Das ehrenamtliche Team des Repair-Cafés „Wackelkontakt“ im Hagelkreuz-Viertel hat den Besitzer eines alten Radios glücklich gemacht: Andreas Kloss reparierte das gute Stück mit viel Know-how. Denn an dem Gerät hängt das Herz seines Besitzers Bernd Kropfgans, der aus Wesel ins Kempener Repair-Café kam. Er erinnert sich an den Sommer 1968 und die damaligen Neuerscheinungen: „All Along the Watchtower“ von Jimi Hendrix etwa und „Hey Jude“ von den Beatles. „Das war unsere Musik, das hat uns geprägt. Bis heute“, erzählt Kropfgans. „In diesen hippen Monaten vor knapp 60 Jahren habe ich gejobbt in den Sommerferien für meinen Weltempfänger. Ein Satellit Transistor 6000. Sieben Kilogramm schwer. Nächtelang habe ich vor der matt erleuchteten KW-Skala gesessen und die Welt in meinem Jugendzimmer empfangen: Radio Peking, Moskau, Rom, Washington, Johannisburg, auch Radio Norddeich, … und immer wieder Radio Luxemburg. Dann haben Zeit, Technik und auch ich sich verändert. Heute sind ganze Bandbreiten verschwunden, Sender für immer verstummt.“
Nur sein Satellit zeuge noch „von langen Nächten unter dem Kopfhörer, um Geräuschen aus dem Äther zu lauschen, die sich unter der Kurzwellenlupe schließlich als Voice of America, Radio Saigon oder Radio Erivan zu erkennen gaben“, berichtet Kropfgans. Jetzt, nach annähernd 60 Jahren, sei der Weltempfänger schweigsamer geworden. Lediglich im Bereich der Ultra-Kurzwellen (UKW) sei das Radio noch heute empfangsstark. Und zwar in hoher Qualität, dank der herausragenden Leistung des Teams im Repair-Café „Wackelkontakt“, lobt der Weseler.
Andreas Kloss, einer der ehrenamtlich tätigen Experten im Repair-Café, die alter Technik zu neuem Leben verhelfen, arbeitete sich in die „nostalgische Tiefen der soliden ,Steinzeittechnik’“ ein, wie es Kropfgans beschreibt: „Birnchen im Mikrovoltbereich und Widerstände im Netzteil wurden erneuert. Drähte, die sich aus ihrer Fixierung gelöst hatten und wortwörtlich auf der vibrierenden Membran des Frontlautsprechers ,getanzt‘ haben, wurden neu verlötet und zahllose Kontakte gereinigt.“ Engagierte Techniker oder Technikerinnen mit dieser Qualifikation seien gewiss rar und wohl nicht mehr im aktiven Dienst, glaubt Kropfgans. Im Repair-Café „Wackelkontakt“ aber wirkten sie noch, „bescheiden, nicht spektakulär, aber sehr kenntnisreich“. Sicher ein Eckpunkt in der Quartiersentwicklung Hagelkreuz, meint der Weseler. Aus dem „Wackelkontakt“ zum Café sei „ein enger Kontakt – auch zur hübschen Stadt Kempen“ geworden.
Info Das Repair-Café „Wackelkontakt“ befindet sich in den Räumen des Quartiersbüros im Kempener Hagelkreuz-Viertel am Concordienplatz 7. Die nächsten Termine sind am Samstag, 13. Juni und 11. Juli, jeweils von 13 bis 16 Uhr.