Der Begriff „Orientalismus“ beschreibt, wie der Westen über Jahrhunderte ein bestimmtes Bild vom sogenannten „Orient“ geschaffen hat. Das lässt sich aber auch auf viele Teile des Globalen Südens übertragen.

Diese Regionen werden oft als geheimnisvoll, exotisch, rückständig oder gefährlich dargestellt, im Kontrast zum angeblich aufgeklärten, modernen Westen. Solche Bilder haben geprägt und prägen immer noch, wie wir über andere Kulturen denken. Deshalb hat Orientalismus auch immer etwas mit Macht zu tun.

Stereotype im Kino

Das Kino zeigt uns sehr oft genau diese Bilder, teilweise wohlwissend um die problematische Darstellung, meist aber nicht böse gemeint, sondern ganz selbstverständlich. Zum Beispiel, indem einfach sehr plump und eindimensional von „den anderen“ erzählt wird, weil das eben so drin ist.

Das sieht man in Abenteuerfilmen wie „Indiana Jones“: der westliche Held und fremde Kulturen als gefährliche Kulisse. Aber auch in Dramen wie „Slumdog Millionaire“ gibt es einen mitleidigen Blick von außen auf Armut und Elend in Indien.

Funeral Casino Blues (Foto: eksystent Filmverleih)

Funeral Casino Blues: Sexarbeit und Kriminalität in Thailand

Ein interessantes Beispiel dafür, wie man es besser machen kann, zeigt der Film „Funeral Casino Blues“, der diese Woche in den Kinos startet. Darin geht es um Sexarbeit und organisierte Kriminalität in Thailand.

Der Regisseur und die Produktionsfirma dahinter sind deutsch. Regisseur Roderick Warich sagt Folgendes zu diesem möglichen Kritikpunkt:

Ich verstehe das und kann das natürlich niemandem abschreiben, dass das als Orientalismus gelesen wird. Ich sehe das aber in dem Kontext ein bisschen anders, weil durch Recherchen ist es einfach eine echte Welt. Ich muss halt Leute kennen, die Leute kennen oder ich muss direkt Menschen kennen, um mir das vorstellen zu können. Rein nur Interviews zum Beispiel zu führen mit Leuten, das bringt mir nicht unbedingt etwas, um eine Fantasie zu entwickeln, sondern ich muss dieselbe Luft atmen.