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Belgien rüstet auf und wird die alten F-16 ausrangieren. Die Ukraine tut sich weiterhin schwer mit den West-Kampfjets. Ihr fehlt geeignetes Personal.

Brüssel – „Wir haben uns seit etwa vier Jahren darauf vorbereitet“, zitiert der Business Insider (BI) einen Flugschüler, der in Großbritannien die Handhabung eines F-16-Kampfjets gelernt hat. Zu Beginn des Ukraine-Krieges galt die US-Maschine als die ultimative Waffe gegen die Invasionstruppen Wladimir Putins. Allerdings hatten von Anfang an zwei Herausforderungen bestanden: Die ukrainischen Piloten mussten sich umstellen auf ein neues Waffensystem, und dies kam auch noch verzögert und darüber hinaus in relativ geringer Stückzahl. Dem will Belgien jetzt abhelfen. Der NATO-Partner mistet seine Flotte aus und übergibt seine F-16 komplett an die Ukraine.

Detailbild Pilot im Cockpit: Ein Kampfflugzeug der belgischen Luftwaffe (BAF) vom Typ Lockheed Martin F-16 Fighting FalcAbschiedsgruß: Bis 2029 will sich die Luftwaffe Belgiens von ihren F-16-Kampfjets trennen und auf die F-35 umgestiegen sein. Die ausrangierten Maschinen gehen dann in die Ukraine. Der fehlen aber aktuell die ausgebildeten Piloten. © IMAGO/Björn Trotzki

Die Geste resultiert aus der Umstellung der belgischen Luftwaffe von F-16 auf die US‑amerikanischen F‑35‑Kampfjets. Anders als andere NATO-Länder fremdeln die Belgier weit weniger mit der Maschine als beispielsweise die Spanier oder die Schweizer – beide Länder hatten ihre Bestellungen überdacht, wegen der Vermutung, Donald Trump könnte entweder in der Software abgespeckte Versionen liefern oder mittels eines „Kill Switch“ die Kontrolle über die verkauften Maschinen wieder an sich reißen. Belgien gilt als großzügigster Unterstützer der ukrainischen Luftwaffe – allerdings ist bisher wenig passiert, wie die Flugrevue im März berichtet hatte. 30 Maschinen wollte das kleine Land abtreten – versprochen im Mai 2024.

Ukraine verzögert Übergabe: „Geliefert hat Belgien bis dato nichts. Und der Ukraine ist das wohl sogar recht“

„Geliefert hat Belgien bis dato nichts. Und der Ukraine ist das wohl sogar recht“, schreibt Flugrevue-Autor Patrick Zwerger. Laut des belgischen Magazins le vif bestünde aber dennoch ein exakter Plan. Sieben Maschinen sollen in diesem Jahr in die Ukraine verlegt werden. 2027 dann fünf, im Jahr darauf ganze 14 und 27 weitere 2029. Der Plan gelte unter Vorbehalt, berichtet der belgische Sender VRT NWS. Verschuldet hätte die Verzögerung demnach die schleppende Einführung der neuen F-35, die die alten F‑16‑Kampfjets ersetzen werden. „Erst wenn alle F-35er ausgeliefert und die entsprechenden Piloten ausgebildet sind, könnten die F-16er weitergegeben werden“, zitiert VRT NW den Generalmajor der Luftwaffe: „Wir müssen zuerst unseren eigenen Bedürfnissen entsprechen“, sagt Geert De Decker.

„Es geht darum, das Fundament zu legen, auf dem sie weiterkommen werden“

Das sei von Anfang an so abgesprochen gewesen, habe De Decker erklärt. 2028 soll die F-16-Flotte Belgiens aber komplett außer Dienst gestellt sein, so der Defense Express. Das Weltverzeichnis moderner Militärflugzeuge (WDMMA) weist für Belgien aktuell 45 F-16A aus, fast ein Drittel der gesamten Luftstreitkräfte. Andere Quellen sprechen von 53 beziehungsweise 54 Exemplaren. Einige zuerst versprochene Maschinen sollen aber zu alt gewesen sein, um noch an die Front geschickt zu werden, deshalb auch die Verzögerungen und die unterschiedlichen Zahlen in der Kommunikation. Belgien war eines der Länder, die voll auf den klassischen Mehrzweck-Luftkämpfer gesetzt hatten, wie Defense Express berichtet:

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Demnach hatte Belgien ursprünglich über eine Flotte von 160 F-16-Kampfjets verfügt und den Bestand bis Ende 2024 dann auf 54 reduziert. Im Jahr 2025 sollen die Belgier ihre Luftstreitkräfte weiter geschrumpft haben auf 42 F-16AM- und acht F-16BM-Kampfjets, insgesamt also 50, so Defense Express. Jetzt wird sukzessive auf die F-35 umgestellt. Laut der Brussels Times seien bereits 34 Maschinen bestellt worden; im Februar habe die belgische Regierung in einem Verteidigungsplan den Kauf von elf weiteren Maschinen dieses Typs genehmigt, so das Blatt. Damit sind die belgischen F-16 vollends aus der Zeit gefallen. Allerdings haben sich bereits Verzögerungen mit der Lieferung der F-35 eingestellt, sodass diese Verzögerungen auch an die Ukraine weitergegeben wurden.

NATO bildet weiter auf F-16 aus: 50 frische Piloten an die Front über der Ukraine geworfen

Seit 2024 fliegt die ukrainische Luftwaffe die Waffen westlicher Bauart. Anfangs mit großer Hoffnung erwartet, scheinen sie tatsächlich erfolgreich im Einsatz zu stehen. Immerhin hat dieser Kampfjet in Händen ukrainischer Piloten die russische Luftwaffe auf Distanz gehalten und offenbar auch den Einsätzen von Gleitbomben ein Ende gesetzt – oder zumindest deren Einsatz deutlich eingeschränkt. Kritiker sind verstummt; allerdings haben sie die Ukraine lediglich weiterhin im Spiel gehalten, anstatt, wie erwartet oder erhofft, die ukrainischen Verteidiger zum Sieg zu schießen. Weit gefehlt. Inzwischen scheinen sich die Piloten in der Maschine auch akklimatisiert zu haben. Die Ausbildungsprogramme durch verschiedene NATO-Länder laufen weiter.

Jetzt offenbar mit einer neuen Ausbildungsstufe – um sich der aktuellen Lage an der Front anzupassen. Die ukrainischen Piloten lernen jetzt, ihre Angriffe auch ohne GPS (Global Positioning System) zu fliegen; „eine Kampffertigkeit, die angesichts der bevorstehenden massiven elektronischen Kriegsführung Russlands auf dem Schlachtfeld immer dringlicher wird“, wie Jake Epstein notiert. „Es geht darum, das Fundament zu legen, auf dem sie weiterkommen werden“, zitiert Epstein für den Business Insider Harvey Smyth, Luftmarschall der britischen Royal Air Force (RAF). Immer noch scheinen sowohl Fluglehrer als auch Flugschüler begeistert zu sein, wenn der Ein- oder Umstieg in die F-16 gelungen ist. Die RAF lässt aktuell berichten, dass 50 frische Piloten an die Front über der Ukraine geworfen werden können.

Held des Ukraine-Kriegs: „Moonfish“ war einer der Initiatoren des F-16-Deals mit der Ukraine

Das sei ein Umstieg „wie von einem Nokia direkt auf ein iPhone, ohne all diese Schritte dazwischen“, hatte „Moonfish“ behauptet. Der Pilot der Ukraine hatte 2024 gegenüber dem BI geäußert, dass seine Kameraden und er ihre Flugweise drastisch ändern müssten, um den Umstieg von ihren sowjetischen Fliegern auf den bis zu 75 Millionen Dollar teuren westlichen Kampfjet zu meistern. „Moonfish“ war der Kampfname von Oleksij Serhijowytsch Mes, dessen Schicksal eng mit der Geschichte des F-16-Kampfjets in der Ukraine verbunden ist und der sowohl Chancen als auch Gefahren der Maschine personifiziert.

Der Offizier, der ursprünglich eine MIG-29 pilotiert hatte, galt als einer derjenigen Praktiker, die einer der Initiatoren des F-16-Deals mit der Ukraine gewesen sein sollen. „Zusammen mit dem Militärpiloten Andriy ‚Juice‘ Pilshchikow, der am 25. August 2023 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, reiste er in die Vereinigten Staaten, um Regierungsbeamte zu drängen, der Ukraine F-16-Kampfflugzeuge zur Verfügung zu stellen“, schrieb die ukrainische Journalistin Julia Nomirovska in den Chmelnyzkyj-Nachrichten – dem Portal, aus dessen Region „Moonfish“ abstammte. Berühmtheit hatte er erlangt, weil er einer der ersten auf die F-16 umgeschulten Piloten war, in den Medien die Qualität der Maschine rühmte – und als erster in ihr starb.

Vermutlich sogar durch Eigenbeschuss seiner eigenen Luftabwehr. Auch ein technischer Defekt wurde in Betracht gezogen sowie ein Fehler des zum Todeszeitpunkt 31 Jahre alten Oberstleutnants. Der Absturz ereignete sich offenbar während des ersten ausufernden Einsatzes der F‑16. Der posthum zum „Helden der Ukraine“ erklärte „Moonfish“ soll während der Kämpfe drei russische Marschflugkörper sowie eine Drohne neutralisiert haben. Laut der New York Times hätten kurz nach dem Unfall ukrainische Militäranalytiker über diesen Einsatz geurteilt, „dass westliche Luftverteidigungssysteme und F-16-Kampfjets noch nie unter so komplexen Bedingungen wie am Montag in der Ukraine zusammengearbeitet hätten“.

Zu dem Zeitpunkt hatte die Ukraine lediglich ihre erfahrensten Piloten zum Umstieg in die F-16 zugelassen – jetzt rücken offenbar jüngere Piloten nach und werden womöglich gleich auf westliche Maschinen getrimmt. Allerdings fehlen den ukrainischen Truppen Kräfte sowohl am Boden als auch in der Luft, wie der Defense Express betont. Die Belgier könnten sich demnach Zeit lassen mit dem Nachschub an Kampfjets: Laut Aussagen des belgischen Luftwaffen-Generalmajors Geert De Decker „habe die Ukraine angeblich aufgrund eines Pilotenmangels um eine Verzögerung der F-16-Lieferungen gebeten“. (Quellen: Business Insider, Flugrevue, le vif, VRT NWS, Defense Express, Weltverzeichnis moderner Militärflugzeuge, Brussels Times, Chmelnyzkyj-Nachrichten, New York Times) (hz)