Ein rotes Viereck aus Linoleum zeichnet eine Art Raum auf die Bühne am Brückenweg in Bedburg-Hau im Theater mini-art. Ein Stuhl mit Rädern und mehrere stählerne Stangen mit Haken stehen darauf. Eine Leinwand begrenzt den Raum nach hinten. Sie, tiefschwarze Haare wie ein Bob, trägt einen knittrigen Trenchcoat fest um die Taille geschnürt, wie zur Abwehr, er eine Art Smoking. Noch hat er eine schwarze Sturmhaube auf dem Kopf und hüllt sich in beredtes Schweigen gegen ihre Anwürfe.

„Ein anderes Leben hätt‘ ich mir gewünscht“ titelt die neue Inszenierung des Kinder- und Jugendtheaters mini-art in Bedburg-Hau. In einer Mischung aus eigenen Texten, Schauspiel, Projektionen, Installation und Tonfragmenten stehe ein groteskes Spiel um Erinnern und Verdrängen am Beispiel einer Opfer- und einer Täterbiografie in der NS-Zeit im Mittelpunkt – eine dramatische Begegnung, ein Flashback im Hier und Jetzt, ein Ringen um Schuld und Vergebung, sagt Crischa Ohler zur nächsten Aufführung am Samstag, 16. Mai, um 19 Uhr und am Montag, 18. Mai, 10 Uhr. Der Eintritt ist frei, Info über Plätze im kleinen Theater mini-art: Tel.: 02821 81 15 70 oder info@mini-art.de.

Da ist also das rote Linoleum-Viereck. Darauf liegen Patienten-Akten mit alten Foto-Porträts, die sie nach und nach einsammelt. Im Hintergrund dräut schwarz-weiß auf der Leinwand eine Szene einer Verhandlung aus dem Nürnberger Justizpalast, bei der Nazis, Offiziere der Wehrmacht und Repräsentanten des Dritten Reiches für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen wurden. Der Rahmen des Stückes ist damit gesetzt. Das Stück ist mehr als nur eine Auseinandersetzung mit den Geschehnissen in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Weilmünster (heute Vitos-Klinik Hessen) zwischen 1938 und 1945. Das historische Vorbild zum Stück ist als konkretes und gleichzeitig allgemeingültiges Beispiel für die menschenverachtende Ideologie, die schleichende Manipulation und die Verbrechen der Nationalsozialisten steht. „Es ist eine Inszenierung, in der es um persönliche Verflechtungen in die NS-Ideologie geht, um aktive Vertreter und Mitläufer, um die zweifelhafte Rolle der Ärzteschaft und um eine letztendlich tragische Familiengeschichte“, sagt Ohler. Und um die Ermutigung, die man für heute aus dieser Geschichte ziehen könne