Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat zahlreiche Verstöße Russlands gegen die von Kiew ausgerufene Feuerpause beklagt. Bisher antworte Russland auf den Vorschlag einer Waffenruhe nur mit neuen Schlägen und Attacken, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. „Abhängig von der Lage heute Abend und morgen werden auch wir unsere völlig angemessene Antwort festlegen“, sagte er.

Russland habe ein klares Angebot bekommen und wisse, wie die Ukraine oder deren Partner für Detailfragen zu erreichen sei, sagte er. Damit gab er der Feuerpause noch eine zweite Chance.

Zugleich machte Selenskyj deutlich, dass die Ukraine kein Interesse an der von Russland verkündeten Waffenruhe rund um die Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai habe. Wenn es nur darum gehe, dass Kremlchef Wladimir Putin ungestört seine Militärparade abhalte, werde das noch gültige Angebot für eine Waffenruhe nicht aufrechterhalten, sagte er.

Ukraine meldet russische Angriffe in weiten Teilen des Landes

Die Behörden der nordostukrainischen Region Sumy melden vier Tote bei russischen Drohnenangriffen. Unter den Opfern ‌seien zwei Mitarbeiterinnen ‌eines Kindergartens. ⁠Kinder hätten sich zum Zeitpunkt des ‌Angriffs jedoch nicht in dem Gebäude befunden. Eine ⁠weitere Person sei ums Leben gekommen, als ein Wohnhaus von einer Drohne getroffen wurde. Ein Mann sei durch eine Mine ⁠getötet worden, die mutmaßlich von russischen Streitkräften abgeworfen wurde.

Auch ⁠in ‌Großstädten wie Charkiw, Krywyj Rih ‌und Saporischschja seien ‌bei Luftangriffen private Gebäude und Infrastruktur beschädigt worden. Der ‌ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte auf der Plattform X, dies zeige, ⁠dass Russland den Frieden ablehne. „Putin geht es nur um Militärparaden, nicht um Menschenleben.“

Russland will Feuerpause für Siegesparade am 9. Mai

Putin hatte Ende April bei einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump über die Möglichkeit einer Waffenruhe zu den Feierlichkeiten am 9. Mai gesprochen. An dem Tag feiert Russland das Ende des II. Weltkriegs als Sieg über die Nazis.

Später verkündete das russische Verteidigungsministerium eine zweitägige Feuerpause, die in der Nacht zum Freitag in Kraft treten soll. Kiew beantwortete dies mit dem Vorschlag, die Waffen bereits ab dem 6. Mai schweigen zu lassen. Moskau hat diese Offerte bislang ignoriert.

Russland droht der Stadt Kiew mit heftigem Bombardement

Dafür wiederholte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa einmal mehr Drohungen im Falle eines ukrainischen Angriffs auf die Militärparade in Moskau. Sie rufe alle ausländischen Diplomaten auf, Kiew rechtzeitig zu verlassen. Sollte die Ukraine versuchen, die Feierlichkeiten mit terroristischen Attacken zu stören, werde Russland darauf mit einem Gegenschlag antworten, „darunter auch gegen die Entscheidungszentren in Kiew“, sagte Sacharowa in einem Kommentar, den sie auch bei Telegram veröffentlichte.

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