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Ein neues BYD-Modell besetzt eine Nische, die es bislang gar nicht gibt. Warum der Kleinwagen aus China zum weiteren Stresstest für Europas Autoindustrie werden kann.
Offenbach/München – Der Markt für kleine Plug-in-Hybride in Europa ist bisher ein weißer Fleck – genau hier setzt nun der China-Hersteller BYD an: Noch 2026 wird der neue BYD DOLPHIN G DM-i auf den Markt kommen und eine Lücke schließen, die etablierte Hersteller bislang ignoriert haben. Für die europäische Autoindustrie bedeutet die Konkurrenz mehr als nur ein weiteres Modell aus China.
BYD drängt mit aller Macht auf den europäischen Automarkt – mit einem breiten Modellspektrum. Ein neuer Kleinwagen kommt mit Verbrennermotor (Symbolbild). © Nexpher Images/Imago
Der Dolphin G ist das erste Auto des chinesischen Konzerns, das von Anfang an speziell für Europa entwickelt wurde. So zielt der Dolphin PHEV auf Kundinnen und Kunden, denen reine E-Autos noch zu teuer oder unpraktisch erscheinen, die aber trotzdem elektrisch unterwegs sein wollen. Damit wird die Neuheit auch zum Testfall dafür, ob dieses Antriebskonzept im Kleinwagensegment eine Zukunft hat.
China-Hersteller BYD schickt Dolphin G in eine noch leere Nische in die EU
Der BYD Dolphin G DM-i wird als Verbrenner-Pendant zum elektrischen Dolphin Surf positioniert, der bereits gegen Modelle wie Dacia Spring, Citroën ë-C3 oder Renault 5 antritt. Anders als diese reinen Stromer verbindet der Dolphin G einen Benziner mit einem Elektromotor und einer aufladbaren Batterie – klassischer Plug-in-Hybrid also.
Wirtschaftlich interessant ist, dass der Hersteller aus China eine Nische besetzt, in die sich bislang kein europäischer Volumenhersteller vorgewagt hat: Kleinwagen gibt es als Benziner, Diesel oder Mildhybrid reichlich, Vollhybride wie Toyota Yaris oder Renault Clio decken das klassische Segment ab – doch ein kleiner PHEV in dieser Größe ist neu. Erste Bilder wurden auf einem chinesischen Portal veröffentlicht.
BYD Dolphin mit PHEV-Technik: DM-i als Brücke zum Elektroauto
Berichten zufolge ist der Dolphin G antriebsseitig eng mit dem BYD Atto 2 DM-i verwandt, der mit einem 1,5-Liter-Benziner, einem E-Motor und einer Batterie an der Vorderachse konzipiert ist. In der Einstiegsvariante kommt das Hybrid-SUV auf eine Systemleistung von 166 PS, während die elektrische Reichweite rund 40 Kilometer im WLTP-Zyklus beträgt. Für den kleineren Dolphin G ist ein ähnliches Layout wahrscheinlich.
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Britische Portale ordnen den Dolphin G als B-Segment-Modell ein, das zur neuen Welle speziell für Märkte wie Deutschland zugeschnittener Modelle gehört: Der Dolphin G ist das erste BYD-Gefährt, welches laut Europa-Chefin Stella Li explizit für europäische Kunden entwickelt wurde – anders als die bisherigen Vertreter, die ursprünglich für China vorgesehen waren.
Was der neue China-Hybrid Dolphin G für Europas Autoindustrie bedeutet
Hinzu kommt die mögliche Fertigung im neuen BYD-Werk in Ungarn, das als zentrale Drehscheibe für den europäischen Markt aufgebaut wird. Sollte der Dolphin G dort tatsächlich vom Band laufen, würde der Plug-in-Hybrid nicht nur Jobs in der Region schaffen, sondern auch den Vorwurf schwächen, China exportiere nur billige Autos ohne lokale Wertschöpfung.
Die Preise für den Dolphin G hat BYD noch nicht veröffentlicht, doch der PHEV wird mutmaßlich günstiger als der elektrische Dolphin Surf, der aktuell bei 22.990 Euro startet. Damit könnte das neue BYD-Modell zu den preislich attraktivsten Autos auf dem Markt gehören – nicht nur unter elektrifizierten Modellen.
BYD und die Hybrid-Offensive: Weiterer Baustein einer größeren Strategie
Für die europäische Autoindustrie wäre ein solches Preisniveau eines PHEV-Kleinwagens ein Warnschuss: Hersteller tun sich schwer, Elektro- oder Plug-in-Hybrid-Modelle im günstigen Volumensegment profitabel anzubieten, während BYD durch seine Batterietechnik und vertikale Integration Kostenvorteile nutzen kann.
Seit dem vergangenen Jahr bietet BYD auch hierzulande den elektrischen Kleinwagen Dolphin Surf an. Demnächst erscheint ein Hybridableger auf der Bildfläche. © BYD/dpa-tmn
Der Dolphin G ist nicht das einzige PHEV, mit dem BYD in Europa antritt: Bereits im Programm sind der Kombi Seal 6 DM-i Touring und das SUV Seal U DM-i. Außerdem könnte noch in diesem Jahr der siebensitzige BYD Ti7 als geländegängiger Plug-in-Hybrid folgen. Gemeinsam mit dem Atto 2 DM-i spannt BYD damit eine PHEV-Palette vom Kleinwagen bis zum großen SUV auf.
BYD Dolphin G DM-i erweitert Angebot bezahlbarer Plug-in-Hybriden
Eine große Bühne bekommt der BYD Dolphin G DM-i beim Goodwood Festival of Speed im Juli, wo der PHEV-Kleinwagen erstmals einem breiteren europäischen Publikum gezeigt wird. Der Ort ist nicht zufällig gewählt: Das Happening in Südengland gilt als Schaufenster für neue Technologien und internationale Marken. In anderen Ländern wie Deutschland ist der China-Kleinwagen schon im Juni zu sehen.
Wirtschaftspolitisch wird der Dolphin G zu einer weiteren Bewährungsprobe, wie ernst es Europa mit fairem Wettbewerb, aber auch mit Klimazielen und Verbraucherinteressen meint: Subventionen, Zölle auf China-Importe und strengere CO₂-Flottengrenzwerte treffen bei einem bezahlbaren PHEV-Kleinwagen unmittelbar aufeinander. Und für die Kundschaft bleibt am Ende eine simple Frage: Wenn BYD zeigt, dass günstige, alltagstaugliche Plug-in-Hybride möglich sind – warum schaffen das nicht auch europäische Hersteller? (Quellen: BYD, BitAuto, What Car?, IT Times, eigene Recherche)