MDR KULTUR: Anfang der 90er-Jahre gab es mal Konzerte, da haben Sie die Band auf der Bühne selber mit den Worten beschrieben: Rainbirds haben sieben Leben, wir befinden uns jetzt im zweiten. Im wievielten Leben sind Sie jetzt?
Katharina Franck: Meine Rainbirds-Phase geht ja jetzt schon seit 40 Jahren und sie wird wahrscheinlich auch danach immer noch weitergehen. Rainbirds sind, wenn die Leute in meine Konzerte kommen, nicht wegzudenken, und ich will das auch ehrlich gesagt gar nicht. Aber ich habe natürlich in der Zwischenzeit auch sehr viele Sachen gemacht, die ich nicht unter dem Namen Rainbirds auf Tour geschickt habe. Aber diese Rainbirds-Geschichte, die hat ja auch schon begonnen, bevor ich die Rainbirds überhaupt gegründet habe.
Rod González ist auch einer, der mal dazugehörte, als Bassist der Ärzte kennen ihn die meisten, oder Michael Beckmann, erfolgreicher Produzent und Filmkomponist. Es hat im Winter schon ein paar wenige Shows zusammen gegeben. Wie hat sich das angefühlt?
Katharina Franck: Es gab tatsächlich das eine Rainbirds-Konzert, das war eine Einladung vom Düsseldorfer „Zakk“. Die haben da das „Lieblingsplatte-Festival“, da spielen die Bands eigentlich ihre bekanntesten Platten. Und ich habe es geschafft, Miguel Passarge vom Zakk dazu zu überreden, dass wir das zweite Rainbirds-Album spielen, weil es bei den Fans nach wie vor das Beliebteste ist. Und in diesem Zusammenhang hat sich das so Stückchen für Stückchen entwickelt. Und weil ich ja wusste, dass die alte Band auch wieder zusammenkommt, habe ich bei meinen ganzen Duo-Konzerten im letzten Jahr immer mal wieder den einen oder anderen eingeladen, mitzumachen.
Katharina Franck, Michael Beckmann, Wolfgang Glum und Rod Gonzalez – das war die damalige Besetzung von Rainbirds, die nicht ganz so friedlich auseinandergegangen ist. Wie ist es denn jetzt nach all der Zeit, wieder gemeinsam Musik zu machen?
Katharina Franck: Die einen sind ein bisschen altersmilder geworden, die anderen ein bisschen klüger. Und dann gibt es auch Leute, die möchten irgendwie, dass alles wieder zu einem guten Ende kommt. Also, es war jetzt nicht so, dass alle von Anfang an „Hurra!“ geschrien haben, sondern da war eben auch dieser Wunsch da, der bei dem einen schon ein bisschen stärker war als bei der anderen.
Rod González hat geschrieben, er habe die Trennung vor 36 Jahren nur negativ in Erinnerung. Mit dem Auftritt in Originalbesetzung wolle er diese dunkle Phase hinter sich lassen und sie durch Spaß an der Musik ersetzen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie solche Sätze lesen?
Katharina Franck: Ich wusste auch, dass das so ist. Ulrike Haage ist zur zweiten großen Rainbirds-Tour als Pianistin dazugekommen und sie hat aus einer anderen Position damals sehr viel mitbekommen – auch wie sehr alleingelassen die Rainbirds damals in Teilen waren, in diesem wahnwitzig schnellen Erfolg. In einer Branche, die darauf fokussiert war, so viel von dem großen Erfolg abzuschöpfen, wie nur irgendwie möglich, fehlte einfach die individuelle Unterstützung der einzelnen Personen. Und wir sind halt damals nicht gut damit umgegangen.
Dieser Erfolg war eine große Freude für mich. Und dieser krasse Bruch danach vielleicht der größte Schmerz, den ich in meinem Leben gespürt habe.
Rainbirds-Sängerin Katharina Franck
Für mich war das ein großer Traum: Dieser wahnsinnig große Erfolg war eine ganz große Freude für mich und dieser krasse Bruch dann vielleicht fast der größte Schmerz, den ich bis jetzt in meinem Leben gespürt habe.
Also ich freue mich einfach darauf, dass wir es gerade jetzt, wo auch die Welt zusammenbricht, schaffen, noch einmal so als Erwachsene zusammenzukommen. Als Menschen mit einer eigenen Biografie, mit eigenen Erlebnissen, die zu verarbeiten sind und die einen stärker gemacht oder vielleicht auch ein bisschen angeknackst haben.
Und ist das für Sie eine Art Werkschau, ein Vermächtnis, ein großer Abschied? Die Tour soll ja einmalig bleiben.
Katharina Franck: Die soll einmalig bleiben, weil es ein sehr großes Unternehmen ist. Wir sind alle auch schon älter, wir haben alle unsere Leben und Pläne und Ideen und Vorstellungen. Und ich finde das einfach toll, dass wir das jetzt so konzentriert und komprimiert machen, dass aber niemand genötigt ist, seine eigenen Lebensentwürfe oder so nochmal umzuwerfen.
Ich freue mich darauf, dass wir es gerade jetzt, wo auch die Welt zusammenbricht, schaffen, noch einmal als Erwachsene zusammenzukommen.
Rainbirds-Sängerin Katharina Franck
Wir treffen sicherlich wieder aufeinander an irgendeiner Stelle, aber dieses Gewicht, was wir natürlich auch auf den Schultern haben mit der Geschichte der Rainbirds, das möchte ich tatsächlich nächstes Jahr beiseite legen. Rainbirds wird nie weg sein. Wo ich bin, wird immer auch ein bisschen Rainbirds sein, aber die Legacy sozusagen der Rainbirds, die in den Medien und im Business sehr eng an diese 1980er-Jahre geknüpft sind, die möchte ich jetzt aufbrechen.
Ich möchte die 1990er-Jahre da reinholen. Es ist auch ein Song von unserem 2014er-Album dabei, was ich mit Bela Braugmann und Gunther Papperitz gemacht habe. Und dann kann ich vielleicht noch einmal ganz woanders hinfliegen.