Bürgermeister Heiko Rosenthal

AUDIO: Wie wappnet sich Leipzig gegen die Hitze? (Archivbild) (3 Min)

Interview

Stand: 17.08.2026 06:00 Uhr

Deutschland und Sachsen hat in den vergangenen Tagen eine weitere Hitzewelle erlebt. Gerade Städte werden an heißen Tagen zu Hitze-Hotspots. Tut die Stadt Leipzig genug dafür, um sich an daran anzupassen? Das hat MDR SACHSEN Leipzigs Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) gefragt.

von MDR SACHSEN

Reichen die bisherigen Maßnahmen gegen die Hitzebelastung in Leipzig aus?

Wir haben unterschiedliche Maßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel im Schul- und Kitabereich Sonnensegel aufzubauen. Und wir haben eine Erfrischungskarte veröffentlicht, wo wir insbesondere die Leipziger auf die im Stadtgebiet vorhandenen Trinkbrunnen und kühlen Räume hinweisen.

Darüber hinaus geht es darum, ob wir zum Beispiel den Straßenraum mit Befeuchtern abkühlen und ob wir an besonders hitzegefährdeten Orten noch mehr über die Stadtreinigung mit Wasserwagen unterwegs sind. Da sind wir aber noch nicht am Ende. Das Hitzethema wird uns noch in den nächsten Jahren beschäftigen. Insofern wird es da sicherlich noch weitere Maßnahmen auch im Folgejahr geben, die wir in diesem Jahr noch nicht ergreifen.

Eine rostige Kette liegt am Ufer in Dresden

In welche Richtung denkt die Stadt noch, um sich gegen Hitzewellen zu wappnen?

Wir haben sehr, sehr viele Straßenräume, wo kein Straßenbaum steht. Wenn man hier massiv weiter Straßenbäume pflanzt, wird automatisch auch dieser Verkehrsraum kühler. Zudem könnten an solchen Tagen Private und Ladengeschäfte kühle Räume und kostenloses Trinkwasser für die Kundinnen und Kunden anbieten.

Es geht außerdem darum, den öffentlichen Raum und insbesondere den Straßenraum zu befeuchten. Wir haben einen eigenen Test durchgeführt. Wir können nachweisen, dass unmittelbar nach der Befeuchtung die Oberflächentemperatur um fünf Grad sinkt – das ist erheblich in so einem überhitzten nächtlichen Straßenraum. Bei den Trinkbrunnen wollen wir die Anzahl noch mindestens verdoppeln.

Kann das Befeuchten von Straßen bei zunehmender Wasserknappheit eine Lösung sein?

Wie das Wasserdargebot ist, ist ein Punkt, den wir bei dieser Frage mitberücksichtigen müssen. Dem Grunde nach ist die Entnahme aus den von uns genutzten Brunnen dafür möglich. Insofern muss man das weiter abschätzen, bei welchem Volumen, bei welcher Entnahme so ein System kippt. Das kann man aber zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beantworten.

Ein Mann steht in einem Moor in der Oberlausitz.

Gibt es Fördermittel für Hitzeschutzmaßnahmen von Bund oder Land?

Zum einen haben wir kurzfristig ein Umsetzungsprogramm auf den Weg gebracht mit einem Volumen von 1,7 Millionen Euro. Mit dem wollen wir vor allen Dingen auch bauliche Maßnahmen wie Sonnensegel im Kita- und Schulbereich umsetzen.

Im neuen Entwurf des Doppelhaushalts 2028/2029 stehen auch Mittel für Klimawandelanpassung, Hitzeschutz, Ausbau von Trinkwasserbrunnen zusätzlich zur Verfügung. Wir nehmen auch wahr, dass insbesondere das Land zum Thema Hitzeschutz einen Fördertopf hat. Den werden wir auch mit unseren Maßnahmen entsprechend in Anspruch nehmen und Anträge stellen.

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

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Hat man das Hitzerisiko in Leipzig in den letzten Jahren unterschätzt?

Nein. Man kann nicht sagen, dass wir das unterschätzt haben. Wir haben eine bauliche Infrastruktur, die da ist, und wir als Stadt Leipzig sind in den wenigsten Fällen Flächeneigentümer. Die Gebäudestruktur in unserer Stadt, in den historischen Stadträumen, ist so gewachsen.

Wir haben in der Vergangenheit immer Appelle an Hauseigentümer gerichtet, ihre Häuser zu sanieren sowie über Gründächer, Fassadenbegrünung und über Wärmepumpen nachzudenken. Dafür gibt es auch kommunale Förderprogramme, insbesondere für Gründächer und Fassadenbegrünung. Da ist aber aus meiner Sicht zu wenig bei den Gebäudeeigentümern passiert. Da könnten noch mehr Fördermittel abgerufen werden.

Eine Frau wedelt sich mit einem Fächer Luft zu.

Wenn wir neu bauen und Straßen neu herstellen, müssen wir in den Fokus nehmen, dass wir nicht zu viel versiegeln und wir viel mehr grüne Oasen schaffen. Wir sollten in diesen grünen Oasen noch Wasserspeicher integrieren, damit dann dort Wasser vorhanden ist für die Bewässerung. Da sind wir generell in der Bundesrepublik, aber auch in Leipzig, in einem Stadtumbau. Aber da ist nichts verschlafen worden. Da sind wir gerade mittendrin in einer Entwicklung, die uns alle in Deutschland sehr beschäftigt.

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MDR (phb/gri)