Bernd Neuendorf winkte im Deutschland-Trikot einmal ins Publikum, holte mit seinem rechten Wurfarm gewaltig aus – und schmiss den Baseball dem Catcher ziemlich zielsicher in die Arme: Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat beim Traditionsduell der Major League Baseball (MLB) zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees den ersten Ball („Ceremonial First Pitch“) geworfen und damit den „deutschen Abend“ im ältesten Stadion der Liga eröffnet.

Es sei „unglaublich“, sagte Neuendorf Focus online: „Die Red Sox sind auf uns zugekommen und das hat uns natürlich sehr gefreut. Das ist in der Tat eine große Ehre. Es ist eins der größten Spiele hier, Boston gegen New York. Aber nicht nur was meine Person betrifft, auch gegenüber dem deutschen Fan sind sie sehr freundlich.“ Fast 1000 vergünstigte Tickets wurden zur Einstimmung auf das WM-Sechzehntelfinale an deutsche Anhänger verkauft.

„Der Zug hat keine Bremse“ und Major Tom im Fenway Park

Dazu gab es ein besonderes Shirt mit schwarz-rot-goldenen Applikationen und Zugang zur Fan-Party – stilecht mit Oktoberfest-Band. Am Montag (22.30 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) trifft das DFB-Team in Foxborough vor den Toren von Boston auf Paraguay, im Stadion des Football-Teams New England Patriots. Im Fenway Park lief am Sonntagabend Ortszeit über die Stadionboxen unter anderem „Der Zug hat keine Bremse“, „Völlig losgelöst“ und „An Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen.

Auch bei den Fangesängen gab es einen regen Austausch zwischen deutschen und US-amerikanischen Zuschauern. Während die Deutschen das Heimteam immer wieder mit „Boston Red Sox“-Sprechchören und dem humorvollen Gesang „Rote Socken Olé, Rote Socken Olé“ unterstützten, stimmten die Baseballfans „Deutschland, Deutschland“ an. Gemeinsam initiierte der Fanblock, in dem sich beide Fanlager mischten, eine Laola-Welle, die mehrfach über die Ränge des Fenway Park ging. Ein Bild, das in Baseballstadien wohl nicht allzu häufig zu beobachten ist.

Das Spiel zwischen den beiden rivalisierenden Teams bot für das ungeübte Auge – viele deutsche Fans erlebten an diesem Abend in Boston ihr erstes Baseballspiel – durchaus einige Längen. Die vielen Pausen, Unterbrechungen und wenigen Highlight-Momente waren aber keineswegs ein Stimmungskiller auf den Rängen. Im Gegenteil: Lautstark wurde „Deniz Undav“ gefordert – doch der stand auch an diesem Abend nicht in der Startelf.

Neuendorf: „Tolle Geste von den Red Sox“

Mit zunehmender Spieldauer vermischten sich die Fangesänge immer mehr, die schwarz-rot-goldene Party war längst über den Block mit den deutschen Fans auf die weiteren Ränge übergeschwappt. Als im Stadion in den Unterbrechungen auch noch die Gassenhauer „Sweet Caroline“, „Mr. Brightside“ und „I’m Shipping Up to Boston“ von den Dropkick Murphys lief, kochte die Stimmung im Fenway Park.

Und das schien sich auch auf den Platz zu übertragen: Die lange Zeit punktearme Partie drehte im letzten Inning noch einmal so richtig auf. Die Yankees glichen kurz vor dem Ende zum 2:2 aus, sodass es in ein zehntes Inning ging. Dort gewannen die Red Sox auf dramatische Weise mit 5:4 – ganz zur Freude der deutschen und heimischen Fans, die nun gemeinsam ausgelassen feierten.

Im WM-Verlauf haben bereits die schottischen und norwegischen Fans große Fußball-Partys beim Baseball gefeiert. Die Einladung der deutschen Anhänger zur „German Celebration“ sei „eine ganz tolle Geste von den Red Sox“ und sei auch „toll angenommen“ worden, betonte Neuendorf. Gegen Paraguay hofft er auch auf den zwölften Mann. „Wir brauchen die Unterstützung“, sagte der 64-Jährige: „Das sieht man auch hier wieder, die Leute freuen sich auf das Spiel. Ich hoffe, dass es noch lange geht.“