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Nach Herthas 1:6-Debakel in Bielefeld haben die Berliner Fans die Nase voll. Als Torwart Tjark Ernst (23) als Erster in Richtung Gästeblock lief, um zum Saisonende seine Torwarthandschuhe zu verschenken, flogen ihm diese sofort wieder vor seine Füße zurück. Auch andere Gegenstände flogen auf den Platz. Die Fanseele kocht! Das verdeutlichten auch die „Leitl raus!“-Rufe aus dem Gästeblock.

Hertha-Trainer Stefan Leitl (48) ist für die Fans nach einer völlig verkorksten Saison der Hauptschuldige, der am letzten Spieltag mit dem teuersten Kader der Liga auf Platz 7 abrutschte.

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Leitl sagt dazu: „Die Rufe waren nicht zu überhören und auch verständlich, wenn du dich so präsentierst. Es ist für mich aber jetzt nicht nötig, das zu kommentieren. Das Ergebnis spricht für sich. Die Art und Weise, vor allem wie wir in der zweiten Hälfte das Spiel abgeschenkt haben, sollte uns zu denken geben. So kannst und darfst du dich nicht präsentieren. Egal, an welchem Spieltag.“

Herthas Profis mussten sich nach dem Horrorspiel Beleidigungen den eigenen Fans anhören

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Foto: Burmann/City-Press

Dabei hatte Leitl vor dem letzten Spieltag volle Gegenwehr seiner Mannschaft versprochen. Auch um seinem Ex-Klub Fürth im Abstiegskampf zu helfen. Bei Kellerkind Bielefeld ging Hertha zwar nach Gechter-Tor (37.) mit 1:0 in die Pause. Danach brach alles auseinander. Hertha kassierte sechs Tore in einer Halbzeit.

Verteidiger Niklas Kolbe: „Heute war ein Tiefpunkt!“

Verteidiger Niklas Kolbe (29): „Das war furchtbar schlecht. Das ist unerklärlich. Dass wir uns vor 3000 mitgereisten Fans so aufgeben, darf uns nicht passieren.“ Zu den Fanreaktionen nach Abpfiff sagt er: „Wenn man 6:1 auf die Hütte bekommt, muss man sich als Spieler auch mal beleidigen lassen. Heute war ein Tiefpunkt!“

Zwar fehlten Hertha an diesem Tag zehn Spieler verletzt, krank oder gesperrt. Aber dieser 1:6-Untergang ist der negative Höhepunkt einer ganz schwachen Saison. Es wird spannend, ob Hertha wirklich weiter mit Trainer Leitl in die neue Saison geht. Das hatte kürzlich zumindest Geschäftsführer Peter Görlich erklärt. In den wichtigsten Vereinsgremien soll das allerdings schon länger kontrovers diskutiert werden. Nun also auch in der Fankurve.

Hertha steht ein großer Umbruch bevor. Topspieler wie Reese, Eichhorn, Ernst und Gechter dürften sich dieses gescheiterte Hertha-Projekt nicht länger antun wollen. Dazu wurden bereits diverse Spieler verabschiedet. In Zukunft sollen es die Talente in Berlin richten. Von denen stand Janne Berner (21) diesmal erstmals in der Startelf. Auch Niklas Hildebrandt (17) und Soufian Gouram (20) feierten in der 83. Minute ihre Profipremieren. Sie stehen für die Hertha-Zukunft. Und Trainer Leitl?