Nicht nur die kantige Form und die weinrote Lackierung im Farbton «Fiat Rosso» sind besonders. Auch das Fahrgeräusch im Stil einer alten U-Bahn oder Straßenbahn hebt sich ab. Der historische «Kaiserwagen» der Schwebebahn in Wuppertal dreht nach langem Stillstand wieder seine Runden. Mitten unter den hellblauen Fahrzeugen der neusten Generation.

Für die Stadt Wuppertal geht es im Jubiläumsjahr 125 Jahre Schwebebahn um einen großen Tourismusfaktor. Das einzigartige Verkehrsmittel gilt als kräftiger Besuchermagnet. Sieben Jahre stand allerdings der «Kaiserwagen» der ersten Baureihe aus dem Jahr 1900 still. Die immer länger gewordene Liste bei der Restaurierung und der Modernisierung der Technik ist jetzt abgearbeitet.

Warum weckt der «Kaiserwagen» viele Emotionen?


Der Zug der ersten Baureihe 1900 ist mit einem Millionenaufwand technisch auf den neuesten Stand gebracht worden. - © Federico Gambarini/dpa

Der Zug der ersten Baureihe 1900 ist mit einem Millionenaufwand technisch auf den neuesten Stand gebracht worden. – © Federico Gambarini/dpa

Ganz Wuppertal fiebere der Fahrt des «Kaiserwagens» entgegen, sagt Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing. Viele Kindheitserinnerungen hingen an der Schwebebahn. Viele emotionale Geschichten seien gerade auch mit dem historischen «Kaiserwagen» verbunden: die Fahrt mit dem ersten Freund, der ersten Freundin oder auch eine besondere Geburtstagsfeier.

Warum hält der «Kaiserwagen» an, wenn es spannend wird?


Der sogenannte Kaiserwagen bei einer Testfahrt. - © Federico Gambarini/dpa

Der sogenannte Kaiserwagen bei einer Testfahrt. – © Federico Gambarini/dpa

Der Nostalgiezug wird auch für Hochzeiten genutzt. Wenn sich Brautpaare in luftiger Höhe das Ja-Wort in der Schwebebahn geben, wird ein Stopp auf offener Strecke eingelegt. Doch warum? Soll der Bräutigam beim Küssen der Braut eine optimale Position haben? Oder ist das Ja-Wort sonst nicht klar zu vernehmen?


Mit Stoff bezogene Sitze sind im Innern des besonderen Wagens der Wuppertaler Schwebebahn zu sehen. - © Federico Gambarini/dpa

Mit Stoff bezogene Sitze sind im Innern des besonderen Wagens der Wuppertaler Schwebebahn zu sehen. – © Federico Gambarini/dpa

Die Lösung: Den Stopp des Zuges benötigen die Beamten des Standesamtes. Das liegt an den früheren Kriterien für den Trauort, wie die Stadt dazu erklärt. Es muss demnach ein geschlossener stehender Raum sein. «Und das ist die Schwebebahn erst, wenn sie für die Trauung selbst anhält.» So kann auch eine Adresse der Hochzeit auf der gut 13 Kilometer langen Schwebebahn-Trasse angegeben werden: Alter Markt 1 über einer belebten großen Kreuzung etwa.


Der sogenannte Kaiserwagen steht zwischen seinen modernen Artgenossen im Depot. - © Federico Gambarini/dpa

Der sogenannte Kaiserwagen steht zwischen seinen modernen Artgenossen im Depot. – © Federico Gambarini/dpa

Andreas Haus, Leiter der Schwebebahn-Fahrschule, ist gerade mit Mitarbeitern unterwegs, die für die Fahrt mit dem «Kaiserwagen» geschult werden. «Ich glaube, ich habe so ziemlich alles mitgemacht», sagt er auf die Frage, ob er selbst auch schon eine Hochzeit in der Schwebebahn erlebt hat. «In der Spitze hatten wir über 50 Hochzeiten im Jahr. Durchschnittlich eine die Woche.»

Kommt es nur auf das Äußere an?


Der historische Zug kommt bei Kaffeefahrten und für besondere Anlässe wie Hochzeiten zum Einsatz. - © Federico Gambarini/dpa

Der historische Zug kommt bei Kaffeefahrten und für besondere Anlässe wie Hochzeiten zum Einsatz. – © Federico Gambarini/dpa

Nicht nur das Äußere des «Kaiserwagens» ist besonders, sondern auch dessen typisches Fahrgeräusch. «Jeder weiß sofort, der Kaiserwagen kommt,» erklärt Bang. Es entsteht bei der Kraftübertragung vom Motor auf das Speichenrad, wie Betriebsleiter Christian Kindinger erklärt. Bei den modernen Fahrzeugen der Schwebebahn ist die Konstruktion eine andere und alles ist abgekapselt.

Warum heißt der «Kaiserwagen» so?


Der sogenannte Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn kurz vor dem Start in der Wagenhalle. - © Federico Gambarini/dpa

Der sogenannte Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn kurz vor dem Start in der Wagenhalle. – © Federico Gambarini/dpa

Die ersten Passagiere der Schwebebahn waren Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin Auguste Viktoria – bei einer Testfahrt am 24. Oktober 1900 einige Monate vor der Eröffnung. Aus der Baureihe 1900 sind die Wagen 5 und 22 erhalten. Die Modernisierung ist ein Millionenprojekt. Ob der Monarch damals genau mit einem dieser beiden Wagen gefahren ist, ist allerdings nicht verbürgt.

Wie kann man mitfahren?


Christian Kindinger, Betriebsleiter der Schwebebahn, sitzt im

Christian Kindinger, Betriebsleiter der Schwebebahn, sitzt im „Kaiserwagen“. – © Federico Gambarini/dpa

Tickets für Kaffeefahrten mit Kuchen und Stadtführern in historischen Kostümen können über die Wuppertal Marketing GmbH gebucht werden. Die Fahrt kostet für Erwachsene 49,50 Euro. Interessenten können aber auch das gesamte Fahrzeug über das Buchungsportal der Stadtwerke mieten. Hochzeiten sind voraussichtlich wieder ab dem kommenden Januar möglich.

Was ist zum Jubiläum 125 Jahre Schwebebahn geplant?


Ein moderner Wagen der Wuppertaler Schwebebahn ist orange-blau in der Optik der Baureihe 1972 gestaltet. Das Retro-Design der 1970er an einem Schwebebahn-Fahrzeug ist Teil der Aktionen zum Jubiläum 125 Jahre Schwebebahn im Jahr 2026. - © Volker Danisch/dpa

Ein moderner Wagen der Wuppertaler Schwebebahn ist orange-blau in der Optik der Baureihe 1972 gestaltet. Das Retro-Design der 1970er an einem Schwebebahn-Fahrzeug ist Teil der Aktionen zum Jubiläum 125 Jahre Schwebebahn im Jahr 2026. – © Volker Danisch/dpa

Die Wuppertaler Stadtwerke planen für den 19. September ein Bürgerfest. Ein moderner Wagen der Wuppertaler Schwebebahn ist orange-blau in der Optik der Baureihe 1972 gestaltet und dreht im normalen Fahrbetrieb seine Runden. Das Retro-Design der 1970er an dem Fahrzeuge ist Teil der Jubiläumaktionen.

Warum ist die Schwebebahn älter als die Großstadt?

Die Großstadt Wuppertal gab es damals noch nicht. Sie entstand erst 1929 durch das Zusammenlegen von Elberfeld, Barmen, Vohwinkel und weiteren Kommunen. Die Schwebebahn des Kölner Erfinders Eugen Langen sollte die Verkehrsprobleme im Tal der Wupper lösen. Für den Kaiser stand die Fahrt mit dem neuartigen Verkehrsmittel nicht an erster Stelle des Besuchsprogramms.

Was spielte sich 1900 bei der Fahrt ab?

«Durch zahlreiche Zwischenfragen bewies der Kaiser das lebhafte Interesse, das der Bau bei ihm erregte», heißt es in einem Zeitungsbericht über den hohen Besuch. In verlangsamten Tempo fuhr die Schwebebahn auf dem gewundenen Schienenweg. Laut Bericht waren drei Wagen im Einsatz: im ersten Wagen Behördenchefs, im zweiten Kaiser und Kaiserin, im dritten das Gefolge.

Warum gibt es die Schwebebahn nur in Wuppertal?

Für das System Schwebebahn von Eugen Langen war die Sonderfahrt mit dem Kaiser trotz aller Hoffnungen kein Durchbruch. In den Metropolen rückten damals U-Bahnen in den Fokus für den Transport vieler Menschen, auch in Berlin. Dort gibt es allerdings derzeit Überlegungen, eine Schwebebahn zu bauen.

Nach dem System Langen ging in Dresden am 6. Mai 1901 eine Bergbahn in Betrieb. Die Schwebebahn am Hang nah der Elbe gibt es noch immer. Mehr Projekte wurden trotz aller Bemühungen nicht umgesetzt.

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