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THW-Aufsichtsrat Kruse über Analysen und Zukunftsaussichten (4 Min)
Stand: 28.07.2026 10:42 Uhr
Nach einer enttäuschenden Saison hat der THW Kiel den Trainer gewechselt und frisches Geld bekommen. Was ausblieb, war ein Wechsel auf der Position des Sportchefs. Viktor Szilagyi hat weiterhin das Vertrauen.
Mit Börge Lund als Trainer beginnt beim THW Kiel ein neues Kapitel. Der 47-jährige Norweger übernimmt den Rekordmeister nach der schlechtesten Bundesliga-Saison seit 33 Jahren. Der frühere THW-Spieler, der zwischen 2007 und 2010 selbst das Kieler Trikot trug und damals in seiner ersten Saison mit dem heutigen Geschäftsführer Sport Viktor Szilagyi zusammenspielte, soll den Verein sportlich zurück in die Erfolgsspur führen.

„Reset“ beim Rekordmeister
Der norwegische Coach Börge Lund kommt in den ersten Trainingstagen gut beim Handball-Rekordmeister aus Kiel an – und setzt neue Impulse.
Die ersten Eindrücke sind positiv: neue Trainingsimpulse, offene Kommunikation und ein frischer Führungsstil. Es wirkt, als könnte genau dieser Neustart der Mannschaft nach der langen Ära Filip Jicha guttun.
Dem Neustart auf der Trainerbank ging eine mehrwöchige Saisonanalyse voraus. Aufsichtsrat und Vereinsführung arbeiteten die enttäuschende Spielzeit über Wochen auf und zogen ihre Konsequenzen.
Analyse zur sportlichen und finanziellen Entwicklung
Zu welchen Ergebnissen kam der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Kai Kruse? Insbesondere bei der Frage nach der Verantwortung für die sportliche Entwicklung. Aber auch nach den wirtschaftlichen Konsequenzen für den Club.
Im Mittelpunkt steht dabei die Personalie Viktor Szilagyi. Der Geschäftsführer Sport trägt seit 2018 die Verantwortung für die sportliche Ausrichtung des Rekordmeisters. Nach Platz sechs und der dritten verpassten Champions-League-Qualifikation in Folge richtet sich der Blick zwangsläufig auch auf seine Rolle. Kurz vor dem Ende der Saison hatte Szilagyi selbst angekündigt, dass bei der anschließenden Analyse über alles gesprochen werde. ´
Aufsichtsrat stärkt Szilagyi den Rücken
Kruse hatte zuletzt jedoch den „Kieler Nachrichten“ gesagt, Szilagyi habe „zu keiner Zeit auf dem Prüfstand“ gestanden. Wie passt das zusammen – warum war dessen Position offenbar von vornherein nicht Gegenstand der Analyse? Und welche Verantwortung trägt die sportliche Leitung für die Entwicklung?
Der Aufsichtsratsvorsitzende Kruse verweist im Interview mit dem NDR auf eine „Verkettung vieler Dinge“ und die außergewöhnliche Verletztenmisere. Erst auf Nachfrage, warum Szilagyi dennoch „zu keiner Zeit auf dem Prüfstand“ gestanden habe, stellt sich Kruse klar hinter den Geschäftsführer: „Er ist jemand, der diese Position der sportlichen Geschäftsführung exzellent besetzt. Ich habe keinerlei Gründe, daran zu zweifeln.“

Die Kieler wollen sich in der kommenden Saison wieder für den Europacup qualifizieren. Aufsichtsratchef Kai Kruse zeigt sich optimistisch.
Auch auf die Frage, nach welchen Kriterien der Aufsichtsrat Szilagyis Arbeit bewertet, bleibt Kruse eher grundsätzlich. Er verweist auf dessen Verantwortung für Budget, Kaderplanung und Trainerauswahl.
Warum diese Kriterien trotz Platz sechs und des Verpassens des internationalen Wettbewerbs zu einem uneingeschränkten Vertrauensbeweis führen, beantwortet Kruse jedoch nicht konkret. Selbst auf die Frage, welche Erwartungen der Aufsichtsrat künftig an Szilagyi stellt, bleibt er allgemein: Man wolle den eingeschlagenen Weg gemeinsam fortsetzen.
Madsen-Ausfall nicht zu kompensieren
Szilagyi weist die Verantwortung für die enttäuschende Saison nicht von sich. „Da nehme ich mich selber natürlich auch nicht raus“, sagte der Geschäftsführer Sport dem NDR. Eine konkrete Einordnung seiner eigenen Verantwortung bleibt jedoch aus. Stattdessen betont auch er die schwierigen Umstände, die vielen Verletzungen und dass eine solche Saison nicht an einer einzelnen Person festzumachen sei.
Erst auf die wiederholte Nachfrage nennt Szilagyi einen Punkt, den er rückblickend anders bewerten würde: Mit dem Wissen von heute hätte der THW nach dem langfristigen Ausfall des torgefährlichen Rückraumspielers Emil Madsen auf dem Transfermarkt möglicherweise früher reagieren müssen.
Kapitalerhöhung und neue Gesellschafter
Ein wichtiger Schritt für die Handlungsfähigkeit des THW war jüngst eine Kapitalerhöhung. Diese bewertet Kruse als wichtiges Signal für die Zukunft des Vereins. „Wir haben die 1,5 Millionen Euro erreicht“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. Einen Großteil der Gesellschafter habe man von diesem Schritt überzeugen können, zudem seien drei neue Gesellschafter hinzugekommen.
Zu konkreten Zahlen äußerte sich Kruse nicht, unterstreicht aber: Einige Gesellschafter hätten sich „überproportional“ beteiligt: „Ich auch, aber andere auch“.
Einnahmeverluste durch verpasste Europacup-Qualifikation
Wie groß die Einnahmeverluste nach dem Verpassen des Europacups tatsächlich sein werden, könne man derzeit noch nicht seriös beziffern, sagt Kruse. Ziel sei es, die Lücke so klein wie möglich zu halten – unter anderem durch zusätzliche Freundschaftsspiele und weitere Erlöse.
Trotz der sportlich schwierigen Saison sieht der Aufsichtsratsvorsitzende den THW wirtschaftlich solide aufgestellt. Jetzt gehe es darum, „eine neue Geschichte zu schreiben“.
Rückkehr ins internationale Geschäft als Ziel
Trotz der finanziellen Herausforderungen soll der sportliche Anspruch hoch bleiben. Wie lange kann sich der THW Kiel diesen Kader auf Spitzenniveau ohne die Einnahmen aus der Champions League leisten? „Wir hoffen, dass das nur ein Jahr so sein muss“, betont Kruse.
Offiziell formulieren er und Szilagyi die Ziele dennoch vorsichtig und sprechen lediglich von der Rückkehr in den internationalen Wettbewerb – also mindestens in die European League. Trotz des Wegfalls der internationalen Spiele verfügt der THW Kiel weiterhin über einen qualitativ und in der Breite stark besetzten Kader.

Der Handball-Rekordmeister spielt in der kommenden Saison nicht im Europacup – und will mit einem neuen Trainer wieder angreifen, wie Geschäftsführer Szilagyi betont.
Während die Konkurrenz erneut durch Champions League oder European League zusätzlich belastet wird, kann sich der Rekordmeister nahezu vollständig auf die Bundesliga konzentrieren – ein möglicher Vorteil im Rennen um die Spitzenplätze.
Weniger Spiele, weniger Einsatzzeiten
Entscheidend wird allerdings sein, dass sich die Neuzugänge um Nationalspieler Julian Köster und den vom FC Barcelona gekommenen Spielmacher Domen Makuc schnell integrieren und Leistungsträger wie Emil Madsen nach langer Verletzung schnell wieder an ihre Bestform anknüpfen. Gleichzeitig bringt die geringere Belastung eine neue Herausforderung mit sich.
Weniger Pflichtspiele bedeuten auch weniger Einsatzzeiten. Eine der wichtigsten Aufgaben für den neuen Trainer Börge Lund wird deshalb auch sein, den qualitativ breit besetzten Kader bei Laune zu halten und die Erwartungen aller Spieler in Einklang zu bringen.
Der Neustart ist eingeleitet. Ob der eingeschlagene Kurs die richtigen Antworten auf die sportlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen liefert, wird sich nun in der neuen Saison beim Rekordmeister zeigen.
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