Zugegeben, es gibt schönere Orte als Autobahn- und S-Bahnbrücken. Dunkel, zugig, dreckig, oft Lieblingsplatz der Tauben und Lagerplatz von Obdachlosen. Umso mehr hat man sich im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf bemüht, aus dem Platz vor dem S-Bahnhof Rathaus Steglitz einen Ort zu machen, der ein würdevolles Entree zur Schloßstraße ist.

Die Ladenzeile mit Döner, Asiaten und Bäcker wurde noch ergänzt um Kioske, die Hähnchen, Getränke und Zeitungen anboten. Für ein romantisches Date wäre es wohl immer noch nicht der richtige Treffpunkt gewesen. Aber Stühle und Tische waren oft besetzt, die Grillhähnchen und Döner galten in Steglitz als unschlagbar.

Unwirtlich, grau: So soll es bis zum Abriss und Neubau der Autobahnbrücke bleiben.
© Katrin Lange | Katrin Lange
Mit dem Tag, als die Autobahn GmbH das Gelände von der Senatsverkehrsverwaltung übernahm, änderte sich alles. Alles zum Schlechten. Auf einmal galten andere Bestimmungen, Vorschriften, Gesetze. Läden unter Verkehrsbrücken – verboten. Also Abriss, im Namen des Brandschutzes und der freien Feuerwehrzufahrt. Das hätte man noch verstehen können, wenn ein aufgeräumter Platz mit Grün entstanden wäre. Stattdessen wurde es eine Baustelle. Stahlstützen sichern die Autobahnbrücke, die so marode ist, dass sie einstürzen könnte. Doch Abriss und Neubau sind kein Thema, noch lange nicht.
Die Autobahn GmbH hat kein Problem damit, wie es jetzt am S-Bahnhof aussieht. Nicht ihr Bier. Für den Platz sei sie nicht zuständig, heißt es. Die Arroganz, die einem entgegenschlägt, lässt einen sprachlos zurück. Soll das wirklich so bleiben, bis vielleicht in zehn Jahren die Brücke erneuert wird? Bauzäune, Stahlstützen, gesperrte Wege? Was die Autobahn GmbH den Steglitzern zumutet, ist ein Skandal.