Frankreichs Flugzeugträgerverband um die nuklear angetriebene „Charles de Gaulle“ hat am Mittwoch den Suezkanal passiert und steuert das südliche Rote Meer sowie den Golf von Aden an. Das teilte das französische Verteidigungsministerium mit. Die Verlegung soll eine geplante französisch-britische Mission zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus vorbereiten.
Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt, ist seit Beginn des Konflikts mit Iran weitgehend blockiert. Wie Reuters berichtet, wurde der Schiffsverkehr durch den Krieg massiv gestört. Der Trägerverband war kurz nach den US- und israelischen Luftschlägen gegen Iran ins östliche Mittelmeer verlegt worden und kann vier bis fünf Monate auf See bleiben.
Oberst Guillaume Vernet, Sprecher des französischen Generalstabs, sagte der Nachrichtenagentur AP, die Verlegung südlich des Suezkanals sei „neu für uns“ und ermögliche eine schnellere Reaktion, sobald die Bedingungen erfüllt seien. Die Planung sei abgeschlossen. Zwei Voraussetzungen müssten jedoch gegeben sein: Die Bedrohung für die Schifffahrt müsse sinken, und die Reedereien müssten ausreichend Vertrauen haben, die Meerenge wieder zu nutzen. Auch die Zustimmung der Anrainerstaaten sei nötig.
Paris setzt auf eigene Linie neben Trumps „Project Freedom“
Laut AP geht die Initiative auf eine Fernsehansprache von Präsident Emmanuel Macron vom 3. März zurück, einen Tag vor der iranischen Schließung der Meerenge. Bei einem Pariser Gipfel am 17. April brachten Macron und Premier Keir Starmer Dutzende Staaten zusammen; Militärplaner aus über 30 Ländern stimmten Ende April im britischen Hauptquartier Northwood operative Details ab. Die Koalition umfasst nach französischen Angaben 51 Länder.
Wie Politico berichtet, erklärte ein Vertreter des französischen Präsidialamts unter der Bedingung der Anonymität, mit der Verlegung wolle man signalisieren, „dass wir nicht nur bereit sind, die Straße von Hormus zu sichern, sondern auch dazu fähig“. Paris schlage vor, Iran solle die Durchfahrt erlauben und im Gegenzug mit den USA über Raketen, Nuklearfragen und regionale Themen verhandeln; Washington würde dafür die Blockade aufheben.
Die französische Initiative ist laut AP von der US-Operation „Project Freedom“ getrennt, die US-Präsident Donald Trump am Sonntag startete und Dienstagabend unter Verweis auf Fortschritte in den Verhandlungen mit Iran pausierte. Politico zufolge wurde am Dienstagabend ein Containerschiff der französischen Reederei CMA-CGM in der Straße von Hormus getroffen; mehrere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Die Kriegsrisikoprämien für Transits liegen laut AP vier- bis fünfmal über dem Vorkriegsniveau, rund 2000 Schiffe sitzen im Golf fest.
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