Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden lässt sich für viele junge Menschen nicht mehr erfüllen. „Die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagte zuletzt Matthias Günther, Chef des Pestel-Instituts. Gerade in Städten wächst der Druck, das zeigt sich auch in Augsburg. Hier ist der Kauf einer Immobilie, wenn man den Preis mit dem durchschnittlichen Augsburger Bruttogehalt ins Verhältnis setzt, vergleichsweise schwierig machbar, ermittelte immowelt.de. Zwei Immobilienexperten geben Tipps, wo es eventuell machbar ist, auch wenn man dafür Augsburg verlassen muss.

Ein Einfamilienhaus in Göggingen gibt es für knapp 900.000 Euro

Wer in Augsburg kaufen will, braucht das nötige Budget: Auf der Online-Plattform Immoscout wird derzeit ein Einfamilienhaus in Göggingen für 899.000 Euro angeboten, in der Hammerschmiede ist eines für 640.000 Euro zu haben. Eine Doppelhaushälfte in Haunstetten schlägt mit 1,2 Millionen Euro zu Buche, das Reihenmittelhaus in Lechhausen kostet rund 549.000 Euro. Auch wer bescheidener plant, muss für eine Dreizimmerwohnung im Univiertel oder in Lechhausen noch rund 395.000 Euro einplanen. Für viele ist das nicht mehr drin. Makler haben einen Rat: Wer flexibel und mobil ist, kann außerhalb der Stadtgrenzen womöglich das Passende finden. Doch man muss wissen, wo man suchen muss.

Immobilien in der Nähe: Friedberg und Gersthofen übertreffen teils Augsburger Preise

Wer glaubt, dass die Immobilienpreise automatisch purzeln, sobald man Augsburg hinter sich lässt, irrt. „Umland bedeutet nicht automatisch günstig“, stellt Andreas Klein, Leiter Immobilienvermittlung bei der Stadtsparkasse Augsburg, klar. Es gebe Nachbarorte, die genauso teuer oder teurer seien als manche Augsburger Stadtteile. Friedberg könne preislich über dem Augsburger Durchschnitt liegen, auch Gersthofen bewege sich teils auf Stadtniveau. Wer in Stadtbergen oder Neusäß sucht, dürfe ebenfalls keine Preisvorteile erwarten. Diese Kommunen sind teils teurer als günstigere Augsburger Viertel wie Oberhausen oder der Bärenkeller. Der deutlichere Preisrückgang zeige sich erst beim Übergang in die „zweite Reihe“, so der Sparkassen-Experte.

Eine belastbare Formel, wie weit man aus Augsburg hinausmuss, um beim Immobilienkauf zu sparen, gebe es nicht, aber eine brauchbare Faustregel. „Die ersten zehn Minuten außerhalb Augsburgs bringen oft noch wenig Ersparnis. Hinter dem direkten Speckgürtel können zehn zusätzliche Fahrminuten grob fünf bis zehn Prozent Preisvorteil bringen“, so Klein. Auch Makler Ralf Lenhart, der mit Lenhart Immobilien Kunden rund um Augsburg und Krumbach betreut, kennt das: „Je weiter man aus Augsburg Richtung Krumbach geht, umso günstiger wird es.“ Ab einem Fahrtweg von 20 bis 25 Minuten raus aus Augsburg werde es spürbar billiger. Teurer bleibt es laut Lenhart allerdings auch hier im direkten Umfeld großer Arbeitgeber sowie entlang beliebter Verkehrsachsen wie Bundesstraßen oder der A8. „Je ländlicher und je weniger Infrastruktur, umso günstiger“, formuliert Lenhart.

Immobilien günstig kaufen: In Bobingen, den Stauden oder Günzburg gibt es Potenzial

Die besten Chancen sieht Andreas Klein derzeit im westlichen und südwestlichen Hinterland sowie weiter nördlich. Er nennt Orte wie Gessertshausen, Fischach, Welden oder Meitingen. Als besonders guten Kompromiss aus Preis, Infrastruktur und Erreichbarkeit hebt der Sparkassen-Experte Bobingen hervor. Hier liege eine Bestandswohnung bei den durchschnittlichen Angebotswerten rund 14 Prozent unter denen in Augsburg. „Bei 80 Quadratmetern entspricht das rechnerisch etwa 51.000 Euro Unterschied“, rechnet Klein vor – jeweils vor Kaufnebenkosten und möglichen Sanierungen. Auch der Kreis Günzburg und die Stauden gehören laut Makler Lenhart zu den „preisbewussten“ Regionen. Bei vergleichbaren Immobilien seien zwischen Augsburg und dem ländlichen Umland teils Preisunterschiede von bis zu 35 Prozent möglich. Allerdings müsse man eines bedenken.

„Auf dem Land bekommt man mehr Immobilie fürs Geld“, sagt Klein. Man lande aber nicht immer im schicken Neubau. Im günstigeren Segment handle es sich meist um ältere Bestandsobjekte. Auch Lenhart beobachtet ein gewachsenes Immobilienangebot im Umland, aber: „Es sind Häuser und Wohnungen älteren Baujahrs dabei, die einen gewissen Sanierungsstau aufweisen.“

Homeoffice lässt Suchradius bei Suche nach günstigen Immobilien wachsen

Eine preigetriebene „Stadtflucht“ beobachte er aber nicht, sagt Klein. Der Markt teile sich nach Lebensphasen auf: Junge, urban orientierte Haushalte suchten bevorzugt in Augsburg. Für Familien mit Wunsch nach Haus und Garten komme auch das Umland infrage. Das Homeoffice erweitere den Suchradius. Dafür dürfe man die Folgekosten nicht schönrechnen. Neben dem Kaufpreis müssten Sanierungsmaßnahmen oder die Kosten für ein zweites Auto einkalkuliert werden. Lenhart ergänzt: Wer aufs Land ziehe, müsse mobil sein. Teils fehle es an der Infrastruktur. „Das billigste Haus ist nicht immer das günstigste Haus.“