Geholfen hat ihm dabei ein psychologischer Trick aus einem Buch. Am Wochenende hat er „Small Moves” mit Band dann in Utopiastadt live präsentiert.

Der Konzertraum in Utopiastadt, direkt an der Nordbahntrasse, platzte bereits ab 20 Uhr aus allen Nähten. Xanke lebt und arbeitet zwar mittlerweile in Osnabrück, hat aber noch jede Menge Freunde, Familie und echte Fans in seiner Heimatstadt, die sehen und hören wollten, was ihn die letzten Monate beschäftigt hat. Dabei war lang unklar, ob das Album je fertiggestellt werden könne. „Kennt ihr das, wenn man Dinge zwar sehr gut anfangen, sie aber unmöglich zu Ende bringen kann?”, fragt er das Publikum mit ruhiger Stimme. Die Geschichte des Albums ist tief mit der Psyche des Menschen dahinter verbunden. Ein Freund hat ihm das Buch „Atomic Habits” empfohlen, eine sogenannte „1%-Methode”, die minimale Veränderung und maximale Wirkung verspricht. „Wenn man ein großes Ziel vor Augen hat, erreicht man es schneller, wenn man kontinuierlich kleine Schritte macht. Deswegen habe ich mich gezwungen, jeden Tag mindestens 20 Minuten an dem Album zu arbeiten und dadurch habe ich es tatsächlich geschafft, es fertigzustellen”, erklärt Xanke den Prozess und damit auch den Titel „Small Moves”.

Gefühlvoller Indiefolk
mit Tiefgang und Seele

Doch wie klingen diese kleinen Schritte und können sie live genauso überzeugen wie im Streaming? Die Frage nach dem Sound auf der Bühne kann nach wenigen Momenten mit „fantastisch“ beantwortet werden. Denn was die vierköpfige Band mit Elin Bell (Synthesizer, Banking Vocals), Felix Roch (Bass, Synthesizer) und Felix Seefluth (Schlagzeug) mit Timo als Xanky auffahren, packt das Publikum ab den ersten Samples des Titeltracks „Small Moves”. Warmer, komprimierter und somit extrem dichter Klang, über dem die hohe Stimme Xankes thront und von den kleinen und großen Dramen singt. Das hat schon internationales Format und kann dem oft bemühten Vergleich mit Vorbild Bon Iver locker standhalten.

Sehr persönlich wird es, als Xanke erstmals öffentlich über sein mittlerweile überwundenes Alkoholproblem spricht. „Ich habe meine halbe Jugend hier in Utopiastadt verbracht und, um ganz ehrlich zu sein, habe ich hier den meisten Alkohol getrunken. Einfach, weil es Spaß gemacht hat und man seinen Jungs dann endlich mal sagen konnte, wie lieb man sie wirklich hat. Denn Jungs sprechen nicht über ihre Gefühle, zumindest nicht nüchtern.” Und weil das natürlich großer Quatsch ist, legte Xanke im Seelenstriptease charmant noch einen drauf und dankte seinen drei besten Freunden, die ihm beim Album immer unterstützt haben. „Daher, heute mal nüchtern und offen raus: Ich hab euch lieb, Jungs.” Tränen der Rührung wurden schnell weggewischt, um in den tosenden Applaus einzusteigen. Schöner Moment.

Wer am Wochenende den Weg durch den Sommerregen vermieden hat, hat also richtig was verpasst. Vor allem der sich bis zur Explosion steigernde letzte Song „Steady”, der einfach abrupt endete, bevor begeisternder Applaus ausbrach. All denen sei aber das Album „Small Moves” empfohlen, das man seit dem 24. April auf allen gängigen Streaming-Plattformen hören kann. Neben Jonas David, Maria Basel oder Anna Luca definiert auch Xanky den Sound der jüngeren Generation Wuppertaler Musikerinnen und Musiker und überzeugt damit auf ganzer Linie.

Ob es der ständige Regen oder die wundervolle Tristesse im Tal ist – irgendwas macht diese Stadt mit seinen kreativen Menschen. Und wenn man Timos Nachnamen zum ersten Mal in ein Textverarbeitungsprogramm eintippt, macht die Autokorrektur aus „Xanke” einfach „Danke”. Mit einem Lächeln merkt man, dass ein Korrekturvorschlag tatsächlich mal passt.