Hundt lässt seinen Anwalt dazu erklären, es habe keine Inkasso-Verfahren gegeben, der Eintrag würde überarbeitet. Das war Mitte April. Den Inkasso-Vermerk zur Firma „SDC Sachsen Digital Solutions“ führt Creditreform bis Mitte Mai.
Und genau diese Firma stellte am 12. Dezember 2025 eine Rechnung an einen öffentlichen Aufraggeber, einen Landkreis in Norddeutschland.
SDC Consulting oder SDC Solutions?
Dabei hatte der ursprünglich einen Vertrag mit einer ganz anderen Firma, der „SDC Sachsen Digital Consulting“ — und war bereit, die Rechnung dafür auch zu bezahlen. Doch die Kontonummer auf der Rechnung stimmte nicht überein: Denn die kam nicht von der inzwischen insolventen „SDC Consulting“, sondern von der wieder aktivierten „SDC Solutions„.
Hat die neue Firma die Geschäfte der alten übernommen und den Auftrag weitergeführt? Durfte das Geld von der insolventen Firma und damit vom Insolvenzverwalter weg zu einer anderen, nicht insolventen Firma umgelenkt werden? Fragt man bei Insolvenzanwälten nach, so heißt es, möglich wäre das – aber nur, wenn der Insolvenzverwalter einbezogen wurde und der Landkreis zugestimmt hat.
Dem Landkreis zufolge hat es eine solche Vereinbarung nie gegeben. Dass der Landkreis nicht informiert wurde bestätigt auch Hundts Presseanwalt: „Ein Auftragsübergang lag übrigens nicht vor.“ Auf die Frage, ob der Insolvenzverwalter eingebunden war, heißt es: „Die Leistungserbringung durch die SDC Sachsen Digital Solutions geschah mit Genehmigung des Insolvenzverwalters.“ Dieser habe „mündlich“ zugestimmt. Belege dafür? Auch hier: Fehlanzeige.
Fragen auch zu Hundts Lebenslauf
Und damit stellt sich einmal mehr die Frage, wie seriös, zuverlässig und integer Berlins neuer Staatssekretär ist. Bei der Spurensuche nach Antworten findet man auch dessen Lebenslauf, abgestimmt mit ihm und veröffentlich im Internetauftritt des Landes Berlin. Darin für die Jahre 2019-2026 der Eintrag: „Dozent SRH Hochschule Berlin“.
An der Hochschule selbst kann man das so nicht bestätigen: Lediglich im Wintersemester 2019/2020 habe Hundt dort Lehraufträge gehabt – und die auch nicht in Berlin, sondern am Dresdner Campus. „Weitere darüber hinausgehende Tätigkeiten von Herrn Hundt an unserer Hochschule sind anhand der vorliegenden Unterlagen nicht belegbar“, so eine Sprecherin der Hochschule auf Anfrage von MDR und rbb.
Inzwischen ist der Lebenslauf geändert. Sein Mandant habe den „in wesentliche berufliche Großabschnitte unterteilt“ und lediglich mitteilen wollen, dass er „innerhalb dieses Ausschnitts auch“ als Dozent tätig gewesen sei. Er verstünde jedoch, dass das „leicht missverstanden werden kann“, so Hundts Anwalt.
Wie viele Menschen und Unternehmen vermeintlich noch auf Geld von Matthias Hundts Firmen warten und wie hoch die offenen Forderungen sind, ist bislang unklar. Es scheint um erhebliche Summen zu gehen.
Auf die ersten Fragen von MDR und rbb meldete sich der frisch gebackene Staatssekretär noch persönlich zurück. Inzwischen spricht für ihn sein Anwalt. Der teilte Ende April zunächst mit, den Fragen lägen eine „Reihe an Fehlannahmen” zugrunde „und zwar ausnahmslos bei all Ihren Fragen”. Wie es stattdessen gewesen sein soll? Ob es dafür Belege gibt? Darauf gibt es auch Wochen später überraschend oft keine klaren Antworten.
Haben Sie Hinweise zum Thema? Wissen Sie mehr zu den Hintergründen? Wir recherchieren weiter und freuen uns, von Ihnen zu hören! Sie erreichen uns unter investigativ@mdr.de