Jüngst hat der Stadtrat die Preise fürs Mittagessen an den Mindelheimer Kitas und der Grundschule deutlich angehoben. Für Kita-Kinder kostet die Mahlzeit ab September 6,50 Euro, in der Grundschule 7,90 Euro. Doch nicht nur das stößt einigen Eltern sauer auf. Manche ärgern sich auch darüber, dass sie ihrem Kind, wenn es bis nachmittags in der Kita bleibt, für mittags nicht einfach eine Brotzeit mitgeben dürfen. Stattdessen müssen sie für ihr Kind spätestens am Vorabend ein warmes Mittagessen bestellen. Wer das im Alltagstrubel vergisst, bekommt schlimmstenfalls ein Betreuungsproblem. Denn dann muss ein Krippenkind schon um 12 Uhr abgeholt werden, ein Kindergartenkind um 14 Uhr. Das geht mehreren Stadträten und insbesondere der SPD zu weit.
Aufgebracht hatte das Thema Mitko Pertemov (SPD): Er hatte von Eltern von dieser Regelung gehört und hakte nach, ob es sie tatsächlich gibt. Das bejahte Abteilungsleiterin Ute Bergmaier in der Sitzung. Zum einen sorge es für Probleme, wenn den einen eine gesunde Mahlzeit aufgetischt werde, während die anderen ihr von zu Hause mitgebrachtes Essen auspackten, das nicht selten weniger gesund, bei den Kindern aber deutlich beliebter sei als etwa Vollkornnudeln und Linseneintopf. Zum anderen seien es häufig die gleichen Eltern, die die Buchung „vergessen“ hätten, offenbar im Vertrauen darauf, dass ihr Kind kulanterweise kostenlos mit verköstigt wird.
Eltern sollen zwischen dem warmen Mittagessen und einer mitgebrachten Brotzeit wählen können
Bei den Stadträten stieß das auf Verwunderung: Wenn es immer die gleichen Eltern seien, sehe er die Kita-Leitung in der Pflicht, diese gezielt anzusprechen, sagte etwa Jürgen Fischer (AfD). Auch Markus Putz (Team Mindelheim) und Stefan Drexel (Freie Wähler) stellten die Regelung infrage. „Es muss machbar sein, dass die Kinder ihr Essen mitbringen, wenn die Eltern die Buchung vergessen haben“, forderte Drexel und auch Putz würde das den Eltern gerne ermöglichen.
In einem offenen Brief, den die Vorsitzende des Ortsvereins Mindelheim, Claudia Miller, unterzeichnet hat, geht die SPD noch einen Schritt weiter: Sie verlangt, den Eltern generell die Wahlfreiheit zu lassen, ob sie für ihr Kind ein warmes Mittagessen buchen oder ihm auch für mittags eine kalte Brotzeit mitgeben wollen und begründet das nicht zuletzt mit den Kosten.
Nicht alle Eltern können sich die warme Mahlzeit auf Dauer leisten
Die jüngst beschlossene Preiserhöhung belaste viele Familien spürbar, so Miller. Gespräche mit betroffenen Eltern hätten gezeigt, dass auch Familien, die keinen Anspruch auf staatliche Unterstützungsleistungen hätten, die steigenden Lebenshaltungs-, Betreuungs- und Verpflegungskosten oft nicht dauerhaft auffangen könnten. Hätten die Eltern die Wahl, ob sie ein warmes Essen buchen oder eine kalte Brotzeit mitgeben, würde das die Familien finanziell entlasten.
Ganz so einfach ist es aber nicht, wie Abteilungsleiterin Bergmaier auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt: Bis zu 200 Kinder essen täglich in den städtischen Kitas zu Mittag. Ihre Brotzeitboxen könnten unmöglich alle kontrolliert werden. „Wenn Kinder beispielsweise eine mit Schinken belegte Semmel, ein Ei oder einen Joghurt mitbringen, muss dies vor allem an solch heißen Tagen wie wir sie derzeit haben, ausreichend gekühlt werden“, so Bergmaier.
In der Satzung der städtischen Kitas ist geregelt, dass es eine warme Mahlzeit gibt
Zudem sei in der Satzung der städtischen Kitas geregelt, dass Kinder, die die Kita länger als 14 Uhr besuchen, dort ein Mittagessen mit Getränk bekommen, dessen Kosten die Eltern tragen. Dabei sei der Stadt wichtig, dass diese Kinder „mindestens einmal am Tag eine ausgewogene warme Mahlzeit erhalten und keine kalte Brotzeit als Mittagessen“.
Laut Miller gingen die Einrichtungen jedoch unterschiedlich mit mitgebrachten Mahlzeiten um. Das zeige, dass Lösungen möglich seien. Um dem Eindruck unterschiedlicher Behandlung vergleichbarer Fälle vorzubeugen, spricht sie sich für „eine klare und einheitliche Satzungsregelung“ aus.
Je weniger Kinder das Angebot nutzen, desto teurer wird das Essen
Pauschale Unterstellungen gegenüber den Eltern hält sie für nicht gerechtfertigt. Für Nichtbuchungen gebe es unterschiedliche Gründe – vom Vergessen bis zu finanziellen oder organisatorischen Ursachen. Mögliche Auswirkungen auf Abnahmemengen oder bestehende Verträge mit dem Essensanbieter sollten transparent geprüft werden, dürften aber nicht von vornherein dazu führen, eine kostenneutrale Entlastungsmöglichkeit für Familien auszuschließen.
Tatsächlich wurde mit dem Caterer eine jährlich festgelegte Abnahmemenge vereinbart. Diese sei Grundlage des Vertrags und auch die Kosten, so Bergmaier: „Werden zukünftig weniger warme Essen bestellt, könnte dies zu einer erneuten Preiserhöhung führen.“ Auch das sei ein Grund, warum bei einer Buchung länger als 14 Uhr ein warmes Essen in den Kitas eingenommen werden soll.