Die bayerische Landeshauptstadt wird nach und nach zur Metropole der US-Tech-Giganten. Amazon hat dort seine neue Deutschlandzentrale bezogen. Google baut seine Präsenz aus. Wirtschaftlich gesehen ist das ein Erfolg. Doch der Zuzug von Top-Verdienern belastet den Wohnungsmarkt, der zu den angespanntesten in Deutschland gehört. Nun fordert Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause im Interview mit unserer Redaktion, dass sich die internationalen Konzerne vor Ort im Wohnungsbau engagieren. „Ich finde, dass die Unternehmen auch eine Verantwortung haben, wenn sie hierherkommen“, sagte der Grünen-Politiker. Viele Firmen nähmen diese auch an, etwa indem sie in die Aufenthaltsqualität in ihrer Umgebung investierten. „Aber ich sehe sie auch in der Pflicht beim Werkswohnungsbau.“

Doch bislang scheinen die US-Unternehmen wenig Interesse daran zu haben, Wohnraum für ihre Beschäftigten bereitzustellen. Entsprechend skeptisch sieht etwa die Linke in München deren Ansiedelung. Kritiker befürchten einen Verdrängungswettbewerb, in dem Münchnerinnen und Münchner mit kleinem Einkommen gegen Spitzenverdiener der großen Konzerne unterliegen.

Werkswohnungsbau in München ist noch kein Standard

Auf Anfrage unserer Redaktion sagte ein Google-Sprecher, man sei sich der Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt bewusst. Deshalb befinde sich das Unternehmen in engem und regelmäßigem Austausch mit der Stadtverwaltung. Derzeit biete Google jedoch kein „Company Housing“, also keine eigenen Werkswohnungen, damit sich die Mitarbeitenden „selbst entfalten können, wie sie es wollen“. Viele entschieden sich bewusst dafür, außerhalb der Stadt zu wohnen, weil dies ihren Lebensumständen besser entspreche. Das betreffe den größten Teil der aktuell mehr als 1800 Angestellten.

In früheren Zeiten war es gängig, dass große Unternehmen für ihre Mitarbeiter selbst bauen, bei Krupp etwa oder in der Textilindustrie. Volkswagen hat seinen Bestand sogar erweitert. Wenn heute in München Werkswohnungen entstehen, dann meist durch Unternehmen in öffentlicher Hand oder Traditionsfirmen. Erst diese Woche legten die Stadtwerke den Grundstein für 220 neue Mitarbeiterwohnungen im Stadtteil Laim. Sie sollen 2028 fertig werden. Die Bäckereikette Rischart, ein Familienunternehmen mit 550 Angestellten an 22 Standorten, hat gerade in einen Neubau 100 Werkswohnungen integriert. Das Konzept komme sehr gut an, sagte Geschäftsführer Magnus Müller-Rischart. Die Wohnungen seien vollständig belegt. Das Angebot sei ein wichtiger Baustein eines langfristig attraktiven Arbeitsumfelds.

Stadt München plant Umbau leerer Büros zu Wohnungen

Bayerns Bauminister Christian Bernreiter (CSU) sagte unserer Redaktion, die Schaffung von Wohnraum sei ein Zusammenspiel von privaten, staatlichen und kommunalen Maßnahmen. „Wenn Unternehmen ebenfalls Wohnraum schaffen, um im Wettbewerb um die besten Fachkräfte ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, ist das nur zu begrüßen. Das kann ein weiterer wertvoller Baustein sein, um den derzeit sehr großen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen.“

Die Schätzungen dazu, wie viele Wohnungen in München fehlen, schwanken. 10.000 sollen es mindestens sein. Die neue Stadtregierung will daher auch leer stehende Büros in Wohnraum umgestalten. Erste Planungen laufen. Fünf seit 2022 verwaiste Bürotürme nahe des Ostbahnhofs etwa sollen zu einem neuen Quartier mit Büros, Hotel und Wohnungen für Studierende und Azubis werden. Zuvor hatte darin die Telekom ihre bayerische Hauptverwaltung.