Bäckerei Schnell hat in Kaulsdorf eine Filiale mit Aufenthaltsqualität eröffnet

Der Duft von frischen Brötchen zieht seit Montag durch die Heinrich-Grüber-Straße nahe dem S-Bahnhof Kaulsdorf: Die Berliner Handwerksbäckerei Schnell hat ihre neue Filiale im
Untergeschoss des neuen Wohn- und Geschäftshauses der Wohnungsbaugenossenschaft Wuhletal eröffnet – und dürfte damit auch eine kleine Lücke im Kiez schließen.

Denn gastronomische Angebote gibt es rund um den S-Bahnhof Kaulsdorf zwar durchaus, etwa mit den Gaststätten „Zur S-Bahn“ und „Zum Oberfeld“. Was nach der Schließung des Eisladens in der
Bausdorfstraße jedoch fehlte, war ein Ort für einen guten Kaffee, ein Stück Kuchen oder ein entspanntes Frühstück. Genau das will die Bäckerei Schnell nun bieten.

 

„Wir wollten für den Ort auch etwas machen. Das war unsere Motivation dabei“, sagt WG-Wuhletal-Vorstand Karsten Ewert. Gemeinsam mit Vorstandskollege Mike Riewe brachte er zur Eröffnung einen
Blumenstrauß vorbei. Die Idee für die Zusammenarbeit entstand eher unkompliziert. Eine andere Genossenschaft stellte den Kontakt her. „Wir haben uns noch vor dem alten Flachbau getroffen“,
erzählt Ewert. Schnell war klar: Hier könnte so ein Konzept funktionieren.

 

Aktuell ist rund um das Gebäude noch einiges in Bewegung. Eigentlich wollte Torsten Schnell schon Ende Februar starten, doch die Bauarbeiten verzögerten sich auch wegen des strengen Winters und
anderer Unwägbarkeiten. Ausgerechnet am Eröffnungstag war noch einmal schweres Gerät im Einsatz – der letzte Balkon wurde montiert. „Wir sind auf der Zielgeraden. Ende des Monats soll alles
fertig sein“, sagt Mike Riewe. Neben der neuen Bäckerei beherbergt der Holz-Hybridbau 26 Mietwohnungen und die neue Geschäftsstelle der WG Wuhletal.

Ganz bewusst setzt die Bäckerei zunächst auf einen sanften Start. „Wir haben uns gedacht: Wir machen erst mal ganz ruhig auf, damit sich das Personal einarbeiten kann“, erläutert der Bäcker- und
Konditormeister. Große Werbung? Fehlanzeige. Ein klassisches Soft Opening eben. Acht Mitarbeitende sind vor Ort, rund 60 Prozent davon neu im Team. Weitere Einstellungen soll es geben –
idealerweise direkt aus der Region. „Die kennen den Kiez und haben einen kurzen Arbeitsweg“, sagt Torsten Schnell.

 

Die ersten Reaktionen der Kundschaft seien durchweg positiv. Kein Wunder: Die neue Filiale wirkt einladend. Warme Beleuchtung, moderne Einrichtung mit Holz, Braun-, Grün- und Grautönen,
Industrial-Elemente, Hängepflanzen und Sitzpolster mit Pflanzenmustern schaffen eine angenehme Atmosphäre. „Ich denke, man kann hier ganz gut verweilen“, so Schnell. Dafür gibt es reichlich
Platz: 32 Sitzplätze drinnen, weitere 30 draußen unter großen Markisen.

 

Auch kulinarisch fährt das Familienunternehmen einiges auf: Brot, Brötchen, Kuchen, Kaffeespezialitäten, Snacks und Frühstücksangebote – vom Mailänder bis zum Hauptstadtteller. Im Sortiment
findet sich auch „Lehmpfuhls Landbrot“, ein Sauerteigbrot mit 70 Prozent Roggen, 30 Prozent Weizen und feiner Gewürzmischung. Dahinter steckt ein historisches Berliner Familienrezept aus der
Kaiserzeit, das der Berliner Künstler Christopher Lehmpfuhl im Nachlass seiner Eltern entdeckt hatte und gemeinsam mit der Bäckerei Schnell wiederbelebt hatte. Tradition wird in dem
Familienbetrieb ohnehin hoch gehangen. Die Unternehmensgeschichte reicht bis ins Jahr 1897 zurück. Heute führt Torsten Schnell das Gewerbe in vierter Generation – die fünfte ist mit Sohn Volker
und Tochter Sarah inzwischen auch schon voll im Geschäft. 

 

Produziert wird hauptsächlich in Weißensee. Die Teiglinge für die Brötchen reifen 48 Stunden, bevor sie in die Filialen geliefert und vor Ort fertig gebacken werden. „Wir stellen die Brote und
Brötchen so her, wie mein Urgroßvater das gemacht hat – nur mit moderner Technik. Die körperlich schwere Arbeit übernehmen heutzutage Maschinen.“

 

Und wie sieht für einen Bäckermeister eigentlich das perfekte Frühstück aus? Schnell muss nicht lange überlegen: „Mit viel Ruhe“. Eine Stulle und ein gekochtes Ei – mehr braucht er nicht. „Ich
toaste mir das Brot gern und bestreiche es mit Butter.“

 

Die Filiale der Bäckerei Schnell in der Heinrich-Grüber-Straße 20 ist montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr und samstags von 7 bis 15 Uhr geöffnet. Ob sie perspektivisch auch sonntags aufmachen,
werde derzeit noch diskutiert, verrät Torsten Schnell.