Zwei Jahre hatten sie geplant, 10.000 Menschen wurden erwartet – doch am Ende konnte die Parade zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten in Philadelphia nicht stattfinden. 104 Grad Fahrenheit – also 40 Grad Celsius – erreichten die Thermometer am Samstag. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit lag die gefühlte Temperatur sogar bei 43 Grad. „Es ist einfach zu gefährlich. Wir können bei diesen Bedingungen nicht für die Sicherheit unserer Gäste garantieren“, sagte Cheforganisator Michael DelBene schweren Herzens.

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Ein paar Meilen südlich der Independence Hall, wo exakt vor 250 Jahren am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten unterschrieben wurde, fand das zweite große Highlight des Tages wie geplant statt. In brütender Hitze wurde um 17 Uhr das Achtelfinale zwischen Frankreich und Paraguay angepfiffen – also jene Partie, in der die deutsche Nationalmannschaft gestanden hätte, wenn sie denn nicht in Boston kläglich gegen die Südamerikaner im Elfmeterschießen ausgeschieden wäre. Großbrand in Frankfurt samt Entlassung von Bundestrainer Julian Nagelsmann statt Hitzeschlacht von Philadelphia.
Fifa verteilt Fächer an Zuschauer in Philadelphia
Die DFB-Elf ersparte sich damit immerhin ein Spiel, das aufgrund des Wetters nur unter äußerst grenzwertigen Bedingungen ausgetragen werden konnte. Auf den Rängen verteilte die Fifa Fächer an alle knapp 70.000 Zuschauer – diese wurden vor allem auf den Plätzen intensiv genutzt, die über 90 Minuten in der Sonne lagen. Auf dem Platz entwickelte sich derweil kein heißes Duell. Zum einen, weil sich die Südamerikaner – wie schon im Aufeinandertreffen mit dem DFB-Team – aufs Verteidigen konzentrierten. Zum anderen, weil das französische Offensivspiel bei den hohen Temperaturen nicht in Fahrt kam.
Schüsse in Richtung des paraguayischen Kastens gab es nur aus der Distanz. So wie bei Ousmane Dembélé (38.), Adrien Rabiot (48.) und dem Ex-Gladbacher Manu Koné (22., 43., 55.), der es gleich mehrfach probierte. Ansonsten taten sich die Franzosen ebenso schwer mit dem kompakten Paraguay-Block wie die deutsche Mannschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Frankreich aufgrund des Wetters mit äußeren Umständen zu kämpfen hatte, die in Boston nicht herrschten. Paraguays Nationalmannschaft hatte hingegen im Vorfeld schon erklärt, dass sie sich über die hohen Temperaturen freuen würden. Sie sind solche Bedingungen eher gewohnt und erhofften sich dadurch einen Vorteil.
Frankreich zeigt, was Deutschland gefehlt hat
Und den hatten sie über die 90 Minuten ohne Frage: Dass es am Ende durch den Siegtreffer vom Punkt von Kylian Mbappé (70.) dennoch fürs Weiterkommen des Titelaspiranten reichte, lag an zwei Fähigkeiten, die dem deutschen Team bei diesem Turnier gefehlt haben. Zum einen ließen sich die französischen Spieler von der rabiaten Spielweise der Paraguayer nicht beeindrucken, sondern hielten auf beeindruckende Weise dagegen.
Das Team von Didier Deschamps nahm die Zweikämpfe an, langte an den passenden Stellen auch mal selber hin und sammelte am Ende sogar mehr Gelbe Karten als der Gegner – wobei das wohl auch am überforderten Schiedsrichter Ilgiz Tantashev aus Usbekistan lag. Deutschland hingegen hatte gegen Ecuador, die Elfenbeinküste und Paraguay deutliche Probleme mit der Körperlichkeit der Gegenspieler und ließ sich viel zu oft wegschubsen.
Zum anderen konnte sich Frankreich mal wieder auf die individuelle Klasse und die Qualität im Eins-gegen-Eins auf dem Flügel verlassen. Einen so defensiv verteidigenden Block muss man mit Tempodribblings ständig stressen. Genau das tat Désiré Doué, als er nach etwas mehr als einer Stunde den entscheidenden Strafstoß herausholte. Von der linken Seite dribbelte sich der Flügelstürmer von Paris Saint-Germain mit dem Ball am Fuß in den Strafraum und nahm es dabei mit drei Gegenspielern auf. Nach VAR-Check wurde der Kontakt an ihm zu Recht als Foul gewertet. Mbappé versenkte den Foulelfmeter zum einzigen Tor des Tages.
Auch das DFB-Team verfügt auf dem Papier über gute Dribbler, gezeigt haben das Jamal Musiala, Florian Wirtz und Co. bei der WM aber viel zu selten. Eines wie von Doué hätte es für einen Erfolg gegen Paraguay auch von der deutschen Mannschaft benötigt.