Damit eine Rakete ihr Ziel findet, muss der Computer in der Lage sein, bestimmte Bewegungen zu kontrollieren: Die Nase nach oben oder unten zu richten, sie nach links oder rechts um die eigene Achse zu bewegen und die Nase nach rechts und links zu bewegen.
„Ohne ein einwandfrei funktionierendes Gyroskop fliegt die Waffe ‚blind‘ und kann nicht erkennen, ob sie vom Kurs abgebracht haben. Da eine ballistische Rakete auf einer exakten mathematischen Flugbahn basiert, verstärkt sich ein unkorrigierter mechanischer Fehler von nur 0,5 Grad bei Hyperschallgeschwindigkeiten über die gesamte Flugbahn hinweg und führt zu einer Abweichung vom Zielort von mehreren zehn Kilometern“, schreibt „Dallas Analytics“.
Unterlagen zeigen: Firmen war Problem bekannt
Den Rechercheuren liegen Unterlagen russischer Rüstungsfirmen vor, die an der Entwicklung der Rakete beteiligt waren. Ein Dokument vom 18. März 2025 deckt ein gravierendes Genauigkeitsdefizit auf, und belegt, dass dem Hochgeschwindigkeits-Wiedereintrittsprofil die Präzisionslenkung fehlt, die die GU-503 eigentlich gewährleisten sollte. Die Quelle von „Dallas Analytics“ aus dem russischen Verteidigungsministerium bestätigte, dass die Firmen unter dem Druck, die strengen Fristen Wladimir Putins einzuhalten, die üblichen Qualitätssicherungsprotokolle umgingen.
In einem internen Schreiben zwischen den russischen Rüstungsfirmen Michurinsk und JSC AOMZ heißt es demnach: „Wir möchten Sie hiermit darüber informieren, dass GU-503-Artikel seit geraumer Zeit nicht mehr in Serie von unserem Unternehmen hergestellt werden. Da die Schaltungsauslegung der Geräte, die für die Einstellung, den Einbrennbetrieb und die Prüfung der GU-503-Artikel verwendet werden, Anfang der 1970er Jahre entwickelt wurde, ist sie technisch veraltet“.
Es wurde von den Ingenieuren vorgeschlagen, eine neue Technik zu entwickeln. In den Trümmern einer Oreschnik-Rakete sei aber 2026 ein GU-503-Gyroskop gefunden worden, das den Fertigungsstempel 2025 trug, berichten „Dallas Analytics“.
Putin wiegelte ab
Offenbar sind die Probleme mit der Navigationsgenauigkeit dem Kreml bekannt. Nachdem eine Rakete in einer Produktionshalle eines landwirtschaftlichen Betriebs in der Ukraine eingeschlagen war statt auf einem Militärgelände, ruderte Wladimir Putin zurück. Es seien Tests, die man mit der Rakete mache, und man habe nur den Einschlag beobachten wollen.
Im August 2025 hatte Putin jedoch angekündigt, dass die Oreschnik nun in Produktion sei und unter anderem in Belarus stationiert werden soll. „Die Vorbereitungsarbeiten laufen derzeit, und höchstwahrscheinlich werden wir sie noch vor Jahresende abgeschlossen haben“, sagte Putin und fügte hinzu, dass die erste Serie von „Oreschniks“ und deren Systeme bereits produziert und in den militärischen Dienst gestellt worden seien.