Sein ausgeprägter Torwille beeindruckte Dogan schon damals: „Das Tor ist für Deniz das A und O. Wenn er keine Chance auf einen Abschluss sieht, spielt er ab und sucht die nächste Möglichkeit.“ Seine Art sei damals ebenfalls schon so gewesen wie heute: „Er ist unbekümmert. Er kommt sehr sympathisch rüber“, sagt Dogan.
Dogan: „Das Tor ist für Deniz das A und O“
Dennoch sei viel Fantasie nötig gewesen, um diesen Weg vorauszusehen, den Undav jetzt geht, gibt Dogan zu. Er zieht einen Vergleich: „Bei Karim Bellarabi war die brutale Qualität schon früh zu sehen.“ Zur Erinnerung: Der Angreifer wechselte seinerzeit in die U19 nach Braunschweig, spielte in der zweiten Mannschaft und schaffte den Sprung in die Erste. Nach einem kurzen Gastspiel bei Bayer Leverkusen kehrte er zum damaligen Bundesligaaufsteiger leihweise zurück, um dann doch noch in Leverkusen durchzustarten. Für die deutsche Nationalmannschaft lief er elfmal auf.
Genauso viele Spiele wie Bellarabi hat übrigens Undav mit Stand vor dem dritten WM-Gruppenspiel am Donnerstagabend gegen Ecuador für die deutsche Elf absolviert. Dass er diese Zahl noch am Donnerstag toppen wird, daran besteht wohl kaum ein Zweifel. Die Fragen sind eher: Sollte er auch mal von Beginn an spielen? Oder passt die Rolle als Joker doch perfekt? Deniz Dogan fällt es nicht leicht, darauf eine Antwort zu geben. Ungern, so sagt er mit einem Augenzwinkern, würde er sich in die Reihe der Millionen Bundestrainer einreihen wollen.
Joker oder volle 90 Minuten: Sollte Undav von Beginn spielen?
„Ich würde Havertz ungern rauslassen“, meint der Wolfenbütteler Coach. Denn schließlich müsste jemand für Undavs Startplatz weichen. „Hat er die Power für das gesamte Spiel?“, lässt Dogan in seine Überlegungen ebenfalls einfließen. Denn die meisten Tore würden in den letzten 15 Minuten fallen – und in denen war Undav bislang eine sichere Bank. Dogan kann Nagelmanns bisherige Argumente nachvollziehen. Keine leichte Entscheidung also – doch am Ende meint der ehemalige BTSV-Profi: „Also ich würde es machen.“
Was schon vor dem letzten Gruppenspiel klar ist: Deutschland zieht als Tabellenerster in die K.-o.-Phase ein und wird im Sechzehntelfinale in Foxborough am kommenden Montag, 29. Juni, um 22.30 Uhr, um das Weiterkommen spielen.
