Das neue ICC-Konzept sorgt weit über Berlin hinaus für Aufmerksamkeit. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt, wie deutsche Medien die Pläne zwischen Aufbruch, Skepsis und architektonischer Vision bewerten.
Die Luftaufnahme verdeutlicht, wie das ICC künftig mit neuen Gebäuden und Freiräumen in sein Umfeld eingebunden werden soll. / © GRAFT GmbH/Max Dudler GmbH
© Titelbild: GRAFT GmbH / Max Dudler GmbH
Das ICC Berlin steht seit Jahren weitgehend leer. Nun liegt für die künftige Entwicklung des denkmalgeschützten Gebäudes eine offizielle Vergabeempfehlung vor. Das neue Konzept sieht deutlich mehr vor als die Wiederbelebung eines Kongresszentrums. Geplant ist ein gemischt genutztes Quartier mit Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie, Kreativwirtschaft sowie ergänzenden Neubauten. ENTWICKLUNGSSTADT hat die wichtigsten Details und Pläne im Überblick.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Messedamm 22, 14055 Berlin
- Projektstatus: Vergabeempfehlung für die „Projektpartnerschaft Quartier ICC“
- Verfahren: Europaweites Konzeptverfahren des Landes Berlin
- Geplante erste Baumaßnahmen: ab 2029
- Angestrebte Inbetriebnahme: ab 2032/2033
Pressestimmen zum ICC: RBB sieht Kulturnutzung als mögliche Chance
Der RBB sieht das aktuelle Konzept durchaus optimistisch und verweist darauf, dass man sich nicht zu sehr am Messe- und Kongressgeschäft früherer Tage aufhalten sollte:
„Mögen die Fans des alten Hauses auch noch so sehr den großen Kongressen nachtrauern: Die wird es in dieser Form hier nicht mehr geben. Erstens weil sich das Kongressgeschäft verändert hat, und zweitens, weil das ICC auch als Kongresszentrum nie wirklich rentabel war. Das wird es als Kulturzentrum vermutlich auch nicht sein – aber in der Mischnutzung mit Hotels und Büros könnte am Ende eine schwarze Null stehen. Wie das aussehen kann, müssen die Investoren nun nachweisen. Ihnen dafür noch einmal zwei Jahre Zeit zu geben, macht Sinn, schließlich herrschte bislang große Geheimhaltung und Gespräche mit möglichen Mietern eines neuen ICCs konnten gar nicht stattfinden.“
Sebastian Schöbel, RBB
Die TAZ nennt das geplante ICC den „größten Späti Berlins“
Die TAZ zeigt sich durchaus beeindruckt von der Größe und der inhaltlichen Vielfalt des Konzepts:
„Die Idee ist ein hybrides Haus, das morgens arbeitet, nachmittags produziert und abends feiert. Besonders aufmerksam verfolgt wird die Zukunft von Saal 1, dem ikonischen Herzstück des Komplexes. Hier könnte eines Tages sogar die Berliner Philharmonie eine Ausweichspielstätte finden, wenn ihr Stammhaus saniert werden muss.“
Kritisch werden in der Kreuzberger Redaktion die nur schwer kalkulierbaren Kosten gesehen:
„Während die Kosten der neuen Hochhäuser mit 150 bis 200 Millionen Euro vergleichsweise gut kalkulierbar seien, bleibt das ICC selbst eine Wundertüte. Die hochkomplexe Haustechnik beschäftigt die Planer noch immer. Die zuletzt genannten 350 bis 400 Millionen Euro seien wahrscheinlich noch „einen Tick“ zu niedrig angesetzt, so Schultze. An dieser Stelle ist es für Franziska Giffey wichtig, Folgendes zu betonen: Haushaltsmittel aus Berlin werde es für die Wiederbelebung des ICC nicht geben. Das Projekt müsse von privaten Investitionen, potenten Mietern und Fördermitteln von Bund und EU getragen werden. Das Land Berlin wolle den Prozess begleiten, aber nicht finanzieren.“
Susanne Messmer, TAZ
Das ICC soll zu einem Standort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Süddeutsche Zeitung: Größter „Lost Place“ der Hauptstadt
Die Süddeutsche Zeitung nennt das ICC in ihrem Artikel zum geplanten Umbau den größten „Lost Place“ der Hauptstadt und gibt die Stimmen der Opposition wieder:
„Die Grünen im Abgeordnetenhaus äußerten sich enttäuscht. Anders als geplant werde über die Vergabe nicht schon in diesem Jahr verbindlich entschieden, sondern erst 2028. (…) Übrig bleibe der Eindruck eines billigen Wahlkampfmanövers.“
Süddeutsche Zeitung
Tagesschau: „Das ICC hat wieder eine Zukunft“
Etwas progressiver wird das Vorhaben von der öffentlich-rechtlichen Tagesschau bewertet:
„Was der mit solchen Aufgaben erfahrene Projektentwickler MIB mit einer Gruppe von teils namhaften Unternehmen vorgelegt hat, klingt vielversprechend: Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft sind Berlins DNA. Dafür mehr Platz zu schaffen, ist der richtige Ansatz. Auch die Idee, das ICC für alle zu öffnen, mit Flaniermeile im Erdgeschoss, mit Läden, Galerien und weiteren Angeboten, ist genau richtig. “
Tagesschau
Das ICC zählt zu den bekanntesten Bauwerken Berlins und soll nach den aktuellen Plänen eine neue Zukunft erhalten. / © Foto: depositphotos.com
BauNetz: „Das ICC ist keine Spinnerei“
Die Fachzeitschrift BauNetz schaut hingegen auf das Refrenzprojekt „Spinnerei“ in Leipzig:
„Aus diesem Grund schaute Berlin in den vergangenen Tagen nach Leipzig. Dort befindet sich eine der zentralen Referenzen, die Bertram Schultze von Coloured Fields auch heute auf der Pressekonferenz anführte. MIB entwickelt dort gemeinsam mit Coloured Fields seit 2000 die stillgelegten Industriebauten der einstigen Baumwollspinnerei zum erfolgreichen Kunst- und Gewerbestandort.“
BauNetz
DIE ZEIT: „An die Ikone ICC sollen hohe Hotels gebaut werden“
Die ZEIT konzentriert sich in ihrer Betrachtung des ICC-Konzepts vor allem auf die geplanten Hotelbauten:
„An das vor zwölf Jahren stillgelegte ICC am Funkturm soll nach dem Willen des Berliner Senats ein neues Kongresshotel anstelle des bisherigen Parkhauses angebaut werden – es würde den 1979 eröffneten denkmalgeschützten Stahlkoloss deutlich überragen. Jenseits der Neuen Kantstraße soll zudem im Norden auf einem Parkplatz ein weiteres, mit knapp 100 Metern noch höheres Haus mit Büros, Wohnungen und einem weiteren Hotel entstehen.“
DIE ZEIT
Die ersten Reaktionen zeigen, dass das neue ICC-Konzept bundesweit auf großes Interesse stößt. Während viele Medien die Öffnung des Gebäudes und die Mischnutzung als überzeugenden Ansatz würdigen, bleiben Fragen zur Finanzierung, zum Zeitplan und zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit bestehen.
Nun müssen Finanzierung, Nutzerkonzept und Genehmigungen konkretisiert werden. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird sich zeigen, ob das ICC tatsächlich zu einem neuen Wahrzeichen der Berliner Stadtentwicklung werden kann.
Die Visualisierung zeigt die geplante Erweiterung M11 des ICC Berlin mit neuen Nutzungen und einer stärkeren Öffnung des Gebäudes zum öffentlichen Raum. / © GRAFT GmbH_Max Dudler GmbH
Quellen: ICC-Projektseite, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Bureau N



