Der Führerschein ist in Deutschland teuer geworden. Für den Pkw-Führerschein der Klasse B nennt das Bundesverkehrsministerium – Stand 2026 – einen Durchschnittspreis von rund 3400 Euro. Wer auf die Kosten schaut, landet deshalb schnell bei einer naheliegenden Frage: Wäre es nicht einfach günstiger, den Führerschein in Polen zu machen? Was Interessierte hier beachten müssen – und ob man als Deutscher einfach so den Führerschein in Polen machen kann.

Führerschein in Polen machen: Ist das günstiger als in Deutschland?

Die kurze Antwort lautet: Ja, ein Führerschein ist in Polen deutlich günstiger als in Deutschland. Nach Recherchen von BR24 kostet der Führerschein in Polen zwischen 600 und 1200 Euro. Einzelne Fahrschulen bieten demnach auch Unterricht auf Deutsch an.
Der Preisunterschied ist also erheblich.

Dass der Führerschein in Ländern wie Polen weniger kostet als in Deutschland, hat laut BR24 mehrere Gründe: weniger Pflichtstunden, ein niedrigeres Lohn- und Einkommensniveau und weniger Vorgaben für Fahrschulen.

Als Deutscher Führerschein in Polen machen: Geht das so einfach?

Die Freude über die potenzielle Ersparnis muss allerdings gebremst werden. Ein kurzer Fahrschul-Trip nach Polen reicht nicht, um im Nachbarland eine Fahrerlaubnis zu erwerben. Denn nach EU-Vorgaben muss der Führerschein grundsätzlich in dem Land beantragt werden, in dem man gewöhnlich lebt. Als gewöhnlicher Aufenthalt gilt in der Regel das Land, in dem jemand wegen persönlicher oder beruflicher Bindungen mindestens 185 Tage im Kalenderjahr lebt. Auch die polnische Regierungsseite gov.pl nennt diese Bedingung: Einen Führerschein in Polen kann damit nur bekommen, wer dort seit mindestens 185 Tagen wohnt und die jeweiligen Altersvoraussetzungen erfüllt.

Das Auswärtige Amt warnt ebenfalls vor falschen Erwartungen: Es treffe nicht zu, dass man ohne längerfristigen Aufenthalt in Polen dort den Führerschein erwerben oder nach Verlust des deutschen Führerscheins eine MPU beziehungsweise ein Fahrverbot umgehen könne.

Damit ist der wichtigste Punkt klar: Wer seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hat, kann den Führerschein nicht einfach deshalb in Polen machen, weil er dort günstiger ist.

Führerschein in Polen: Gibt es Ausnahmen für Studierende?

Für Studierende kann es allerdings eine Ausnahme geben. Wer zum Studium in ein anderes EU-Land zieht, verlegt seinen gewöhnlichen Wohnsitz laut der Website der Europäischen Union nicht automatisch dorthin. Ein Führerscheinantrag im Gastland ist aber möglich, wenn ein Studium von mindestens sechs Monaten nachgewiesen werden kann.

Wird ein polnischer Führerschein in Deutschland anerkannt?

Wer einmal einen polnischen Führerschein erworben hat, kann damit ohne Probleme auf deutschen Straßen unterwegs sein. Grundsätzlich werden EU-Führerscheine gegenseitig anerkannt. Die EU-Richtlinie 2006/126/EG schreibt vor, dass von Mitgliedstaaten ausgestellte Führerscheine gegenseitig anerkannt werden.

Was braucht man für den Führerschein in Polen?

Wer die Voraussetzungen erfüllt, muss in Polen zunächst Unterlagen einreichen. Gov.pl nennt unter anderem den Antrag auf Ausstellung des Führerscheins, ein ärztliches Attest, ein aktuelles Foto, einen Personalausweis oder Pass und einen Nachweis über die Meldeadresse.

Danach bekommt der Bewerber eine PKK-Nummer, also ein Fahrerprofil, über das Behörden, Fahrschulen und Prüfstellen die Person im System zuordnen können. Anschließend folgen Kurs und Prüfung. Laut Gov.pl können Bewerber entweder Theorie und Praxis in einer Fahrschule absolvieren oder sich selbst auf die Theorieprüfung vorbereiten und danach den praktischen Kurs besuchen.

Wer in Polen also seinen Führerschein machen möchte, sollte zusammenfassend Folgendes beachten:

  • Voraussetzung für einen Führerschein in Polen ist in der Regel, dass man mindestens 185 Tage in Polen wohnt.
  • EU-Führerscheine werden grundsätzlich anerkannt, dürfen aber nicht beliebig in einem anderen EU-Land erworben werden.
  • Ein polnischer Führerschein ist kein Weg, um MPU oder Fahrverbot in Deutschland zu umgehen.
  • Für Studierende kann ein Antrag im Gastland möglich sein, wenn sie dort mindestens sechs Monate studiert haben.

Übrigens: Wer mit dem Auto in der EU unterwegs ist, stellt sich bei der Reise von Frankreich nach Großbritannien irgendwann die Frage, ob man den Eurotunnel durchfahren kann. Möglich ist dies – allerdings nur mit einem Shuttle-Zug.