Das erklärte Ziel der DJs ist so simpel wie eindeutig: „Wenn der Schweiß fließt, sind wir zufrieden“, heißt es aus dem Ninchi Kollektiv, das heuer die zweite Ausgabe des „Arabic Queer Fest“ im Ampere feiert. Wenn so heftig getanzt werde, dass es als Sport durchgehe, seien sie glücklich. Sie legen ausschließlich Musik aus dem arabischen Raum auf, von arabischem Elektro über Disko-Tracks bis afroarabische Sounds. Von Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden stehen die DJs hinter den Mischpults, vorher gibt es ein Programm, das bisher so in München einzigartig ist.

Denn das „Arabic Queer Fest“ verbindet arabische Musiktraditionen und queere Kultur. Anders als die Ballroom-Kultur, die im New York der 1960er-Jahre entstand und als sicherer und kreativer Raum für queere, nicht-weiße Menschen Geburtsort von expressiven Tanz- und Performancestile war, ist eine arabische Version dieser Nächte mit Show, Musik und Clubbing noch nicht weit verbreitet. Das wollen die Veranstalter hinter Ninchi ändern.

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Es sei nicht leicht, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem queere Menschen mit arabischen Wurzeln feiern können, sagen die Macher im Telefongespräch. Sie wollen anonym bleiben, zu groß ist die Sorge vor Repressionen in der Heimat. Um ein geschütztes Partyerlebnis zu bieten, herrscht Foto- und Videoverbot, dessen Einhaltung von einem Awareness-Team bewacht wird. „Uns ist wichtig, dass das Fest ein Ort für alle Menschen ist, egal welcher Nationalität und welcher Religion“, betonen sie. Im vergangenen Jahr seien viele deutsche Gäste dabei gewesen, die die musikalische Vielfalt begeistert hätte.

Drei DJs legen bei der „Arabic Queer Night“ auf, darunter Omar Zyami alias DJ Omar, der seine vibrierenden, eklektischen Sets bundesweit in Clubs präsentiert, etwa das Bethanien und das Gretchen in Berlin. DJ Eisultan ist Resident bei den Veranstaltungen des Ninchi Kollektivs, stilistisch changiert er zwischen der Musik verschiedener Epochen. DJ Habibi hat sich auf zeitgenössischere Tracks festgelegt. Mit dem Line-up wolle man zeigen, wie divers die Stile je nach Genre und Region seien.

„Die DJs sortieren nach Beat“, sagen die Veranstalter, „beim letzten Mal war es total schön, wie sie die Atmosphäre aufgenommen haben“. Dieses Gemeinschaftsgefühl wollen sie auch mit Veranstaltungen in anderen Städten transportieren, das Kollektiv veranstaltet Partys von Augsburg über Berlin bis Frankfurt und Köln.

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SZ PlusVon Lisa Marie Wimmer

Das Fest ist für alle da, für die Live-Acts hat sich das Ninchi Kollektiv auf die Vielfalt arabischer Künstlerinnen und Künstler fokussiert. „Wir wollen unsere kulturelle Vielfalt versammeln“, heißt es aus dem Kollektiv. Da die Szene in München klein ist, lassen sie Bauchtänzer und Drag Performer aus verschiedenen Ländern einfliegen. Vor den DJs tritt unter anderem die Perkussionistin Rimo auf, die auf einer Spezialanfertigung einer traditionellen Trommel spielt.

Aufwendige Abende wie diese sind teuer. Das Ninchi Kollektiv teilt wie viele andere Kulturschaffende in München das Problem, dass Subkultur-Veranstaltungen oft gerade so kostendeckend sind. Trotzdem sind die Ticketpreise für die Landeshauptstadt bewusst niedrig gehalten. Zwischen zehn bis 15 Euro kosten Karten im Vorverkauf, 20 bis 25 Euro an der Abendkasse. „Wir wollen für alle da sein, das muss sich auch in der Preisgestaltung zeigen“, heißt es seitens des Kollektivs. Zudem gibt es ein Kontinent an Soli-Tickets. Man gehe damit ein Risiko ein, aber das sei es ihnen wert. Wenn sie diese Räume nicht schaffen, wer dann?

EL3ID – Arabi Queer Fest by Ninchi, Samstag, 29. August, 22 Uhr, Ampere