Es ist keine gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Halle. Denn mit dem Hammer-Markt verschwindet eine bekannte Marke – und darüber hinaus ein Geschäft mit einem eigentlich gefragten Sortiment. Über das Management der Unternehmensgruppe ließe sich an dieser Stelle trefflich streiten, wenn man bedenkt, dass eigentlich jede kleine bis mittlere Stadt nach Baumärkten und Einrichtungshäusern lechzt.
Die Nachfrage nach den Produkten war grundsätzlich da – doch anstatt hoher Kundenfrequenz und voller Regale steht an der Bundesstraße 68 jetzt ein leerer Klotz, gesäumt von Einkaufswagen, für die sich so schnell kein Kunde mehr finden wird.
Die Gegenwart an dieser Adresse kommt also schon trübe daher – die kurz- bis mittelfristigen Aussichten könnte man sogar als düster bezeichnen. Denn der Stadt Halle droht an dieser doch eigentlich prominenten Adresse eine große Gewerbebrache. Während das Borgers-Gelände in der Innenstadt anders als geplant nun schon seit Jahren schlummert und auf der früheren Edeka-Fläche am Klingenhagen erst nach schier ewigen Debatten und des Gezerres erste Perspektiven skizziert werden, stehen Stadt und Politik bei Ex-Hammer nun vor der nächsten Baustelle.
Halle setzt auf Schutz für seine Innenstadt – zu welchem Preis?
Vor fast 20 Jahren gab die Textilrecyclingfirma Borgers den Haller Standort auf. Auch hier herrscht nun seit geraumer Zeit Stillstand.
| © Uwe Pollmeier
Die Situation ist das klassische Beispiel dafür, wie zahlreiche nachvollziehbare Einzelinteressen zu einem ärgerlichen Gesamtergebnis führen können. Und wie die Menschen in Deutschland nach und nach an der Komplexität und bürokratischen Behäbigkeit unseres Systems verzweifeln. Warum müssen die Dinge nur so kompliziert sein, mag man sich fragen.
Nun ja, es ist schon nachvollziehbar, dass an dieser Stelle ein spezieller Bebauungsplan verabschiedet wurde, um den Einzelhandel in der Innenstadt vor Konkurrenz vor der eigenen Tür zu schützen. Wenn man beobachtet, mit welchen Argusaugen die Haller Händler jede Entwicklung im Outlet im Ravenna-Park verfolgen, wird deutlich, wie bedroht sich die Kaufleute ohnehin schon fühlen.
Problem nur: Dieser Bebauungsplan ermöglicht eigentlich nur einen Fachmarkt, wie es Hammer war. Der ist aber nun weg. Und wie schwer es ist, Geschäfte rund um den handwerklichen Hausbedarf in eine kleine Stadt wie Halle zu locken, hat das jahrelange Dürsten nach einem Baumarkt bewiesen, das mit dem „Sonderpreis“ am Künsebecker Weg nun zumindest auf Sparflamme befriedigt werden wird.
Situation beim Ex-Hammer-Markt ist ein Sinnbild für Stillstand
Das Outlet im Ravenna-Park wird von den Haller Händlern seit geraumer Zeit als Konkurrenz wahrgenommen.
| © Uwe Pollmeier
Nun kommt also kein neuer Hammer an die B68 – aber was bleibt dann? Den Bebauungsplan zu ändern klingt logisch, aber jetzt kommt eben der Punkt, in dem viele Menschen unsere Bürokratie kritisieren. Ein Änderungsverfahren wird mindestens 18 bis 24 Monate dauern – sollte ein Investor eine konfliktträchtige Nutzung anstreben, sogar noch länger.
Zum Hintergrund: Darum ist die Nachfolge-Suche für Halles Hammer-Markt so schwierig
Weil eben erst alles seinen Gang gehen muss. Was will man an dieser Stelle erlauben, das die Innenstadt nicht schwächt und trotzdem interessante Optionen für anzusiedelnde Betriebe eröffnet, lautet die entscheidende Frage. Und natürlich muss es einer Kommune auch obliegen, ihren Wirtschaftsstandort sinnvoll zu entwickeln und kein „Wild-West“ zu ermöglichen. Es gilt also, zahlreiche Argumente verschiedener Akteure abzuwägen.
Aber für welches Unternehmen – und es gibt offenbar verschiedene Interessenten – ist es denn attraktiv, mit womöglich mehr als zwei Jahren Wartezeit zu kalkulieren, bis das Grundstück zur Verfügung steht? Bis hier wieder etwas entstehen kann, blättert längst der Putz beim einstigen Farbenspezialisten. Das Sinnbild für Stillstand.
Verfahren wie die in Halle müssen beschleunigt werden
Viel wird in diesen Tagen darüber gesprochen, wie wir die Abläufe in unserer Wirtschaft beschleunigen können. Es muss doch Wege geben, solche behördlichen Verfahren zu beschleunigen, ohne ihre Wirksamkeit zu beschädigen. Andernfalls wird die Hammer-Brache auf Jahre Verwaltung, Politik, Immobilienbesitzer und potenzielle Investoren frustrieren.
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