So etwa soll der KI-Chip von Tensordyne aussehen. Visualisierung: Tensordyne
München/Dresden, 9. Juli 2026. Die Europäische Union hat mit ihrem jüngsten Technologie-Souveränitätspaket ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben: Die europäische Rechenkapazität soll sich in den kommenden Jahren verdreifachen. Doch die größte Hürde für den Ausbau künstlicher Intelligenz (KI) ist der immense Bedarf an Energie, Fläche und Kühlwasser. Ein deutsch-amerikanisches Jungunternehmen will dieses Dilemma nun gelöst haben. Mit einem völlig neuartigen Rechenchip für die Anwendung von KI-Modellen verzeichnet „Tensordyne“ laut eigenen Angaben Vorbestellungen im Wert von über 200 Millionen US-Dollar.
Logarithmen statt Megawatt: Die mathematische Revolution
Bisherige Plattformen zur Ausführung künstlicher Intelligenz stießen zunehmend an wirtschaftliche und ökologische Grenzen. Das in München und im US-amerikanischen Sunnyvale ansässige Unternehmen „Tensordyne“ bricht nun mit der etablierten Architektur. Ihr System namens „Napier“ setzt an der mathematischen Basis an: Statt rechenintensive Multiplikationen durchzuführen, verwandelt der Chip diese in einfache logarithmische Additionen. Das spart auf Hardware-Ebene massiv Zeit und Strom.
Ein Systemschrank dieser neuen Generation soll ein vergleichbares System des Marktführers Nvidia bei der Verarbeitung des bekannten KI-Modells „DeepSeek-R1“ deutlich übertreffen – und das bei 75 Prozent weniger Stromverbrauch und 70 Prozent weniger Stellfläche. Ein einziges Rechenzentrum von der Größe eines Basketballfeldes könnte so den gesamten täglichen Bedarf Deutschlands an KI-Informationseinheiten decken. Während herkömmliche Anlagen dafür siebenmal so viel Platz und rund 100 Megawatt Leistung benötigen, kommt die Neuentwicklung mit 12 Megawatt und einer einfachen Luftkühlung aus.
Der Brückenschlag nach Sachsen und globale Partnerschaften
Für die Produktion arbeitet das Unternehmen mit globalen Schwergewichten wie Broadcom und dem taiwanischen Fertigungsriesen TSMC zusammen. Die Entwurfsfreigabe für die moderne Drei-Nanometer-Fertigung ist laut Tensordyne bereits abgeschlossen. Geferzigt werden die Schaltkreise in Asien: TSMC baut zwar derzeit seine erste Europa-Fab in Dresden, die ist allerdings nicht für 3-nm-Prozesse ausgerüstet.
Im Übrigen gibt es gerade in Sachsen auch Entwicklungen, die auf Alternativen zu den „Brute Force“-KI-Chips von Nvidia & Co. zielen. So hat sich Europas größter Mikroelektronikstandort im Großraum Dresden längst zu einem Zentrum für energieeffiziente KI-Hardware entwickelt. Nicht nur globale Konzerne, sondern auch die heimische Forschung arbeitet intensiv an Lösungen gegen den globalen Stromhunger von Rechenzentren. Beispielsweise forscht das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden seit Jahren an neuromorphen Architekturen, die biologischen Gehirnen nachempfunden sind und minimale Energie benötigen.
Wirtschaftlichkeit entscheidet über die Zukunft der KI
Gilles Backhus, einer der Mitbegründer von Tensordyne, betont die Dringlichkeit bezahlbarer Systeme: „Heute scheitern in Europa zu viele KI-Geschäftsmodelle nicht an der Idee, sondern an den Inferenzkosten.“ Gerade auf dem europäischen Markt, wo die Energiekosten oft fast ein Drittel des gesamten Betriebsbudgets von Rechenzentren verschlingen, entscheidet die Effizienz über das wirtschaftliche Überleben von Konzernen und Neugründungen.
Das Vertrauen der Investoren ist groß. Zu den Geldgebern gehören namhafte Akteure wie BMW, Bosch und Continental sowie der Fonds von Intel-Chef Lip-Bu Tan. Für das vierte Quartal 2026 ist die nächste Finanzierungsrunde geplant. Das Ziel ist klar formuliert: Leistungsstarke KI-Rechenkapazität soll von einem teuren Luxusgut zu einer allgemein verfügbaren und bezahlbaren Ressource werden.
Autor: Oiger/KI-unterstützt durch Gemini
Quellen: Tensordyne-PM, oiger.de