Stand: 09.06.2026 15:16 Uhr
Das Flensburger Rathaus hat sein Nashorn wieder. Nach 15 Jahren im „Exil“ ist die Skulptur der Künstler Claus Lindner und Hans-Ruprecht Leiß wieder auf dem Dach des Gebäudes zu sehen. Vor dem Comeback gab es eine Schönheitskur für den Koloss.
Der „tierische“ Auftrag für die Feuerwehr dauerte etwa eine Stunde: Höhenretter hoben das 180 Kilo schwere und vier Meter lange knallgelbe Nashorn zwölf Meter in die Luft, ehe sie es auf dem Vordach über dem Südeingang des Flensburger Rathauses absetzten. Nun steht das bunte Kunstwerk wieder an dem Platz, den es 2011 hatte räumen müssen.
Vorher hatte es eine Schönheitskur gegeben: Drei bis vier Tage überarbeiteten Lindner und Leiß ihr Nashorn grundlegend und richteten es für seinen neuen alten Standort her – ohne Honorar. „Es ist eine Liebeserklärung an unsere schöne Stadt Flensburg“, sagte Leiß.
Nashorn vor 26 Jahren entstanden: Spontane Idee wird Kult-Kunstwerk

Per Kran kam der Koloss wieder an seinen angestammten Platz.
Das Nashorn wurde vor 26 Jahren gebaut. Kennengelernt hatten sich die beiden Künstler in den Neunzigerjahren. Als im Jahr 2000 im Schifffahrtsmuseum eine Ausstellung geplant war, entstand eine gemeinsame Idee, erzählt Leiß: „Du hast einen Gaffelmast vom Schifffahrtsmuseum. Da hängt ein Nashorn“, habe Lindner ihm gesagt und prophezeit: „Das wird der Hingucker.“
So kam es und aus der spontanen Idee wurde ein bekanntes Kunstwerk. Erst hing es am Schifffahrtsmuseum. Später zog es aufs Rathaus. Der damalige Oberbürgermeister Simon Faber vom SSW wollte es dort aber nicht mehr stehen sehen. Das Nashorn verschwand über Jahre weitgehend aus dem öffentlichen Blick und stand auf dem Sünderup-Hof. 2017 fand es Nashorn erneut einen prominenten Standort: Ein Unternehmer kaufte die Skulptur, seither stand sie mit Blick auf das Wasser auf dem Dach des Restaurants „Waage“ am Industriehafen.
„Flensburg ist eine Stadt der Ideen“
Nun grüßt es wieder vom Rathaus: „Die Augen symbolisieren Aufmerksamkeit: ‚The eye in the sky is watching you.‘ So steht es auf dem Balkon. Es beobachtet das Treiben. Und es denkt sich seinen Teil“, sagt Leiß schmunzelnd und ergänzt: „Flensburg ist eine Stadt der Ideen, auch verrückter Ideen. Sie kann unglaublich kreativ sein. Das war die Quintessenz der Aktion.“
Auch Oberbürgermeister Fabian Geyer (parteilos) freut sich über die Wiederkehr: „Es ist ein Künstler aus Flensburg. Es ist eine Familie, der das Nashorn gehört – das bedeutet einfach viel Lokalkolorit. Der Platz auf dem Vordach vermittelt Leichtigkeit vermitteln.“ Zudem sei das Kunstwerk ein Unikum und stehe „symbolisch dafür, dass wir zur Kunst stehen, die in Flensburg geschaffen wird“.

Bis Anfang Oktober können Besucher Werke aus aller Welt bestaunen. Auch Führungen und Konzerte sind geplant.