
Eine deutsche Kontaktperson eines Hantavirus-Toten ist mit einem Spezialtransport der Feuerwehr auf dem Weg nach Düsseldorf. Vorher war sie mit einem Flieger nach Amsterdam gebracht worden.
Drei Patienten mit Verdacht auf das Hantavirus sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch vom Kreuzfahrtschiff „Hondius“ evakuiert worden. Eine 65-jährige Deutsche, die als Kontaktperson eines Infizierten gilt, ist kurz vor 20 Uhr mit einem Spezialflugzeug in Amsterdam gelandet.
Auf dem Rollfeld des Flughafens Amsterdam-Schiphol wurde die Patientin in das Sepzialfahrzeug geladen.
Von dort wird sie jetzt mit einem Hochinfektionstransport nach Düsseldorf gebracht. Die beiden weiteren evakuierten Patienten stammen laut RIVM aus England und den Niederlanden.
Feuerwehr Düsseldorf transportiert Kontaktperson
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Düsseldorf waren Mittwochmorgen um 10 Uhr mit sechs Fahrzeugen und insgesamt 17 Einsatzkräften nach Amsterdam aufgebrochen. Am Abend wird die Patientin nun unter starken Sicherheitsbedingungen und mit einem speziellen Krankenwagen ins Rheinland gebracht.
Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ vor dem Hafen von Kap Verde
Mit der hohen Zahl an Einsatzfahrzeugen und speziell geschulten Mitarbeitern will die Feuerwehr sicherstellen, dass es auch bei Problemen auf dem Transportweg zu keiner Kontamination kommen kann. So ein besonderer Transport ist so organisiert, dass sowohl materielle als auch personelle Reserven eingeplant sind und die Besatzung komplett autark arbeiten kann, heißt es von einem Feuerwehr-Sprecher.
Infektion mit Hantavirus noch unklar
Nach Angaben der Uniklinik Düsseldorf ist noch unklar, ob die Kontaktperson tatsächlich mit dem Hantavirus infiziert ist. Die Frau, die laut niederländischem Außenministerium 65 Jahre alt ist, zeige bisher keine Symptome. Vorsichtshalber soll sie aber zunächst in der Uniklinik behandelt werden. Anschließend könnte sie in eine Einrichtung in der Nähe ihres Heimatortes verlegt werden, wenn medizinisch nichts dagegen spricht.
Ganz wichtig ist das klinische Bild und ob Beschwerden da sind oder nicht. Dann werden wir virologische Tests machen, um zu sehen, ob wir das Virus nachweisen können.
Der behandelnde Virologe Torsten Feldt mit Blick auf die Behandlung
Uniklinik Düsseldorf verfügt über Sonderisolierstation
Die Düsseldorfer Uniklinik ist auf ansteckende Infektionskrankheiten spezialisiert. Sie verfügt neben den verschiedenen medizinischen Fachgebieten wie der Virologie oder der Infektiologie auch über eine Sonderisolierstation für hochansteckende und gefährliche Krankheiten wie zum Beispiel das Ebola-Virus. Wie ein Kliniksprecher am Mittwoch mitteilte, muss die Kontaktperson aber vorläufig nicht in dieser Sonderstation untergebracht werden.
Virologe Jörg Timm von der Uniklinik Düsseldorf
Dass sich der eingeschleppte Virusstamm auch in Deutschland verbreitet, hält Jörg Timm als Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik für unwahrscheinlich: „Die Sicherheitsmaßnahmen sind so gewählt, dass es nicht zu einer Übertragung kommen wird.“ Gleichzeitig glaube er nicht, dass das Virus sich auch hier häufig von Mensch zu Mensch übertrage. Dass das auf dem Schiff trotzdem passiert ist, bilde eher eine Ausnahme.
Vermutung: Infektion nach Vogelbeobachtungen
Laut der Nachrichtenagentur Associated Press halte es die argentinische Regierung am wahrscheinlichsten, dass sich das niederländische Paar während einer Vogelbeobachtung angesteckt hat. Während der Tour seien die beiden auf einer Mülldeponie möglicherweise mit infizierten Nagetieren in Kontakt gekommen.
Am Mittwoch wurde bekannt, dass bei einem nach Südafrika ausgeflogenen Passagier den vorläufigen Testergebnissen zufolge der Andes-Stamm des Hantavirus nachgewiesen wurde. Das teilte das südafrikanische Gesundheitsministerium mit. Der Andes-Stamm kommt vor allem in Südamerika vor und gilt als hochgefährlich. Im Vergleich zu den in Deutschland und Europa vorkommenden Varianten des Hantavirus kommt es bei Infizierten deutlich häufiger zu schweren Verläufen oder Todesfällen.
Schiff soll nach Teneriffa weiterfahren
Auf der „Hondius“ waren drei Menschen nach einer Infektion mit dem Hantavirus gestorben – ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau. Mittlerweile geht die WHO von acht mutmaßlichen Infektionen aus, drei davon wurden durch Labortests bestätigt. Diese Zahl könnte sich aber angesichts mehrerer Verdachtsfälle noch weiter erhöhen. Weitere Patienten und Patientinnen werden zurzeit in Johannesburg und Zürich behandelt.
Nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García sollen die übrigen Passagiere auf dem Schiff nach Teneriffa fahren und dort innerhalb von drei bis vier Tagen ankommen.
Unsere Quellen:
- Kai Bröschet, Pressesprecher der Feuerwehr Düsseldorf
- Tobias Pott, Pressesprecher des Uniklinikums Düsseldorf
- Virologe Torsten Feldt, Uniklinikum Düsseldorf
- Nachrichtenagentur dpa
- Associated Press
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