müssen. „Wir schauen, dass es mehr Sitzgelegenheiten und Stehtische auf der Straße in der Nähe der Bühne geben wird“, meint er und hofft auf eine fristgerechte Fertigstellung des Parks im kommenden Jahr.