Liebe Leserin, lieber Leser,
zunächst einmal muss ich dringend Abbitte leisten. Das kommt davon, wenn man sich als Berliner an rheinischer, speziell bergischer Tischkultur vergreift. Kurz nach Erscheinen meines vergangenen Newsletters bekam meine Frau einen Anruf von einer nahen Verwandten, deren Sohn in Berlin lebt und diesen Newsletter abonniert hat. Ich hätte bei meiner Schilderung der Bergischen Kaffeetafel eine entscheidende Komponente vergessen: den Klaren. „So wird das nichts“, sagte sie meiner Frau am Telefon. „Kein bergisches Mädchen setzt sich ohne Klaren an eine Kaffeetafel, woll?“ Hiermit sei er erwähnt, der Vollständigkeit halber und damit ich mich in Zukunft im Bergischen Land noch sehen lassen kann. Im Grunde ist es nur logisch, wie sonst sollte man eine solche Völlerei überstehen?
Genießen in Berlin – die besten Restaurants, die neusten Trends:
Das Stichwort Völlerei bringt mich zum ersten der heutigen Themen. Früher war für mich die Wahl in einem griechischen Restaurant immer leicht: Ich suchte gezielt auf der Speisekarte nach der Grillplatte. Egal, wie sie auch heißen mochte: Kreta, Aphrodite, Zeus, Olympia, egal. Hauptsache, sie enthielt von allem etwas: Gyros, Bifteki, Tzatziki, Reisnudeln, Souvlaki, Lammkoteletts und so weiter. Es war ein Fest, auch wenn ich mich hinterher nach Hause rollte.
Griechisches Essen hat für viele mit Menge zu tun. Sich mal so richtig satt essen, für kleines Geld, nach Knofi müffeln und gerne bitte zwei oder drei Ouzo aufs Haus. Retsina? Uäks, muss nicht, das Bierchen tut es auch. Und aus den Lautsprechern dröhnt Sirtaki, speziell natürlich aus dem Film „Alexis Sorbas“ mit Anthony Quinn. Sie wissen schon: Dadam, dim, dam, dim, dadam, dim, dam, dim, dideladim usw. Ich wette, Sie haben jetzt einen Ohrwurm. 😂 Eines der griechischen Restaurants, die ich früher häufig besuchte, war da noch spezieller: Gefühlt jeder dritte Song war „Griechischer Wein“ von Udo Jürgens. Kann man mögen. Beim ersten Mal. Oder wenn der Pegel nach genug Ouzos entsprechend hoch ist. Sonst wird es einem doch schnell zu viel, wie die Grillplatte.
Jetzt den Newsletter „Genießen in Berlin“ abonnieren
Morgenpost-Menü, Morgenpost-Tasting, Restaurants: Jede Woche kostenlos die wichtigsten kulinarischen Nachrichten aus Berlin in Ihrer Mailbox – einfach hier anmelden!
Griechische Restaurants in Berlin, die sich vom Althergebrachten lösen wollen, haben es nicht ganz leicht. Warum? Die Leute WOLLEN das Althergebrachte. Das ist Tradition. So wollte Athanasios Gortsas eigentlich im „Meraki“ am Fasanenplatz in Charlottenburg ein griechisches Bistro mit modern interpretierter Küche betreiben. „Doch die Gäste fragten nach den Klassikern. So haben wir auf handwerklich präzise gekochte, traditionelle Gerichte umgestellt, mit den besten Produkten, zu reellen Preisen“, erklärte der 50-Jährige meinem Kollegen Franz Michael Rohm. Es erinnert ein wenig an „My Big Fat Greek Wedding“, wo der mega (!) traditionelle griechische Vater sich beschwert, seine Tochter wolle einen „Xenos“ heiraten, einen Ausländer, einen Fremden. Und selbst das Wort „Kimono“ hat bei ihm natürlich einen griechischen Ursprung. Tradition geht manchen über alles. Da sind die Deutschen offenbar nicht anders als die Griechen.

Griechisch geht auch anders: ausgesuchte Vorspeisen im „Meraki“.
© Franz Michael Rohm | Franz Michael Rohm
Die meisten Restaurants, die moderne Gerichte servieren möchten, passen sich also an. Sie servieren auch das Traditionelle. „Wenn deutsche Gäste griechisch essen gehen, erwarten sie auch Tzatziki & Co“, sagt Georgios Kitsos vom „Greekfood Olympia“ in Adlershof. Doch wer sich darauf einlässt, die Grillplatte mit Souvlaki, Bifteki und Gyros mal außen vor zu lassen, der kann wunderbare Entdeckungen machen. Und dazu Weine, ja, auch Sorten von Retsina, die nichts mit „Uäks“ zu tun haben. Mein Kollege gibt Ihnen hier ein paar spannende Empfehlungen, die garantiert Appetit machen.
Jetzt den Newsletter „Genießen in Berlin“ abonnieren
Morgenpost-Menü, Morgenpost-Tasting, Restaurants: Jede Woche kostenlos die wichtigsten kulinarischen Nachrichten aus Berlin in Ihrer Mailbox – einfach hier anmelden!
Lieblingsgerichte Berliner Spitzenköche
Was ist Ihr Lieblingsgericht? Ich muss gestehen, ich habe ziemlich viele und keines ist den anderen voraus. Spaghetti Bolognese, Königsberger Klopse, Pizza, Backfisch mit Remouladensoße, Currywurst, Fischstäbchen. Es gibt einiges. Fällt Ihnen eine Gemeinsamkeit auf? Es sind alles Gerichte, die Kinder wohl auch lieben würden. Kindheitserinnerungen prägen unser Essverhalten.

Der Klassiker: Schnitzel, das Lieblingsgericht von „Schmidt Z&Ko“-Küchenchef Gerrit Wensing.
© Manuela Blisse | Manuela Blisse
Ein Beispiel: Wegen meiner Schilddrüse musste ich als Kind mit meiner Mutter häufig an die Nordsee. Mein Vater, der Arzt, hatte es verordnet, damit ich mehr Jod abbekomme. Wir wohnten immer in einer Pension, mit Halbpension, wenn ich mich richtig entsinne. In einer davon, ich glaube, es war auf Langeoog, gab es alle paar Tage Leber. Hart, zäh, ich hatte das Gefühl, auf meinem Radiergummi aus der Schule herumzukauen. Leber, das war „Ratzefummel“, wie wir die Korrekturgummis früher nannten. Das Ergebnis: 20 Jahre habe ich keine Leber gegessen. Das änderte sich erst, als ich in Venedig in einem kleinen Restaurant namens „Il Gazzetino“ (als Journalisten mussten meine Frau und ich einfach da hin) in Unkenntnis der italienischen Sprache „Fegato alla veneziana“ bestellte. Kalbsleber mit Zwiebeln. Ich war hingerissen. Schmelzend zart, ein Geschmack wie… Nun ja.
Lieblingsgerichte sind also häufig mit Kindheitserinnerungen verbunden. Niemand kochte besser als Mama. Klar. Und glauben Sie mir, nicht nur Frauen kämpfen bei ihren Männern dagegen an, dass Mutter das doch viel besser hinbekam. Bei uns, wo ich das Kochen erledige, ist das nicht anders.

Pellkartoffeln mit Quark und Röstzwiebeln, das Lieblingsessen von „Feed the Pony“-Chefin Hannah Borchardt.
© Manuela Blisse | Manuela Blisse
Auch Berliner Spitzenköche haben ihre Lieblingsgerichte und, wie Manuela Blisse erfuhr, auch bei ihnen sind es häufig Kindergerichte. Lassen Sie sich mitnehmen in die Welt der Top-Köche, die erzählen, was sie am liebsten essen. Glauben Sie mir: Mit Luxus haben ihre Gaumenschmeichler nichts zu tun.
Jetzt den Newsletter „Genießen in Berlin“ abonnieren
Morgenpost-Menü, Morgenpost-Tasting, Restaurants: Jede Woche kostenlos die wichtigsten kulinarischen Nachrichten aus Berlin in Ihrer Mailbox – einfach hier anmelden!
Perfektes Fleisch mit einem Hauch Dubai

Das umgestaltete Restaurant des „the Main“.
© the Main | the Main
Luxus, das bringt mich zum letzten Thema. Von der Nordsee und Venedig reisen wir nach Dubai. Nein, nicht wirklich. Aber als ich vergangene Woche in dem neuen Restaurant „the Main“ (kein Schreibfehler) im Hotel „Titanic Gendarmenmarkt“ war, da beschlich mich ein wenig das Gefühl, ich säße in Dubai. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich war noch nie dort, aber ich stelle es mir so vor. Der ehemalige „Beef Grill Club by Hasir“ wurde komplett umgebaut, statt grüner Plüschsofas gibt es jetzt klare Linien in Rot und Schwarz, die Longhorn-Schädel sind verschwunden und wurden durch Kunst ersetzt.
Chefkoch ist nach dem Weggang von Alexander Koppe ein Franzose: David Creuzet, der die Küche klar in die französische Richtung bringt, übrigens ein häufig zu beobachtendes Comeback in Berlin, das mich herzlich freut. Dazu zählen Klassiker wie Zwiebelsuppe, Lammkarree in Kräuterkruste oder ein Steak Café de Paris und ein Hummer Thermidor. Für italienische Komponenten sorgt Souschef Matteo De Angelis, Restaurantleiter Oliver Töremis für einen extrem aufmerksamen Service. Neben den bereits erwähnten Klassikern dreht sich vieles immer noch um hervorragende Steaks.

Perfekt zubereitetes Steak: die Beef Mastercuts im „the Main“.
© Berliner Morgenpost | Alexander Uhl
Das Restaurant ist noch in der Soft-Opening-Phase, offiziell geht es erst am 18. Juni los. Aber schon jetzt ist das Restaurant gut besucht, wie ich bei einem Pressedinner beobachten durfte. Und auch die Klientel würde meiner Meinung nach gut nach Dubai passen. Ich hatte in jedem Fall einen spannenden und ja, auch vergnüglichen Abend. Meine Erfahrungen habe ich hier für Sie zusammengefasst.
Jetzt den Newsletter „Genießen in Berlin“ abonnieren
Morgenpost-Menü, Morgenpost-Tasting, Restaurants: Jede Woche kostenlos die wichtigsten kulinarischen Nachrichten aus Berlin in Ihrer Mailbox – einfach hier anmelden!
Damit tausche ich die Schürze mal wieder gegen das Jackett und das Chefmesser mit dem Stift – beide sind hoffentlich mindestens gleich scharf. Ihnen wünsche ich viel Freude mit griechischen Restaurants (probieren Sie wirklich gerne mal was anderes als Gyros mit Tzatziki und Pommes), mit Lieblingsgerichten, über die sich auch Ihre Kinder freuen würden, oder beim Besuch in einem guten Restaurant – und natürlich, wie immer, eine genussvolle Woche.
Herzlich, Ihr
Alexander Uhl
Wie gefällt Ihnen dieser Newsletter? 👉 Jetzt an unserer kurzen Umfrage teilnehmen!
Die Gastro-Neuigkeiten der Woche

Tim Lentl (l.) und Michael Kempf im „Qiu“ im „The Mandala Berlin“.
© Steffen Sinzinger • Content & Communication | Steffen Sinzinger • Content & Communication
Qiu im The Mandala Berlin – Gourmets denken beim „The Mandala Berlin“ am Potsdamer Platz vor allem an das Zwei-Sterne-Restaurant „Facil“ und Michael Kempf. Doch das Luxushotel hat noch ein zweites Restaurant, das „Qiu“. Hier übernimmt jetzt Tim Lentl als Küchenchef nach mehreren Jahren im „Facil“. Er will dort eine „präzise, reduzierte Küche mit heimischen Zutaten aus ganz Deutschland“ anbieten. „Wir modernisieren nicht altbekannte deutsche Gerichte, sondern schaffen mit Zutaten aus verschiedenen Regionen Deutschlands Neues“, erklärt Lentl. Er will vergessene Zutaten wieder zum Leben erwecken. So präsentiert er zum Auftakt Büsumer Krabben auf knusprigem Brioche, eine Hommage an das Krabbenbrötchen. Der Zwiebelrostbraten wird zur Bavette vom Wagyu aus dem Vogelsberg. Der Business-Lunch im Qiu soll beibehalten werden. Geöffnet täglich ab 12 Uhr, warme Küche 12 bis 15 Uhr und 18 bis 22 Uhr. Lunch montags bis freitags. Potsdamer Straße 3, Mitte, https://qiu.de/de/
Jetzt den Newsletter „Genießen in Berlin“ abonnieren
Morgenpost-Menü, Morgenpost-Tasting, Restaurants: Jede Woche kostenlos die wichtigsten kulinarischen Nachrichten aus Berlin in Ihrer Mailbox – einfach hier anmelden!
Azubi-Übernahme im Bonvivant – Bereits zum dritten Mal übernehmen junge Talente Küche und Service im veganen Sternerestaurant „Bonvivant“. Azubis, „Frischlinge“ und duale Studenten aus dem Fachbereich Culinary Management „schmeißen“ am 10. und 11. Juni 2026 die Küche und den Service. Sie planen, kochen und servieren ein 4-Gänge-Menü inklusive Amuse Bouche und Petit Fours. Dabei werden sie vom erfahrenen Team um Küchenchef Nikodemus Berger und Barchef Martin Wolf unterstützt. „Wir sind sehr froh, dass das Format bei unseren Gästen bestens ankommt“, sagt Inhaber Jules Winnfield, „die Talente lernen enorm viel an diesem Abend. Es ist ein wichtiger Schritt in der Ausbildung und zugleich bringt es natürlich auch viel Spaß für alle Seiten.“ 89 Euro pro Person, Gästezahl auf 60 limitiert. Reservierungen: www.bonvivant.berlin
Genießen in Berlin
Abonnieren Sie kostenlos den Genuss-Newsletter der Berliner Morgenpost

Genießen in Berlin
Abonnieren Sie kostenlos den Genuss-Newsletter der Berliner Morgenpost
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der
Werbevereinbarung
zu.
BRLO Lunch Deal in Charlottenburg – Die Berliner Craftbeer-Brauerei „BRLO“ ist längst aus einem Nischendasein herausgetreten und heute wohl einer der größten Mitspieler in der Szene. Neben dem Stammhaus am Gleisdreieck-Park gibt es auch eine Dependance in der Giesebrechtstraße in Charlottenburg. Dort gibt es ab dem 19. Mai einen Lunch Deal. Dienstag bis Freitag werden Essen und Getränke zwischen 12 und 15 Uhr für 12 Euro angeboten. Gäste können eine Speise aus fünf Optionen auswählen, dazu gibt es ein Getränk (0,33 l) nach Wahl. Unter den Gerichten sind 1/4 Huhn mit Chili-Mayo, Pommes oder Salat, Crispy Chicken Burger, Caesar Salad, Pulled Chicken Sandwich oder ein Small Fried Chicken. Giesebrechtstraße 15, Charlottenburg., https://brlo.de/gastronomien/brlo-charlottenburg

Der verborgene Garten im „The Westin Grand Berlin“.
© The Westin Grand Berlin | The Westin Grand Berlin
Garten-Events im The Westin Grand – Was kaum einer weiß: Das Luxushotel an der Ecke Friedrich- und Behrenstraße in Mitte hat einen weitläufigen Garten auf der Rückseite der zweiten Etage. Gartenkunst, Springbrunnen und Rückzugsorte machen ihn zu einer besonderen Open-Air-Location. Herzstück ist das verglaste Drachenhaus, einst Orchideenhaus. Hier finden im Sommer mehrere Veranstaltungen statt. Am Pfingstmontag, 25. Mai, gibt es einen Jazzbrunch mit Buffet, Grill und Live-Jazz. 85 Euro plus Vorverkaufsgebühr bei Eventim. An drei Sommerabenden gibt es zudem After Work „It‘s Veuve O‘Clock“. Eintritt frei, mit Musik, Bar und Grill. Außerdem gibt es am 13. Juni einen Flohmarkt Deluxe, wo private Anbieter hochwertige Mode, Accessoires und Kuriositäten bieten. Ticketkauf für alle Veranstaltungen über www.eventim.de, weitere Informationen über www.westingrandberlin.com
Jetzt den Newsletter „Genießen in Berlin“ abonnieren
Morgenpost-Menü, Morgenpost-Tasting, Restaurants: Jede Woche kostenlos die wichtigsten kulinarischen Nachrichten aus Berlin in Ihrer Mailbox – einfach hier anmelden!
Pizza Village Berlin – Vom 28. bis 31. Mai feiert das italienische Festival Pizza Village seine Premiere in Berlin, genauer in Friedrichshain. Das Festival ist in Neapel entstanden und hat dort bereits mehr als 10 Millionen Besucher erreicht. Es widmet sich der neapolitanischen Pizza. Geboten werden Pizza, Workshops, Tastings und Festivalstimmung im Napoleon-Komplex. Renommierte Pizzerien aus Italien präsentieren ihre Kreationen an zehn Stationen. Immer gibt es Margherita und Marinara, dazu jeweils eine speziell für Berlin geschaffene Sorte. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: https://www.pizzavillage.it/de/berlin-pizza-village/
- Morgenpost Späti – Hier steckt alles drin: Montag bis Freitag um 18 Uhr das Wichtigste aus Berlin direkt ins Postfach – kompakt, nah dran & persönlich. Wie im Späti um die Ecke. 🔗 Hier kostenfrei anmelden!
- Hauptstadt Inside – Jörg Quoos, erfahrener Politikjournalist, gibt Ihnen dreimal die Woche Durchblick durch den politischen Dschungel Berlins. 🔗 Hier kostenfrei anmelden!
- Berlin erleben – Felix Müller bringt Sie jeden Donnerstag in Wochenendstimmung: Die besten Ideen für Kultur, Unternehmungen und Ausflüge in Berlin – direkt in Ihr Postfach. 🔗 Hier kostenfrei anmelden!

Weitere Artikel zum Genießen in Berlin