Halle. Man darf sich Dr. Sebastian Mäueler nicht wie einen Roboter vorstellen. Auch wenn man den Geschäftsführer der Physiotherapie-Zentren „Mobilo“ wohl nachts wecken und anknipsen könnte: Sofort würde er druckreif und wenn nötig stundenlang über moderne Therapieformen für Krebspatienten sprechen. Aber man spürt auch, dass dieses Thema seine Herzensangelegenheit ist.

Der Geschäftsmann referiert über die medizinischen Hintergründe, über die Situation von Krebspatienten, über den Spießrutenlauf zwischen Diagnose, Behandlungen und Krankenkassen – und über seine angestrebte Lösung für dieses Problem.

Der HK-Reporter hat sich nicht ohne Grund eingeladen. Anlässlich des „Tages des Lokaljournalismus“ will das Haller Kreisblatt einige Tage in besonderem Maße darauf aufmerksam machen, warum die journalistische Arbeit gerade vor Ort so wertvoll ist. Und welches Beispiel wäre da besser geeignet als ein wichtiges Gesundheitsthema, bei dem ein lokaler Akteur neue Akzente setzt.

Haller Fachmann setzt auf begleitende Therapie für Krebspatienten

Worum geht es Dr. Sebastian Mäueler also? „Schauen wir uns die Versorgung von Krebspatienten an“, beginnt er. „Früher galt: bloß schonen, keine Anstrengung.“ Doch diese Devise sei eben längst überholt. „Es gibt weit über 15.000 wissenschaftliche Studien weltweit aus den vergangenen 15 Jahren zu diesem Thema. Und die belegen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einer Krebserkrankung steigt, wenn die körperliche Belastungsfähigkeit höher ist.“

Denn die Krebstherapie sei generell sehr nebenwirkungsreich: Chemo, Bestrahlungen, Immuntherapie – das fordert den Körper. Polyneuropathie, Fatigue-Syndrom, Gelenkbeschwerden, Lymphödeme, Angst, Depressionen: Die Probleme können vielfältig sein. „Es ist erwiesen, dass regelmäßig trainierende Menschen seltener Nebenwirkungen haben und dass Nebenwirkungen, wenn sie denn auftreten, schwächer ausgeprägt sind“, sagt Mäueler. Das zeigt unter anderem eine 2025 im New England Journal of Medicine veröffentlichte kanadische Vergleichsstudie, die knapp 900 Krebspatienten über acht Jahre beobachtete.

Und auch die Wahrscheinlichkeit der Rückkehr von Krebs könne man mit Therapie beeinflussen, erklärt Mäueler. „Im Fünf-Jahres-Zeitraum der Überwachung nach einer Krebsbehandlung ist die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv um 40 bis 50 Prozent niedriger.“ Das Ganze ist laut Sebastian Mäueler evidenzbasiert. Die OTT wurde am Centrum für Integrierte Onkologie an der Uniklinik Köln mit der Deutschen Sporthochschule entwickelt. Wo ist also das Problem?

Netzwerk für Behandlung im Altkreis Halle fehlt

Der Mobilo-Geschäftsführer sieht es in der Mühle, in der die Patientinnen und Patienten stecken. In der Überlastung von Ärzten, die oft gar nicht wüssten, dass es solche Optionen gibt. Und schließlich in der komplexen medizinischen Bürokratie.

„Durch die OTT erfahren die Menschen eine Selbstwirksamkeit in der Behandlung – sie können selbst etwas tun“, sagt Mäueler. „Das sollte Standardtherapie der gesetzlichen Krankenkassen sein.“ Ist es aber nicht. Obwohl es als Empfehlung zu den medizinischen Handlungsleitlinien der Onkologen zähle.

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Der Unternehmer hat zwei Probleme ausgemacht. Erstens: Es existiert zumindest im Altkreis Halle kein funktionierendes Netzwerk für die OTT. Zweitens: Es gibt zumeist keine Finanzierung der Krankenkassen. „In Gütersloh haben wir 120 Krebspatienten jährlich in der OTT. Wir wollen ein solches Netzwerk auch an unseren Standorten in Halle und Werther aufbauen – aber bisher bekomme ich keinen nachhaltigen Kontakt zu den Fachärzten“, gesteht Sebastian Mäueler ein.

Mobilo-Geschäftsführer plant Info-Veranstaltung in Halle


Das Physiotherapie-Zentrum Mobilo in Halle direkt am Sportpark. - © Uwe Pollmeier

Das Physiotherapie-Zentrum Mobilo in Halle direkt am Sportpark.
| © Uwe Pollmeier

Der Geschäftsführer will deshalb noch gezielter auf Ärzte und Patienten zugehen. Er lädt am Mittwoch, 27. Mai, um 18.30 Uhr zu einem Informationsabend in das Court-Hotel in Halle, Raum Piemont im ersten Obergeschoss ein. Unter der Überschrift „Sport bei Krebs? – Die Wissenschaft sagt ‚Ja!‘“ werden Mäueler selbst und Dr. Sahar Daneshvar Zavajery referieren. Anmeldungen sind unter https://mobilo-highlight.intratool.de/extern/vortrag-ott, unter Tel. 05201 7364660, direkt am Empfang im mobilo oder per E-Mail an ha@mobilo.team möglich.

Bei der Finanzierung ist die Lage noch unübersichtlicher. „Früher mussten die Patienten eine OTT selbst zahlen – das kostet etwa 1.500 Euro für drei Monate. Weil das Training natürlich individuell ausgerichtet, analysegestützt und permanent therapeutisch begleitet ist“, erklärt Mäueler. Das habe bisher zum einen ein Hemmnis für die Ärzte bedeutet, eine solche Therapie zu empfehlen, und sei zum anderen für ohnehin schon finanziell belastete Patienten nur schwer zu stemmen gewesen.

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„Private Krankenkassen übernehmen die Behandlung, zudem haben wir einige Sonderverträge mit betrieblichen Krankenkassen geschlossen“, berichtet Mäueler. Mobilo kümmere sich um das Fallmanagement für die Patienten und stelle auch Anträge bei gesetzlichen Krankenkassen – „in 80 Prozent der Fälle bekommen wir eine Absage, aber immerhin in 20 Prozent funktioniert es.“

Weg durch den Behördendschungel für Patienten als Geschäftsmodell


Praxismanagerin Katja Müller (v.l.), Sportwissenschaftlerin Maxi Steinlechner und Mobilo-Inhaber Sebastian Mäueler bieten eine umfangreiche Bewegungstherapie an. - © Ekkehard Hufendiek

Praxismanagerin Katja Müller (v.l.), Sportwissenschaftlerin Maxi Steinlechner und Mobilo-Inhaber Sebastian Mäueler bieten eine umfangreiche Bewegungstherapie an.
| © Ekkehard Hufendiek

Doch der Geschäftsmann schildert eine weitere Option – bis die OTT einmal zum Standardkatalog gehöre. „Ärzte können solche Behandlungen auch über die reguläre Heilmittelverordnung verschreiben – dann nicht für die Behandlung von Krebs selbst, sondern für seine Folgen. Sie müssen eben nur wissen, dass es geht und wie es geht.“

Und hier kommt natürlich das unternehmerische Interesse von Mobilo ins Spiel: „Die Ärzte schicken den Fall des Patienten zu uns – und wir kümmern uns um das anschließende Management und die Finanzierung.“ Das Schlagen einer Schneise in den Behördendschungel wird so auch zum tragfähigen Geschäftsmodell im Sinne der Patientinnen und Patienten.

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