Die USA haben eine
Handelsuntersuchung gegen ​Deutschland wegen der Preisgestaltung
für Medikamente eingeleitet. Es gehe um die Frage, ob US-amerikanische Patienten einen
unverhältnismäßig großen Anteil der Kosten für Forschung und Entwicklung
schultern, teilte der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer mit.
Er beruft sich auf Abschnitt 301 des US-Handelsgesetzes von 1974. Geprüft werden soll, ob Deutschland für innovative
Pharmaprodukte ​anhaltend zu wenig bezahle und dies ⁠unangemessen
oder diskriminierend sei. Je nach Ausgang könnte diese Untersuchung Zölle
rechtfertigen.

Greer wies darauf hin, dass den Ermittlungen monatelange Gespräche mit
der Bundesregierung vorausgegangen seien, bisher offenbar ohne Erfolg. Im
April sei ein Abkommen mit Großbritannien erzielt worden, heißt es in der Mitteilung des Handelsbeauftragten. »Deutschland sollte diesem Beispiel folgen und konstruktive
Verhandlungen führen, um das Ungleichgewicht zu beseitigen«, sagte Greer.

»Ich bin besonders besorgt über
Nachrichten, ​dass Deutschland ein Gesetz vorantreibt, das seine
Ausgaben für innovative Arzneimittel weiter senken ‌würde«, ⁠sagte Greer. Damit verwies Greer auf ​die geplante Gesundheitsreform
der Bundesregierung
. Mit einem Bündel an Einsparungen und
Mehreinnahmen soll ein drohendes Defizit von 20 Milliarden ​Euro
bei den gesetzlichen Kassen ausgeglichen werden. Sparpläne
betreffen demnach auch pharmazeutische Produkte.

Diskussion um Abschlag für Hersteller

Es war geplant, dass Pharmakonzerne sich künftig an den Einsparungen beteiligen und einen dynamischen Herstellerabschlag leisten. Dessen Höhe würde davon abhängen, wie sich die Arzneimittelpreise und die Einnahmen der Krankenkassen entwickeln. Steigen die Preise stärker als die Einnahmen, müssten die Hersteller den Kassen einen entsprechend hohen Abschlag gewähren. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will dabei allerdings eine Ausnahme zulassen: Führen die Hersteller ihre Studien in Deutschland durch, sollen sie vom Herstellerrabatt befreit werden. So erhielten die Patienten weiterhin früh Zugang zu neuen Medikamenten. Gleichzeitig entlässt Warken die Industrie damit ein Stück weit aus der Verantwortung.

© ZEIT ONLINE

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Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will die schwarz-rote Koalition der
Pharmaindustrie weiter entgegenkommen, um Abschläge kalkulierbar zu machen. Die Branche soll aber weiterhin ⁠einen Beitrag zur Vermeidung ​des Defizits der gesetzlichen Kassen leisten. Nun sei der Agentur zufolge ein fester Aufschlag ‌auf den
bisherigen Herstellerabschlag geplant. Dieser ‌Abschlag werde aber gegenüber
den Planungen angehoben.

Trump kritisiert deutsche Medikamentenpreise

US-Präsident Donald Trump ​fordert eine deutliche Erhöhung
der Arzneimittelpreise in Deutschland und Europa. Die
US-Regierung behauptet, dass die US-Verbraucher höhere Preise
zahlen müssten, weil dies ​die Forschung und Entwicklung neuer
Arzneimittel finanziere.

Trump verfolgte seit seiner Rückkehr an
die Macht auch in diesem Bereich eine aggressive Handelspolitik, die zur Verhängung eines weltweiten ‌Zolls von zehn Prozent und zu
Drohungen mit Zöllen von ​bis zu 100 Prozent auf Einfuhren aus
Ländern wie China und ⁠Frankreich
geführt ​hat.

Die US-Handelsbehörde will ab dem 25.
Juni schriftliche Stellungnahmen zu deutschen Medikamentenpreisen entgegennehmen und ‌im September
eine öffentliche Anhörung abhalten.

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