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Frankfurt/Main – Viel Beton, kaum Grün, dazu Überwachungskameras, nachts Kleinkriminelle und Dealer: Die Konstablerwache in der Frankfurter City ist einer der hässlichsten Plätze Deutschlands, wenn nicht gerade Wochenmarkt ist. Doch seit wenigen Tagen hängt ein Kunstwerk über den Köpfen, das als Blickfang ein wenig von der Tristesse ablenkt. Das Problem: Die klamme Stadt gibt dafür 2,3 Millionen Euro Steuergeld aus.

Frankfurt ist 2026 Welt-Designhauptstadt. Deshalb schwebt seit dem 11. August ein 200 Quadratmeter großes Netz über dem Drogen-Hotspot Konstablerwache. Das Kunstwerk aus Hightech-Fasern sieht wie eine bunte Wolke aus und wird nachts spektakulär beleuchtet. Tagsüber aber machen immer mehr Bürger ihrem Ärger Luft.

Unten kaputte Toilette, oben Millionen-Kunst

Größter Kritikpunkt: die Kosten von 2,301 Millionen Euro! Während Kulturdezernentin Ina Hartwig (63, SPD) von einer „visuellen Bereicherung für die Innenstadt“ schwärmt, sind viele Wochenmarkt-Besucher am Samstag fassungslos. „Ich stehe nicht hier und sage: ‚Wow!‘“, sagt Alena Eckert (28) aus Wetzlar zu BILD. „Überall fehlen die Mittel, dafür ist offenbar Geld da.“ Vera Repp (65) aus Obertshausen bei Frankfurt sagte: „Unten in der U-Bahn ist die Toilette kaputt, hier aber gibt man mehr als zwei Millionen aus.“

Kritisiert die hohen Kosten: Wochenmarkt-Besucherin Alena Eckert (28)

Kritisiert die hohen Kosten: Wochenmarkt-Besucherin Alena Eckert (28)

Foto: Vincenzo Mancuso

Wo kommen die 2,3 Millionen her?

Laut Kulturdezernat soll die Kunst die triste Konstablerwache in einen „lebendigen Raum zum Verweilen, Begegnen und Mitgestalten verwandeln“. Das Geld für die Installation „A Sky full of Hope“ („Ein Himmel voller Hoffnung“) stammt größtenteils aus einem 30-Millionen-Topf für die Wiederbelebung der Innenstadt. Eine öffentliche Ausschreibung gab es nicht – obwohl dies normalerweise ab 216.000 Euro vorgeschrieben wäre.

Künstlerin Janet Echelman vor der Einweihung ihrer „Netzskulptur“

Künstlerin Janet Echelman (60) vor der Einweihung ihrer „Netzskulptur“

Foto: Andreas Arnold/dpa

Warum gab es keine öffentliche Ausschreibung?

Der Auftrag wurde direkt an die US-Künstlerin Janet Echelman (60) und eine Frankfurter Agentur vergeben. Begründung des Dezernats: Es handle sich um ein „einzigartiges Kunstwerk mit spezifischen Anforderungen“. Die Künstlerin beschäftige sich seit 20 Jahren mit der Aufwertung öffentlicher Räume und mit der Veränderung der Atmosphäre an diesen Orten. Doch wie hoch ist das Honorar, wie hoch sind die Zusatzkosten? „Genaue Beträge dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht nennen“, heißt es auf BILD-Anfrage.

Zu viel Geld für wenig Kunst: Vera und Ralf Repp (65) aus Obertshausen (Hessen) sind nicht begeistert

Auch Vera (65) und Ralf Repp (69) aus Obertshausen (Hessen) sind von dem teuren Kunstwerk nicht begeistert

Foto: Vincenzo Mancuso

Was geschah hinter den Kulissen?

Pikant ist eine Personalie: Designer Roland Lambrette (74) ist Gesellschafter der GmbH, die Projekte der „Weltdesignhauptstadt 2026“ in Frankfurt plant und umsetzt. Er ist zugleich Ex-Geschäftsführer von „Atelier Markgraph“ – der Agentur, die den Millionenauftrag gemeinsam mit der US-Künstlerin bekam. Besteht da ein Interessenkonflikt? Dazu äußert sich das Kulturdezernat nicht.

Tooor! Inzwischen baumelt schon ein Fußball im Millionen-Kunstwerk

Inzwischen baumelt schon ein Fußball im Millionen-Kunstwerk

Foto: Bernd Kammerer

Die riesige Wolke soll drei Jahre lang in der City hängen. Wissenschaftler der Frankfurt University of Applied Sciences sollen erforschen, welchen Effekt das Kunstwerk auf die „Konsti“ hat. Der Effekt fürs Stadtsäckel ist klar: Die 2,3 Millionen Euro Steuergeld sind futsch.