Wiesbaden (dpa/lhe) – Hessische Unternehmen beklagen eine wachsende Zahl von Fake-Transportunternehmern. Diese fahren mit ihnen überlassenen Lastwagen davon und versilbern die Ladung für sich selbst. Der Präsident des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden, Daniel Muth, teilt der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit, die Polizei nehme diese spezielle Kriminalität längst besonders in den Blick.

Laut der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) wächst die Zahl sogenannter Phantomfrachtführer rasant: „Dabei gibt sich ein Täter unter falscher Identität als echter Transportunternehmer aus, nimmt einen Transportauftrag an und entwendet das ihm im guten Glauben übergebene Transportgut.“ 

Schadenssumme hat deutlich zugenommen

Unter Berufung auf den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergänzt die VhU, Fake-Transportunternehmer hätten im ersten Halbjahr 2025 bundesweit einen Schaden von rund 17,5 Millionen Euro verursacht. Im gesamten Jahr 2023 seien es dagegen nur etwa fünf Millionen Euro gewesen.

Bekannter sind laut LKA-Chef Muth die sogenannten Planenschlitzer, die bei geparkten Lkw auf Rastanlagen die Ladung teils oder ganz stehlen. Phantomfrachtführer könnten aber noch bequemer und lukrativer handeln: „Sie bekommen den Sattelzug schon fertig beladen. Und wenn das ein 40-Tonner voller iPhones ist, können Sie sich ausmalen, wie viel Geld das bringen kann.“

Der hessische LKA-Präsident Daniel Muth spricht im dpa-Interview auch über dreiste Kriminalität mit voll beladenen Lastwagen.Der hessische LKA-Präsident Daniel Muth spricht im dpa-Interview auch über dreiste Kriminalität mit voll beladenen Lastwagen. Helmut Fricke/dpa

Aufträge für Lkw-Beförderungen werden Muth zufolge oft über Plattformen im Internet vergeben. Hinter Phantomfrachtführern stehe häufig organisierte Kriminalität, die solche Aufträge mit günstigen Angeboten ergattere. „Die Täter gehen mit Fake-Profilen samt Telefonnummern für Rückfragen vor“, erklärt Hessens LKA-Chef. 

Damit die Weiterfahrt eines erbeuteten Lkw nicht über seine Nummernschilder verfolgt werden könne, ersetzen sie die Phantomfrachtführer laut Muth mit gefälschten Kennzeichen. „Hier geht es nicht mehr um klassischen Diebstahl, sondern um eine Betrugsmasche“, erläutert der LKA-Präsident. „Dabei gibt es verschiedene Variationen.“

Tipps der Polizei für Firmen und Lkw-Fahrer

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes rät Unternehmern, ihre Lkw mit Sicherungssystemen auszustatten, misstrauisch bei Dumpingangeboten zu sein und vertrauliche Daten vor fremden Blicken zu schützen. Bei neuen Subunternehmern sollten sie vorsichtig sein, zumal wenn diese nur über kostenlose Mailadressen und Handys erreichbar seien.

Lkw-Fahrer sollten während Pausen „niemals mit Fremden über Strecke, Ziel und Ladung“ sprechen, ihre Lastwagen nicht unbeaufsichtigt parken und sie nach längeren Stopps samt der Ladung kontrollieren. Weiterhin empfiehlt die Polizeiliche Kriminalprävention: „Nehmen Sie unter keinen Umständen Anhalter mit.“ Und: „Vereinbaren Sie mit Ihrer Spedition regelmäßige Kontrollmeldungen zu festgelegten Zeiten und an festgelegten Orten.“

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