Was verbindet Vögel und Hoffnung? Laut dem Schriftsteller Jonathan Franzen gilt: Wer Vögel beobachtet, hat weniger Angst vor dem Tod. Da passt es, dass zwei A-cappella-Konzerte diese Woche im Zeichen von Vögeln einerseits und Hoffnung andererseits stehen.

„Mit den Vögeln singen“ nennt der RIAS Kammerchor das Programm für sein Konzert im Kraftwerk am Freitag. Von der Renaissance bis zur Gegenwart reichen die Werke, Komponisten wie Maurice Ravel, Orlando Gibbons, Felix Mendelssohn Bartholdy, William Byrd oder die 1994 geborene Áine Mallon erkunden den Gesang der geflügelten Wirbeltiere. Die Leitung hat der Chefdirigent Justin Doyle, der Biologe und Tierstimmenimitator Uwe Westphal steuert einzelne Vogelstimmen bei und gibt unter dem Titel „Musik und Wissenschaft im Dialog“ vorab eine Einführung (Kraftwerk, 8. 5., 20 Uhr, Einführung 19 Uhr, 35/16 Euro).

Etwas dramatischer liest sich, was der Rundfunkchor Berlin unter der Leitung von Benjamin Goodson tags darauf am Sonnabend in der Heilig-Kreuz-Kirche unter der Überschrift „Hoffnung“ verspricht. Einen Abend „zwischen Reue, Wahnsinn und Erlösung“ mit Werken des 20. und 21. Jahrhunderts etwa von Olivier Messiaen und Arvo Pärt, darunter Vokalmusik mit erweiterter Stimmtechnik von Dieter Schnebel, dessen „Lamento di Guerra“ für Stimme und Orgel die A-cappella-Auswahl ebenso ergänzt wie die „Missa brevis“ für Chor und Orgel von Zoltán Kodály und ein freies Orgelsolo von Peter Holder (Heilig-Kreuz-Kirche, 9. 5., 20 Uhr, 38/17 Euro).

Ohne Gesang, dafür mit einer außerirdischen Rhythmusgruppe gesegnet ist die Band Knats, die am Sonntag im Gretchen ihr erstes Deutschlandkonzert gibt. In Newcastle vom Bassisten Stan Woodward und dem Schlagzeuger King David-Ike Elechi gegründet, zog das Quintett 2022 nach London, wo der Jazz seit einigen Jahren boomt. Für Knats ging es seitdem stetig voran, 2025 stellten sie ihren „Geordie Jazz“, wie sie ihre Musik mit einer Verneigung in Richtung ihrer Heimatstadt nennen, auf ihrem schlicht „Knats“ betitelten Album der Welt vor. Und die Welt ließ sich von ihrer aktualisierten Version von Fusion Jazz mit viel Funk, aber genauso viel Ska, Drum’n’Bass oder Hip-Hop, nicht lange bitten.

Allein schon die Energie von Woodward und Elechi ist ein Beleg dafür, dass Virtuosität im Dienst des Groove eine sehr gute Sache sein kann. Die weiteren Mitstreiter wie der Trompeter Ferg Kilsby stehen ihnen in nichts nach, lassen Kraft so spielerisch leicht wirken, dass es schon mit dem Teufel zugehen müsste, wenn da niemand tanzen sollte (Gretchen, 10. 5., 19.30 Uhr, Tickets VVK 12/18/22 Euro).