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Berlin – Mitten in einer Wohnsiedlung terrorisieren zehn Hühner und blökende Schafe die Anwohner im Berliner Bezirk Neukölln. Aber die kleine Hobbyfarm in der Großstadt stellt für das Bezirksamt kein Problem dar. Alles sei legal.
„Das Haus wurde 2022 von einer ausländischen Familie gekauft“, sagt Anwohnerin Kathrin B. (35). „Den Garten machten sie schön, aber zogen nie ein. Anfänglich fuhren sie am Wochenende mit ihren Protzkarren vor und feierten lautstarke Partys.“ Bewohnt wurde das Haus nicht. Im letzten Jahr zogen neun Hennen in die angebaute Garage ohne Fenster. Irgendwann wurde in die Türe ein Ausgang gefräst. Jetzt picken die Hennen im Garten. „Besonders auffällig war ein Huhn, das von morgens ab 4 Uhr bis Anbruch der Dunkelheit ständig rumgegackert hat“, sagt Kathrin B., die im Schichtdienst als Krankenschwester arbeitet. Wegen des Lärms aus dem Garten leidet sie unter Schlafmangel.

Die Tiere leben tagsüber im Garten, nachts gehen sie in ihren Stall im Keller
Foto: Privat
Im Mai bekam das Federvieh Verstärkung durch einen Hahn. Und der übertönt mit seinem Gekrähe die ganze Hühner-Schar. Die Besitzer erweiterten ihren Tierbestand um vier Schafe, die den Garten als Futterquelle nutzen. Sie leben zwischen Bauschutt, kaputten Gartenstühlen und Dreck und haben ihren Stall im Keller. Kathrin B. ärgert sich wie viele ihrer Nachbarn über den Lärm. Vor allem aber über die Untätigkeit der Behörden. Häufig hätten sie im Bezirksamt und bei der Polizei angerufen und sich über die Zustände beschwert.

Die Anwohner sorgen sich um die Tiere, die auf dem Grundstück gehalten werden. Aus Angst vor den Hausbesitzern wollen sie anonym bleiben
Foto: Olaf Selchow
„Eines der Tiere hing schon im Geländer zum Treppenbereich fest und fiel anschließend kopfüber die Treppe zum Keller runter“, sagt Kathrin B. Mehrfach beobachtete sie die Einsätze der Polizei, des Ordnungsamts und des Veterinäramts. Nachdem die Tiere bei 40 Grad ein komplettes Wochenende ohne Wasser auf dem Rasen verbracht hatten, passierte immer noch nichts. „Der Rasen ist mittlerweile verbrannt. Deshalb fressen die Schafe die vom Regen aufgeweichte Pappe, die im Garten herumliegt.“

Im Garten des unbewohnten Hauses liegt Baumabschnitt. Die Schafe sind seit drei Tagen nicht mehr gesehen worden.
Foto: Olaf Selchow
Auf B.Z.-Anfrage antwortet Pressesprecherin Sandra Beier vom Bezirksamt Neukölln: „Die Schafe befinden sich seit Mai 2026 auf dem Gelände und wurden bereits einzeln durch unsere Tierärzte untersucht. Den Tieren geht es gut. Auch wenn die Haltung nicht unbedingt gewöhnlich ist, besteht keine akute Gefährdungslage aus Tierschutzgründen.“ Deshalb könnten ihre Tierärzte aktuell keine sofortige Mitnahme der Schafe anweisen. Momentan liegt dem Bezirksamt eine Anzeige wegen Lärmbelästigung vor. Darüber hinaus hat das Bezirksamt eine Schädlingsbekämpfung in Auftrag gegeben.
Laut der Anwohnerin sind die Schafe seit drei Tagen nicht mehr gesichtet worden.