Trügerisch ruhig fließt der Rhein dahin. Angesichts der schweißtreibenden Temperaturen wirkt der Fluss an diesem heißen Sommertag besonders verlockend. Nur mal eben kurz mit den Füßen rein und abkühlen, das denkt sich auch ein Spaziergänger, der am Niederkasseler Ufer gerade mit seinem Hund die Wasserlinie entlangspaziert. Doch selbst dieses kurze Betreten des Rheins ist bereits verboten – denn es ist lebensgefährlich, wie Feuerwehr, Polizei und Stadt unaufhörlich warnen. „Die Strömung im Rhein verzeiht keinen Moment der Unachtsamkeit“, sagt Feuerwehr-Sprecher Stefan Böle.

Immer wieder erleben die Einsatzkräfte am Rhein, wie Menschen entgegen aller Warnungen und Hinweisschilder zum Baden ins Wasser gehen und dabei in Situationen geraten, aus denen sie sich nicht mehr befreien können. Für solche Einsätze bereiten sich die Strömungsretter und Taucher der Feuerwehr vor. So trainieren und simulieren sie die Personenrettung aus dem Rhein regelmäßig und unter realen Bedingungen vor Ort. „Unsere Aufgabe ist es, Leben zu retten“, sagt Böle. „Aber am sichersten ist es, gar nicht erst in Gefahr zu geraten.“

Bei einer dieser Übungen am Robert-Lehr-Ufer wird deutlich, warum. Von einem Boot aus lässt sich einer der Einsatzkräfte ins Wasser fallen. Innerhalb von Sekunden treibt der Mann ab und unter der Theodor-Heuss-Brücke hindurch. Seine Rettungsweste verhindert, dass die Strömung ihn unter Wasser zieht – sonst stünden die Überlebenschancen wohl schlecht. Häufig können die Einsatzkräfte Personen nur noch tot aus dem Wasser bergen.

Mit zwei Schnellbooten, die im Hafen in ständiger Bereitschaft liegen, sowie von der Feuerwache 1 an der Hüttenstraße rücken die Strömungsretter in solchen Fällen aus. Im Norden und Süden der Stadt gibt es weitere Boote der Freiwilligen Feuerwehr, die im Bedarfsfall hinzugezogen werden. Bei einem richtigen Einsatz würden zudem DLRG, DRK und Wasserschutzpolizei alarmiert, dazu ein Hubschrauber der Polizeifliegerstaffel am Flughafen. Parallel dazu würden auch zu Lande Einsatzfahrzeuge am Ufer und auf den Brücken unterwegs sein, um Sichtkontakt mit der gemeldeten Person halten. In solchen Momenten komme es auf jede Sekunde an.

Ins Wasser selbst springt dann ein Strömungsretter wie Domenic Saurbier, um die treibende Person zu erreichen und zu stabilisieren, ehe beide per „Jason’s Cradle“ – eine Netzvorrichtung zur Bergung von Personen aus dem Wasser – wieder ins Boot gehievt werden. Eine körperlich anspruchsvolle Aufgabe, die regelmäßiges Training unter realen Bedingungen erfordert. „Nur wenn jeder Handgriff sitzt, können wir im Ernstfall schnell und sicher handeln“, sagt Fachgruppenleiter Thomas Zender. Es gehe darum, „jede Rettungschance zu nutzen“.

Zumal es häufig zu solchen Einsätzen kommt, wie ein Blick auf die Einsatzzahlen zeigt. Seit Jahresbeginn wurde die Feuerwehr bereits 24-mal wegen Personen im Rhein alarmiert – über das ganze vergangene Jahr waren es 65 Einsätze. Acht Menschen (2025: 18) konnten gerettet werden, für drei Personen kam jede Hilfe zu spät (2025: 3).

Und der Sommer hat gerade erst richtig begonnen. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen konstant über 30 Grad bleiben. Die Feuerwehr weist daher darauf hin, im Zweifel immer den Notruf zu wählen, wenn man Personen im Rhein beobachtet. Wichtig seien dann Angaben wie der Rheinkilometer (auf den weißen Schilden entlang des Ufers angegeben) sowie Blickkontakt zu halten.