Die Stadt Düsseldorf stoppt mit Verweis auf das Defizit im Haushalt die Planungen für den Neubau einer Oper. Die Entscheidung sei vor dem Hintergrund der „aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen“ notwendig, teilte die Verwaltung am Freitag mit. Ziel sei ein Haushalt, der „solide aufgestellt“ ist und langfristig tragfähig bleibt.

Die Leser der Rheinischen Post haben zu dem Thema zahlreiche Leserbriefe geschickt. Hier ein Überblick:

Es ist die erste wirklich gute Nachricht aus dem Rathaus seit Jahren! Wir Bürger hatten uns schon gefragt, ob es im Rat niemanden gibt, der den Mut aufbringt, einmal Klartext zu reden, und ob man in der Düsseldorfer Politik niemanden mehr findet, der einfach rechnen kann. Man muss sich in Düsseldorf nur einmal umsehen. Es gibt so viele Dreckecken und unerledigte Baustellen, dass es schon peinlich ist. Allen Versäumnissen der letzten Jahre voran sollten da die Übergänge von der Heinrich-Heine-Allee zur Altstadt genannt werden. Seit dem U-Bahnbau ist dort nichts geschehen. Jeder bereits für die Planung der Oper ausgegebene Euro wäre hier besser und sinnvoller angelegt gewesen, unsere Stadt verkommt zusehends. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass sich in absehbarer Zeit einige vernachlässigte Dinge zum Guten wenden. Edelgard Schulte

Die hohen Gesamtkosten eines Opernneubaus, die langfristig auf rund 1,8 Milliarden Euro geschätzt werden, sind den Bürgerinnen und Bürgern nicht zuzumuten. Warum hat man keinen Bürgerentscheid durchgeführt? Offenbar bestand die Sorge, dass die Bürgerinnen und Bürger den Bau insbesondere am vorgesehenen Standort ablehnen würden. In unserer Stadt gibt es zahlreiche andere wichtige Aufgaben: zum Beispiel: Straßensanierungen, Sauberkeit der Stadt, Schulen, ÖPNV, Sicherheit in der Altstadt und vieles mehr. Ich hoffe, dass die eingesparten Mittel nun zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger eingesetzt werden. Heinz-Willi Dampf

Das ist für mich eine richtig schöne Nachricht, dass es keinen Neubau geben wird und dass der schöne Bau am Hofgarten weitergenutzt werden wird. Ich habe dort seit den 50er-Jahren so viele wunderbare Aufführungen erlebt, unter anderem auch die Neueröffnung 1956 mit Fidelio, bei der ich in der Pause auch unseren damaligen Bundespräsidenten Heuss erlebte, der mit hochrotem Kopf auf den Applaus der Menge reagierte, was ihn mir noch sympathischer machte. Mein Stammplatz war der oberste Rang Seite, Eintritt hart erarbeitet mit Latein-Nachhilfestunden. Wenn ich was sehen wollte, musste ich stehen, aber hören war wichtiger, und das ging auch dort. Heute kann ich nur noch von meinen Erinnerungen zehren, der Weg ist mir nicht mehr möglich, aber ich möchte den Düsseldorfern zurufen: Seid dankbar für eure wunderschöne Oper an diesem herrlichen Ort! Thelse Schliebs

Seit Jahren berichtet die RP, dass die Kämmerin der Stadt vor der Haushaltssicherung warnt. OB Keller war so vernarrt und verrannt beim Opernhausneubau, dass er gar nicht merkte, wie sich ein teurer Fehler an den anderen reihte. Alleine der völlig überteuerte Kauf des Kaufhofs am Wehrhahn plus Nachbargrundstück. Er wird beides nur mit hohem Verlust wieder abstoßen können. In der Summe wird sein sinnloses Abenteuer Hunderte Millionen Euro kosten. Da OB Keller wegen des Opernhauses wichtige Immobilienprojekte vernachlässigte und ihm wenig gelang, ergibt sich ein trauriges Bild. Er sollte einen Rücktritt erwägen. Sigmund Schimmer

Das neue Opernhaus ist tot – es lebe das alte! Die große Mehrheit der Düsseldorfer Bürger hat die hochtrabenden Pläne zu einem neuen Opernhaus von Anfang an, als die ersten Pläne für einen Neubau aufkeimten, nicht zuletzt auch wegen der damit verbundenen exorbitanten Kosten, kritisch hinterfragt und abgelehnt. Nicht nur die Wettbewerbe und Vorplanungen haben sehr viel Geld verschlungen, auch ein offensichtlich überteuerter Grundstücksankauf ausgerechnet vom Pleitier Benko steht auf der Rechnung. Jetzt gilt es mehr denn je, das alte denkmalgeschützte Opernhaus fit zu machen für eine nachhaltige Nutzung mit einem weiterhin guten, publikumsanziehenden Programm. Auf eine unbeschwerte Zukunft des alten Düsseldorfer Opernhaus am Hofgarten! Helmut Friedrichs

Ich bin geneigt, zu sagen: Gott sei Dank. Dann wohl auch nicht am Rhein oder am Hofgarten. Der Druck, angesichts der städtischen Schuldenkrise, der ist und war zu groß. Und wir brauchen demnächst mutmaßlich Milliarden für die Sanierung von Infrastruktur. Die Fleher Brücke ist zwar keine städtische Brücke. Aber wer in letzter Zeit Samstagsmittags mal vom Werstener Kreuz bis zur Abfahrt D-Bilk bzw. über den Rhein bis nach Uedesheim im Stau stand, weil an der Brücke gearbeitet wird, der ahnt, was in den nächsten Jahren an den städtischen Brücken zu tun sein wird. Martin Käsgen

Ich beginne mit Ihren Artikeln hierzu, die nicht frei von einer Tendenz sind. So wird von einer „maroden“ Oper geschrieben, und erwähnt werden weit überwiegend nur Befürworter, also im wesentlichen Profiteure einer neuen Oper. Eine professionelle Meinungsumfrage bei Düsseldorfer Bürgern mit Nennung der geschätzten Gesamtkosten würde mit Sicherheit eine große Mehrheit gegen einen Neubau ergeben. Interessant wäre auch zu erfahren, wie viel Prozent die Oper regelmäßig besuchen. Zehn Prozent? Wir besuchen regelmäßig Tonhalle und Oper. Die Oper wirkt überhaupt nicht marode und soll ja durch einige durchaus kostenintensive Sanierungen gepflegt werden. Architektonisch halte ich sie für interessant, beispielsweise im Gegensatz zur alten Hamburger Oper. Und ich halte es durchaus für zumutbar, dass es Budgetvorgaben gibt, die einzuhalten sind. Ein extrem aufwendiges Bühnenbild für 30 Minuten Ballett muss nicht unbedingt sein. Das Gejammere über die ach so schlimmen Zustände ist überflüssig. Es gäbe noch mehr dazu zu sagen, insbesondere lohnt ein Blick auf die extrem hohen Kosten, die letztlich der Steuerzahler für jede Eintrittskarte zahlt. Ulrich Jansen

Überraschend ist nicht die jetzige Absage des Projekts Oper. Überraschend war, dass der Oberbürgermeister mit diesem Projekt in den Kommunalwahlkampf 2025 gezogen ist. Dabei zeigten die Haushaltsdaten zur Mitte des letzten Jahres nur in eine Richtung: abwärts. Der Controllingbericht der Kämmerei zum 30. Juni 2025 prognostizierte ein negatives Jahresergebnis von 389 Millionen Euro und damit eine Verschlechterung gegenüber der Planung von 175 Millionen Euro. Wörtlich hieß es: „Die aktuelle Entwicklung der Gewerbesteuer zeugt von hohen Unsicherheiten und zeigt bereits jetzt eine Verschlechterung von 150 Millionen auf.“ Niemand, der die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands mit Verstand beobachtet und Zeuge des von Donald Trump ausgerufenen „Liberation Day“ Anfang April 2025 war, konnte im vergangenen Herbst davon ausgehen, dass sich die Lage in den nächsten Jahren spürbar verbessern würde. Der ungute Eindruck drängt sich auf, dass Oberbürgermeister Stephan Keller, der schon kurz nach der Kommunalwahl gemeinsam mit anderen Kollegen wegen dramatischer Risiken für die deutschen Kommunalhaushalte einen „Brandbrief“ an den Bundeskanzler schrieb, bereits im Spätsommer recht genau wusste, dass selbst die Finanzkraft der Landeshauptstadt ein 1,8-Milliarden-Projekt nicht mehr zulassen würde. Dass er im Wahlprogramm der CDU dennoch für dieses „baulich-kulturelle Landmarken-Projekt“ werben ließ, das Düsseldorf „einmal mehr eine internationale Spitzenposition“ garantieren würde, war aus heutiger Sicht ein mehr als waghalsiges Manöver. Jens Baganz

Der Verzicht auf den Opernneubau ist auch ein Armutszeugnis für die Kulturpolitik der „Stadt der Reichen und Schönen“. Letztendlich haben sich politische Kräfte durchgesetzt, die neben Fahrradwegen und Gastronomie nur Event- und Pop-„Kultur“ im Sinn haben. Adolf Münten

Den Bau der neuen Oper für Düsseldorf abzusagen, war die beste Entscheidung, die man treffen konnte. Erstens: Der Ort für die neue Oper war unmöglich. Das war sicherlich nur ein Witz. Zweitens: Die Pläne für den Neubau waren ähnlich wie die Philharmonie und Hamburg nur Protz, aber wenig für ein Opernhaus geeignet. Wenn man wirklich ein neues Opernhaus bauen möchte, sollten sich die Planer das Festspielhaus in Salzburg, Baden-Baden oder in Bayreuth als Beispiel nehmen. Horst Albus

Ich kann OB Stephan Keller zu seinem Entschluss, den Neubau des Opernhauses zu stoppen und hoffentlich komplett zu begraben, nur gratulieren. Gigantomanie ist in der jetzigen Zeit fehl am Platz. Nur ein Prozent dieser Riesensumme in die Infrastruktur von Sportstätten in Düsseldorf zu stecken ist allemal sinnvoller. Noch besser: jeden eingesparten Euro in die marode Verkehrsinfrastruktur investieren. Johannes Peters

Es ist ein Signal: Sich von großen Träumen verabschieden, kleine Brötchen backen, gut aufs Geld aufpassen. Was den Abschied vom großen Traum angeht, bin ich geteilter Meinung. Die dem Abschied zugrunde liegenden Finanzprobleme kennt man nicht erst seit gestern. Gleichwohl hat man uns erzählt und vielleicht sogar geglaubt, eine neue Oper sei möglich, und dafür Millionen in Planungen versenkt. Das alte Gebäude wird irgendwann Geld fressen oder nicht mehr nutzbar sein, und das neue schien gut geplant. Zur Stunde kann ich nicht abschätzen, ob dieses vorbehaltlose Akzeptieren der harten Finanzwirklichkeit uns auf lange Sicht weiter bringt. Irgendeine inspirierende Zukunftsidee muss her, am besten eine, die sich finanziell selbst trägt, eventuell mit einer „kleinen“ Opern-Lösung darin (zweite Bühne, vorschriftengerechte Arbeitsplätze, …). Insofern hat der OB recht, wenn er die Losung ausgibt „Kaufhof-Karree neu denken“. Jörg Schön

Ich bin von der Entscheidung des Oberbürgermeisters positiv überrascht worden. Es ist eine mutige Entscheidung, die der heutigen Zeit gerecht wird. Es ist sinnvoller, die jetzige Oper zu behalten als einen Neubau zu bauen, dessen Kosten unüberschaubar sind. Die Lage der alten Oper ist top – und sie hat viel Charme. Kirsten Danes

Wir haben das Schauspielhaus, einige Theater, die Tonhalle, viele Museen und den Verbund mit Duisburg. Das muss reichen. Wir haben gleichzeitig kaputte Straßen und Bürgersteige, marode Schulen, ungepflegte Plätze in der Stadt. Diese zu pflegen kommt allen Bürgern der Stadt zugute und nicht nur den wenigen Musikbegeisterten. Die Entscheidung ist sehr bürgerfreundlich und gut. Monika Möhlendick

Die Absage von Herrn Keller zum Opernneubau ist richtig und meines Erachtens zu spät. Es sind bereits erhebliche Summen geflossen. Wir haben in der Stadt Düsseldorf genug finanzielle Probleme. Jürgen Ruby