„Reset“ beim Rekordmeister

Stand: 23.07.2026 20:36 Uhr

Der THW Kiel will nach einer enttäuschenden Saison den Turnaround schaffen. Einer der Hoffnungsträger beim Handball-Rekordmeister: der neue Trainer Börge Lund. Der verbreitet beim Training in Altenholz gute Stimmung bei den „Zebras“ – und setzt neue Impulse.

von Tobias Knaack und Samir Chawki

Wer am Donnerstag in das deutlich errötete Gesicht von Hendrik Pekeler schaute, der glaubte ihm sofort: „Wir haben sehr hart gearbeitet“, sagte der Kreisläufer in Altenholz nach der Übungseinheit. Was er zuvor geäußert hatte, verkörperte er gleichermaßen: „Ich glaube, dass ich für die Mannschaft sprechen kann, dass wir in den ersten vier Tagen viel Spaß hatten.“

Genau so lange ist Lund nun Trainer beim Rekordmeister. Neben Leistungstests und Krafttraining gab es seither auch eine Ansprache. Der Tenor des Norwegers: „Ich habe richtig Bock auf die Arbeit mit euch – und ich habe einen Riesen-Bock auf die Saison.“

Trainer Börge Lund von Elverum Handball

Jicha-Nachfolger gefunden

Der 47-Jährige ist beim deutschen Handball-Rekordmeister der Nachfolger von Filip Jicha. Der frühere Spielmacher der „Zebras“ unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Köster freut sich auf seine erste Saison in Kiel

Eine Haltung, die auch bei Neuzugang Julian Köster schnell verfing: „Ich freue mich sehr auf die Saison mit den neuen Jungs an der Seite und mit Börge“, sagte der Nationalspieler, der eingestehen musste, dass er sich erstmal zu Lund – immerhin ein Ex-„Zebra“ – informieren musste. Seine augenzwinkernde Erklärung: „Ich habe zu seiner aktiven Zeit gar nicht so viel Handball geschaut.“ Zu Kösters Entschuldigung: Er war sieben Jahre alt, als Lund 2007 an die Förde wechselte.

Wichtiger als das „Damals“ ist für den THW ohnehin das „Jetzt“ – und da hat der heute 26-jährige Köster nach den ersten Eindrücken beim Rekordmeister das Gefühl, „dass wir Erfolg haben werden“.

Szilágyi: Rückkehr in internationalen Wettbewerb das Ziel

Neben Köster waren in Altenholz auch die weiteren Neuzugänge Domen Makuc, Vincent Büchner und Rückkehrer Jarnes Faust mit dabei. Sie und die anderen Spieler werden in den kommenden Wochen der Vorbereitung dafür arbeiten, vieles besser zu machen als in der zurückliegenden Spielzeit. Denn erstmals seit 33 Jahren ist der THW in der neuen Saison nur in zwei Wettbewerben vertreten – der Meisterschaft und dem DHB-Pokal.

Das internationale Geschäft verpassten die Schleswig-Holsteiner – die Rückkehr nach Europa daher das erklärte Ziel der „Zebras“, so Viktor Szilágyi. Darauf, in welchen Wettbewerb es gehen soll, wollte sich der Geschäftsführer in Altenholz allerdings noch nicht festlegen.

„Der Kader ist bereit, drei Wettbewerbe zu spielen.“

Viktor Szilágyi

Dass es in dieser Saison für den Rekordmeister nur zwei Wettbewerbe zu spielen gibt, habe „Vor- und Nachteile“, so der 47-Jährige. Neben den offensichtlichen finanziellen Einbußen, die man „gemeinsam mit Partnern“ abfedern wolle, liegt für ihn in der Balance von Spielzeit und Belastungssteuerung der Spieler eine Chance für Lund. Aber euch eine der Herausforderungen. Denn klar ist für Szilágyi: „Der Kader ist bereit, drei Wettbewerbe zu spielen.“

Erstes Testspiel am Sonntag in Stralsund

Um die in der nächsten Spielzeit auch wieder spielen zu können, hat das Trainerteam aus Lund, Co-Trainer Christian Sprenger, Torwart-Coach Mattias Andersson und Athletiktrainer Hinrich Brockmann ein intensives Vorbereituns-Programm zusammengestellt. Neben Trainingseinheiten und Vorbereitungsturnieren in Österreich sowie auf den Färöer Inseln stehen auch zahlreiche Testspiele an. „Entwicklung kommt schneller zustande mit mehr Spielen“, so Lunds Philosphie.

Das erste bestreitet der THW an diesem Sonntag, 26. Juli, bei Drittligist Stralsunder HV. Um den Mecklenburgern zum 30. Geburtstag zu gratulieren – vor allem aber, um erstmals in neuer Konstellation zu testen. Anwurf in der Vogelsanghalle ist um 15 Uhr. Am Mittwoch folgt ein weiterer Test in Hohn gegen die HSG Eider Harde, bevor es am nächsten Donnerstag ins Trainingslager nach Graz in Österreich geht.

„Wir haben viele neue Impulse bekommen.“

Hendrik Pekeler

Auf allen Stationen der kommenden Wochen wollen die Kieler weiter Spaß haben, sich vor allem aber entwickeln, wie Lund immer wieder betont. Pekeler ist frohen Mutes, dass das gelingt: „Wir haben viele neue Impulse bekommen, weil wir das eine oder andere umstellen werden“, sagte der 35-Jährige.

Bei allem Druck, sich wieder für den Europapokal zu qualifizieren, sagt Boss Szilágyi angesichts der Konstellation mit neuem Coach und einigen Neuzugängen auch: „Es muss sich alles entwickeln.“ Damit lag er begriffstechnisch absolut auf einer Wellenlänge mit seinem neuen Trainer Lund, betonte aber noch einmal: „Jede Saison schreibt ihre eigenen Geschichten – und wir müssen jetzt anfangen, positive Geschichten zu schreiben zusammen.“ Der Spaß dafür scheint in Altenholz da zu sein – bleibt abzuwarten, ob die Erfolge über die Saison hinweg folgen.

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