„Acht“ gewinnt den 22. Deutschen FernsehKrimi-Preis und den Preis für das beste Schauspiel – Krimiserie des Jahres ist „Sternstunde der Mörder“.
Wiesbaden, diese sonst so gelassene Stadt, geriet an diesem Abend in Bewegung. Im Parkett der Caligari FilmBühne saß ein Publikum, das nicht nur sehen wollte, sondern verstehen. Und genau das bot das Deutsche FernsehKrimi-Festival: keine bloße Unterhaltung, sondern ein Bekenntnis zur erzählerischen Ernsthaftigkeit.
Der Triumph der Klarheit
Der Deutsche FernsehKrimi-Preis 2026 geht an „Acht“ – und selten wirkt eine Entscheidung so zwingend. Mit „Acht“ inszeniert Marie Kreutzer einen Krimi, der sich jeder Effekthascherei verweigert. Sie erzählt streng, präzise, beinahe unerbittlich. Und doch bleibt der Film lebendig. Er zeigt, wie sich demokratiefeindliche Ideologien in den Alltag einschleichen, wie Gewalt nicht nur körperlich wirkt, sondern auch in Gedanken wächst.
Hier wird nichts erklärt. Hier wird sichtbar gemacht. Das ist große Kunst.
Dass „Acht“ auch den Preis für das beste Schauspiel erhält, erscheint folgerichtig. Thomas Prenn und Regina Fritsch spielen nicht – sie durchdringen ihre Figuren. Sie lassen jede Pause sprechen, jede Bewegung wirken. Zwischen ihnen entsteht ein Spannungsraum. „Regina Fritsch glänzt als Chefinspektorin Geyer mit pointierter Autorität, die sich schließlich von ihrem Adjutanten mit ihrem eigenen Gewissen konfrontiert sieht. Dank Thomas Prenns präzisem Spiel, das Innere auf minimalistische Art und Weise nach außen zu kehren, wird dieses Wechselspiel der beiden zu einem darstellerischen Hochgenuss,“ so die Jury.
Humor, der trägt
Und dann tritt ein Film auf, der sich traut zu lächeln. Die österreichische Produktion „Eierkratzkomplott“ widerspricht der düsteren Erwartung des Genres. Er spielt, er tanzt, er erlaubt sich Leichtigkeit. Eine Leichtigkeit, die nicht täuscht. Eine Leichtigkeit die trägt, die Räume öffnet. Sie zeigt, dass Humor nicht verflacht, sondern vertieft.
Die Kamera blickt genau hin, die Ausstattung erzählt mit, die Musik setzt Akzente. Man verlässt diesen Film nicht nur unterhalten, sondern bereichert.
Die Kraft der Stille
Ganz anders der Frankfurter „Tatort – Dunkelheit“. Dieser Film arbeitet mit Reduktion. Er verzichtet auf Lärm, auf Übertreibung, auf das Offensichtliche. Und genau darin liegt seine Stärke. Edin Hasanović und Melika Foroutan formen ein Ermittlerduo, das nicht harmoniert, sondern reibt. Diese Reibung erzeugt Energie. Sie zwingt das Publikum, genauer hinzusehen. Die Szenen wirken wie ein Kammerspiel – eng, intensiv, unausweichlich. Hier entsteht Spannung nicht durch Handlung, sondern durch Haltung.
Geschichte als Zumutung
Als Krimiserie des Jahres zeichnet die Studierendenjury die deutsch-österreichisch-tschechische Koproduktion „Sternstunde der Mörder“ aus. Der Serie gelingt es, den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg aus einer neuen Perspektive zu erzählen. Mit ausdrucksstarken Bildern wirft sie uns in das Prag von 1945, eine eine Zeit, in der Gewalt an der Tagesordnung steht.
Besonders bemerkenswert wirkt das Spiel mit Sprache. Deutsch und Tschechisch wechseln, fließen ineinander, erzeugen Nähe und Distanz zugleich. Die Figuren bleiben ambivalent. Sie fordern heraus. Sie zwingen das Publikum, Position zu beziehen.
Nachwuchspreis
Der Preis für die vielversprechendste Stoffidee im Drehbuchwettbewerb „Tatort rechtsaußen“ geht an den Schauspieler und Nachwuchsautor Aykut Kayacık für die Miniserie „Wölfe“ über zwei verdeckte Ermittlerinnen, die parallel die türkischen Grauen Wölfe und die deutsche Neonazi-Szene infiltrieren.
Der Preis für die vielversprechendste Stoffidee im Drehbuchwettbewerb „Tatort rechtsaußen“ geht an den Schauspieler und Nachwuchsautor Aykut Kayacık für die Miniserie „Wölfe“ über zwei verdeckte Ermittlerinnen, die parallel die türkischen Grauen Wölfe und die deutsche Neonazi-Szene infiltrieren.
Ein Festival, das Haltung verlangt
Am Ende steht fest: Das Deutsche FernsehKrimi-Festival hat wieder einmal mehr gezeigt als gute Filme. Es hat ein Genre verteidigt. Es hat bewiesen, dass der Krimi nicht bloß Spannung erzeugt, sondern Bedeutung schafft. Wer hier ausgezeichnet wurde, hat nicht gefallen wollen. Diese Filme sagen etwas aus. Und sie sagen es klar.
Wiesbaden wurde so auch in diesem Jahr zum Ort eines seltenen Moments: Der Krimi nahm sich selbst ernst – und das Publikum tat es ihm gleich.
Symbolfoto ©2026 Volker Watschounek
Foto – Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl nehmen den Ehrenpreis entgegen
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