Eine Seniorin mit Gehstock bleibt am Münsterplatz zurück, als der Bus losfährt. Zeugen schildern die Situation und kritisieren das Verhalten des Fahrers.

Eine ältere Frau will am Donnerstagnachmittag (18.6.2026) gegen 15 Uhr am Münsterplatz in Castrop-Rauxel in einen Bus der Linie 482 Richtung Schwerin Seniorenheim steigen. Doch nach Darstellung von Zeugen schließen sich die Türen, bevor sie den Einstieg erreicht. Der Bus fährt los. Zurück bleibt eine Frau, die nach Beobachtung der Zeugen sichtlich unter der Hitze litt.

Astrid (63) und ihr Mann Thomas Graser (68) beobachteten die Situation und meldeten sich bei unserer Redaktion, um auf den Vorfall hinzuweisen. Die Frau habe auf der Bank am Bussteig gesessen und sei aufgestanden, als der Bus ankam. „Sie ist wirklich in ganz kleinen Schritten bis zum Einstieg gegangen“, sagt Astrid Graser. „Aber als sie direkt vor der Tür war, ging sie auf einmal zu.“

Die Seniorin habe noch versucht, den Türknopf zu drücken. „Aber sie kam nicht mehr heran, weil der Bus sofort losgefahren ist“, berichten die Grasers. Sie sei empört gewesen: „Der Fahrer hätte ja in den Seitenspiegel gucken können und sehen müssen, dass eine alte Dame noch vor der Bustür steht.“

Frau soll tief geatmet haben

Thomas Graser beschreibt die Frau als „äußerst geschafft“. Sie habe tief geatmet, ein gerötetes Gesicht gehabt, von der Hitze gezeichnet. Nach dem Vorfall sei sie langsam zurückgekehrt. Auf Nachfrage habe sie erzählt, dass ihr so etwas häufiger passiere. Einen vergleichbaren Vorfall schilderte vor anderthalb Jahren Justin Salhab. Der Ickerner ist auf einen Rollstuhl angewiesen und berichtete unserer Redaktion von einem Erlebnis, bei dem der Busfahrer die Rampe nicht herausgeholt hätte mit dem Verweis, der Bus sei voll. Dann fuhr er los und ließ den jungen Mann mit Schwerbehinderung sitzen.

Nach Angaben der Zeugen hatte die Frau in Castrop einen Gehstock dabei. Wohin sie wollte, habe sie nicht gesagt.

Tagsüber kann es schon mal unübersichtlich sein am Busbahnhof in Castrop-Tagsüber kann es schon mal unübersichtlich sein am Busbahnhof in Castrop-© Tobias Weckenbrock

DSW21-Sprecher Frank Fligge teilt auf Anfrage mit, der Vorfall vom Münsterplatz sei nicht bekannt. „Es gab keine diesbezügliche Meldung an die Leitstelle“, schreibt er. Das sei aber nicht verwunderlich: Wenn der Fahrer die Dame nicht bemerkt haben sollte, hätte er auch keinen Anlass gehabt, etwas zu melden. „Falls das so war, können wir uns bei der älteren Dame nur entschuldigen“, schreibt Fligge in einer E-Mail. Es handele sich aber allenfalls um Einzelfälle, in denen Fahrer einen Fahrgast übersehen. Das könne vor allem passieren, wenn sie Fahrgäste spät zur Haltestelle kommen und das Fahrpersonal bereits auf das Losfahren fokussiert sei: Türen schließen, Verkehr beobachten, einfädeln.

DSW rät: Handzeichen geben

Für Menschen mit Mobilitätseinschränkung gibt DSW21 den Tipp, sich bei Anfahrt des Busses mit einem kurzen Handzeichen bemerkbar zu machen und gegebenenfalls um Hilfe beim Einsteigen zu bitten.

Frank Fligge, Leiter der Unternehmenskommunikation der DSW21Frank Fligge, Leiter der Unternehmenskommunikation der DSW21© Christian Bohnenkamp

Ein Grund dafür, einen Fahrgast nicht mitzunehmen, kann laut Fligge in jedem Fall die Auslastung des Fahrzeugs sein. Zu Stoßzeiten kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass der Bus einfach voll ist. Dann müsse der Fahrer abwägen und eventuell entscheiden, keine weiteren Fahrgäste mehr aufzunehmen. „Im Idealfall findet in solchen Fällen eine kurze Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrgästen statt, damit sie eine Erklärung dafür erhalten, warum sie nicht zusteigen können“, so Fligge.

Thomas Graser und seine Frau waren am Busbahnof, als die Frau stehen blieb.  Thomas Graser und seine Frau waren am Busbahnhof, als die Frau stehen blieb.© Sophie Schädel