Das grau-braune Tier steht am Straßenrand, blickt um sich. Dann läuft es langsam die Straße an einem Waldrand weiter. Nur wenige Sekunden lang ist das Video, das offensichtlich aus einem Auto heraus gemacht wurde.
In sozialen Netzwerken wird so etwas heute schnell geteilt – und noch mehr kommentiert. Die Palette reicht von „lasst das Tier doch in Ruhe“ bis zur Aufforderung, es einfach zu überfahren. Doch ist es tatsächlich ein Wolf? Und wo ist das Video entstanden?
Monitoring beim Landesamt
Auch beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) NRW ist die Videosequenz bekannt. Das Amt ist auch für das Wolfsmonitoring in Nordrhein-Westfalen zuständig. Eine Überprüfung, ob es sich bei dem gefilmten Tier tatsächlich um einen Wolf handelt, gibt es aber (noch) nicht. „Wir haben es auf TikTok gesehen. Um ein Verifikationsverfahren durchzuführen, brauchen wir aber das Originalvideo und den Urheber“, erklärt LANUK-Sprecher Wilhelm Deitermann.
Auf der Seite wolf.nrw gibt es ein Formular, in dem Wolfssichtungen digital gemeldet und Videos oder Fotos hochgeladen werden können. Da das in diesem Fall noch nicht passiert ist, gibt es auch noch keine amtliche Bestätigung. Ein zweifelsfreier Nachweis ist ohnehin nur mit einer genetischen Analyse möglich, die im Senckenberg Forschungsinstitut Gelnhausen vorgenommen wird.
Es sei aber durchaus möglich, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat, so Deitermann. Wölfe würden nicht erkennen, wenn sie von Menschen aus einem Auto heraus gesehen, fotografiert oder gefilmt werden. „Wenn man dann aus dem Auto steigt, würde sich ein Wolf normalerweise langsam zurückziehen.“ Wölfe seien keine Fluchttiere und liefen daher auch nicht einfach schnell weg.
Die meisten Wölfe, die am Niederrhein gesichtet wurden, gehen auf das Rudel von Wölfin Gloria zurück. „Die Gebiete grenzen an das Wolfsterritorium in Schermbeck“, so Deitermann. Längst sind die Tiere inzwischen auch auf der linken Rheinseite gelandet, und so gab es bereits Sichtungen in Hünxe, Schermbeck, Hamminkeln, Voerde, Dinslaken und Xanten.
Erst im April war in Rheinberg ein mutmaßlicher Wolf auf einem Feld entdeckt worden. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis zum Baerler Busch. Es ist also durchaus möglich, dass es sich um dasselbe Tier wie das in Rheinberg handelt. Außer im Wolfsgebiet Schermbeck gibt es in Nordrhein-Westfalen nur Durchzügler und keine standorttreue Wolfspopulation – anders als zum Beispiel in Niedersachsen oder Brandenburg. Ende März hatte sich ein Wolf in Hamburg-Altona in ein Einkaufszentrum verlaufen und dort eine Frau gebissen, die leicht verletzt wurde.