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Amsterdam – Sein Werdegang gilt als außergewöhnlich: Christian Karembeu (55) stammt aus Neukaledonien und wuchs dort auf. Mit 17 Jahren ging er nach Europa, um seinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen – mit großem Erfolg. 1998 wurde er mit Frankreich Weltmeister, 2000 Europameister und gewann mit Real Madrid 1998 sowie 2000 die Champions League.
Bei einem Event von „MatchWornShirt“ in Amsterdam (Plattform für die Versteigerung im Spiel getragener Trikots) spricht Karembeu über seinen Karriereweg – und wagt einen Ausblick auf die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.

Christian Karembeu (55) beim Event von „MatchWornShirt“ in Amsterdam
Foto: BILD/Jörn Reher
Karembeu zählt Deutschland zu WM-Favoriten
Zur Rolle der deutschen Nationalmannschaft sagt er zu BILD: „Bei Deutschland kommt es darauf an, ob Manuel Neuer spielt. Aber ich denke, Deutschland hat wieder eine tolle und junge Generation. Deutschland, Spanien, Frankreich, Brasilien, Argentinien – und ich hoffe vielleicht noch eine der afrikanischen Nationen – sind die Favoriten.“

Bayern-Torwart Manuel Neuer (40) hat ein Nationalmannschafts-Comeback ausgeschlossen – für Karembeu wäre er wichtig für einen deutschen Erfolg bei der WM 2026
Foto: picture alliance/Lackovic
Als Top-Favoriten sieht er jedoch Frankreich: „Es ist einfach. Wir werden die WM gewinnen. Wir haben die zwei Spiele gesehen, die gezeigt haben, dass wir mit dem ersten und dem zweiten Team gewinnen können. Wir haben eine gute Mannschaft. Didier Deschamps weiß jetzt, wie er rotieren kann. Wir sind gut vorbereitet.“ Was Karembeu meint: Im März hat Frankreich in den Testspielen gegen Brasilien (2:1) und Kolumbien (3:1) gewonnen – mit zwei völlig unterschiedlichen Startaufstellungen.
Karembeu über Olise, Mbappé und Co.
Vor allem offensiv ist Frankreich stark besetzt – unter anderem mit Kylian Mbappé (27), Ousmane Dembélé (28), Désiré Doué (20) und Michael Olise (24), den Karembeu als „fantastischen Spieler“ bezeichnet. Auf die Frage nach dem aktuell stärksten Spieler und möglichen Ballon-d’Or-Gewinner sagt der ehemalige defensive Mittelfeldspieler: „Im Moment ist Mbappé der Stärkste. Zudem gibt es auch noch Desire Doué. Er war der aufstrebende Stern am Himmel und hat letztes Mal schon den Nachwuchspreis gewonnen. Also ist er vielleicht dieses Mal ein Kandidat für den Ballon d‘Or.“

Bayern mit Michael Olise (r./24) setzte sich im Champions-League-Viertelfinale gegen Real und Kylian Mbappé (27) insgesamt mit 6:4 durch. Mbappé erzielte in beiden Partien jeweils ein Tor, Olise bereite im Hinspiel (2:1) einen Treffer vor und erzielte im Rückspiel das Tor zum 4:3-Endstand
Foto: WITTERS
Karembeus Weg in die französische Nationalmannschaft war lang und alles andere als selbstverständlich. Sein Heimatland Neukaledonien spielte dabei zunächst keine Rolle, da der Inselstaat erst seit 2004 Mitglied der Fifa ist. Erst kürzlich scheiterte Neukaledonien in den Play-offs zur WM 2026 im Halbfinale gegen Jamaika (0:1).
In seiner Jugend waren professionelle Strukturen dort kaum vorhanden. Karembeu beschreibt die Bedingungen so: „Auf diesem Teil der Erde gab es zu der damaligen Zeit keine Grundlage. Es gab keine Akademie. Wir hatten keine richtigen Ressourcen. Wir hatten keine wirklichen Trainer. Wir haben von der Straße, von den Gegnern gelernt. Wir haben aus Spaß gespielt und um mit unseren Mitspielern zusammen zu sein. Es spielte keine Rolle, ob du gut oder schlecht bist. Die Hauptsache war: Du kannst spielen und teilhaben.“
Karembeu wuchs in einer großen Familie mit 17 Geschwistern auf und galt schon früh als äußerst fleißig. In seiner Jugend soll er täglich rund 14 Kilometer zum Bäcker gelaufen sein, um Brot zu holen. Auch seine ersten Schritte im Fußball bleiben ihm in besonderer Erinnerung: „Das Beste ist: Wir haben in meinem kleinen Dorf jeden Samstag immer Turniere gespielt. Ich konnte dann in Teams spielen und auch mal wechseln. Wir haben dabei gelernt, uns zu entwickeln und wie man Leistung zeigt. Sie laden einen ein, zu spielen. Irgendwie sah mich irgendwann jemand und sagte mir: Du musst nach Europa gehen. So ist das passiert.“

Christian Karembeu (damals 27) stand insgesamt in 53 Länderspielen für Frankreich auf dem Platz. Im WM-Finale 1998 gegen Brasilien (3:0/im Foto) kam er für 57 Minuten zum Einsatz
Foto: imago images/Mary Evans
Karembeu: „Leidenschaft ist das Wichtigste“
Über seine Anfänge im internationalen Fußball sagt Karembeu: „Als ich nach Europa gekommen bin, wusste ich nicht, wo ich bin, wohin ich gehe. Viele Kinder haben davon geträumt. Ich hatte Europa noch nicht gesehen. Natürlich brauchst du Träume. Aber die wichtigste Sache ist Leidenschaft. Ich habe es als Kind geliebt, Fußball mit meinen Mitspielern und meinen Freunden zu spielen. Es hat alles sehr viel mit dem Kopf zu tun. Ich bin in eine neue Umgebung gekommen, hatte keine Ahnung davon, wie es läuft. Geduld, Träume und die mentale Seite sind entscheidend, um etwas zu erreichen.“
Karembeu, der seinen Traum verwirklicht hat, äußert sich zur Entwicklung des Sports: „Wenn wir auf jede Nationalmannschaft zurückblicken und die Geschichte des Fußballs betrachten, gehörte der Sport früher den Weißen. Wir müssen alle Menschen einbeziehen – das ist Teil der Entwicklung des Sports und der Regeln. Wir sollten stolz sein auf das, was wir erreicht haben. Wir haben Geschichte geschrieben und das ist eine klare Botschaft an die Welt: Wir sind alle zusammen, wir sind alle vereint.“
Im Laufe seiner Karriere spielte Karembeu nicht nur für Real Madrid, sondern auch für Klubs wie den FC Nantes, Sampdoria Genua, Middlesbrough, Servette und Bastia – und stand dabei mit zahlreichen internationalen Topstars auf dem Platz. In dieser Zeit tauschte er auch viele Trikots, doch eines hat für ihn eine ganz besondere Bedeutung.
Es handelt sich um das Trikot von Roberto Carlos (53), das der brasilianische Linksverteidiger im WM-Finale 1998 trug, das Frankreich mit 3:0 gewann. Karembeu und Roberto Carlos kannten sich aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Real Madrid.

Karembeu (r.) duelliert sich mit Brasilien-Legende Ronaldo (l./damals 21)
Foto: AFP via Getty Images
Dieses besondere Erinnerungsstück befindet sich an einem ungewöhnlichen Ort – und wird auch künftig nicht versteigert werden, etwa über Plattformen wie „MatchWornShirt“. Karembeu erzählt dazu: „Es ist in Neukaledonien. Und mein Bruder läuft damit herum. Ich kann nicht erwarten, dass er es mir zurückbringt. Es ist unmöglich. Er trägt es in den Geschäften. Er ist stolz auf das Trikot und freut sich über die Show.“

Karembeu (l.) und Roberto Carlos (damals 25). Von Januar 1998 bis Sommer 2000 spielten sie gemeinsam bei Real Madrid
Foto: AFP via Getty Images