Alle Passagiere, die sich noch an Bord des mit dem Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ befinden, sind symptomfrei. Das teilte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag mit. Zuvor waren nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) drei erkrankte Passagiere von dem Schiff evakuiert worden.

Die Patienten seien nun auf dem Weg zur medizinischen Behandlung in den Niederlanden, schrieb WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. Darunter befindet sich auch eine deutsche Person, die auf dem Kreuzfahrtschiff Kontakt zu einem Hantavirus-Fall hatte und bald in einer Klinik in Düsseldorf untersucht werden soll. In Agenturberichten ist die Rede von einer 65-Jährigen. Sie soll eine Kontaktperson der am 2. Mai auf dem Schiff gestorbenen Deutschen sein.

Die Düsseldorfer Feuerwehr hat die Frau nach deren Evakuierung vom Flughafen Schiphol bei Amsterdam in den Niederlanden am Mittwochabend abgeholt. Ein Sprecher der Feuerwehr sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein Konvoi von sechs Fahrzeugen sei mit der Frau in Richtung Düsseldorf unterwegs. Die Einsatzkräfte trügen Spezialanzüge, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. 

Krankenwagen und Feuerwehrautos aus Deutschland hatten am Flughafen gewartet. Die Feuerwehr hatte erklärt, sie wolle eine „Kontaktperson mit möglichem Hantavirus-Bezug“ von Amsterdam aus mit einem „Hochrisikotransport“ zur Universitätsklinik Düsseldorf bringen. Der Zustand der Frau sei „stabil, derzeit zeigt sie keine Symptome einer Infektion“, erklärte die Feuerwehr dann am Abend nach der Übergabe am Flughafen Schiphol.

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„Hondius“ darf auf den Kanaren anlegen

Das niederländische Kreuzfahrtschiff, das vor Kap Verde tagelang vor Anker lag, hat die Inselgruppe vor der Westküste Afrikas inzwischen verlassen. Das Schiff legte am Mittwoch vor Kap Verde ab und nahm Kurs auf die Kanareninsel Teneriffa, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP feststellte. Laut der Website Marine Traffic war das Schiff am Mittwochabend „unterwegs“. Die „Hondius“ werde „innerhalb von drei Tagen“ im Hafen von Granadilla auf der Insel Teneriffa anlegen, teilte Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mit. 

Die nichtspanischen Staatsbürger müssten sich in Spanien nicht in Quarantäne begeben. Stattdessen würden sie nach der Ankunft des Schiffes in ihre Heimatländer zurückgeführt und nach den dortigen Bestimmungen weiterversorgt. García fügte hinzu, dass die 14 betroffenen Spanierinnen und Spanier per Flugzeug in ein Krankenhaus in Madrid gebracht würden, um dort in Quarantäne zu gehen.

Der Präsident der Regionalregierung der Kanarischen Inseln hatte am Vormittag Widerstand gegen diesen Plan angemeldet. In einem Beitrag auf der Plattform X schrieb er: „Heute habe ich ein Treffen mit Regierungschef Sánchez angefordert, angesichts des Mangels an Koordination und Information über das Kreuzfahrtschiff, das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffen ist. #Canarias handelt immer mit Verantwortung, kann aber Entscheidungen, die hinter dem Rücken der kanarischen Institutionen getroffen werden und ohne ausreichende Information an die Bevölkerung, nicht akzeptieren.“

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Nach Angaben der Reederei Oceanwide Expeditions benötigen zwei Besatzungsmitglieder dringend medizinische Hilfe. Bei dem Ausbruch auf dem Luxusschiff gab es bislang sieben bestätigte Fälle oder Verdachtsfälle. Drei Menschen starben, darunter ein deutscher Staatsbürger und ein niederländisches Ehepaar. Ein schwer erkrankter Brite wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt.

Ein Passagier, der bereits Ende April von der Kreuzfahrt in die Schweiz zurückkehrte, ist positiv auf das Virus getestet worden. Er wird derzeit im Universitätsspital Zürich behandelt, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Die Klinik sei auf solche Fälle vorbereitet und die Sicherheit sowohl des Personals als auch aller Patientinnen und Patienten gewährleistet, hieß es. Das BAG halte das Auftreten weiterer Fälle in der Schweiz für unwahrscheinlich. Für die Bevölkerung sei das Risiko gering.

Hantavirus wurde zwischen Menschen übertragen

Normalerweise wird das Hantavirus durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen übertragen. Die WHO geht jedoch davon aus, dass es auf dem Schiff zu einer der seltenen Übertragungen von Mensch zu Mensch gekommen sei. Dies betreffe enge Kontaktpersonen wie das niederländische Ehepaar, das gemeinsam eine Kabine bewohnte.

Mittlerweile haben Labortests in Südafrika diese Hypothese bestätigt. Bei dem nach Südafrika ausgeflogenen Briten sei vorläufigen Testergebnissen zufolge der von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Stamm des Hantavirus nachgewiesen worden, gab Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi am Mittwoch bekannt.

Der Andes-Virusstamm ist vor allem in Südamerika verbreitet. Das Kreuzfahrtschiff hatte seine als Naturexpedition beworbene Reise Ende März im südargentinischen Ushuaia begonnen und unter anderem die Antarktis angesteuert. Die Preise für eine Kabine lagen zwischen 14.000 und 22.000 Euro.

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Der erste erkrankte Passagier, der Niederländer, starb bereits am 11. April. Seine Leiche blieb bis zum 24. April an Bord und wurde dann auf der Insel St. Helena im Südatlantik an Land gebracht. Seine Frau, die zu diesem Zeitpunkt bereits Magen-Darm-Symptome zeigte, starb zwei Tage später nach einem Flug nach Johannesburg in einer dortigen Notaufnahme. (Reuters, AFP, TSP)