Hat sich das Bistum Augsburg verkalkuliert – im Glauben, dass sich das Investment lohnt? Hat es riskant gehandelt und Kirchensteuergelder verzockt? Der Skandal um den Verius-Immobilien-Fonds trifft auch die katholische Kirche in Bayerisch-Schwaben. Laut Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hatten verschiedene Organisationen in den riskanten Fonds investiert: Rund 20 Krankenkassen und kassenärztliche Vereinigungen hätten „Hunderte Millionen Euro in den Fonds versenkt“.
Zu den Investoren zählten aber auch Pensions-, Sterbekassen, Versicherungen sowie das Bistum Augsburg. Sie alle hatten Gelder von ihren Mitgliedern angelegt, also im Fall des Bistums Gelder von Kirchensteuerzahlern. Doch der Kurs des Fonds brach ein und die Investoren gehen inzwischen von einem Totalverlust aus. Das Bistum Augsburg bestätigt jetzt, dass es bei dieser Aktion gut vier Millionen Euro verloren hat – und erklärt sich.
Verius-Skandal: Bistum Augsburg zog „alternative Investments in Betracht“
In einer Mitteilung vom Mittwoch bezieht das Bistum Augsburg Stellung: Mit den Geldern der Kirchensteuerzahler gehe das Bistum „grundsätzlich äußerst sorgsam“ um. Deshalb habe man ab 2020, während einer Niedrigzinsphase, „in der einige Banken für Einlagen sogar Negativzinsen verlangten“, nach besseren Anlagemöglichkeiten gesucht. Man habe versucht, das Kapital nicht „abschmelzen zu lassen“. Das Bistum und die zuständigen Gremien hätten es damals als erforderlich angesehen, neben „weit überwiegenden konservativen Anlagen in kleinem Umfang auch alternative Investments in Betracht zu ziehen“. Das Bistum hoffte auf eine gute Rendite. Trotzdem heißt es jetzt in der Mitteilung: Man habe gewusst, dass so ein Investment „selbstverständlich eben auch mit einer höheren Risikoerwartung“ einhergeht.
In der Mitteilung blickt das Bistum auf seine Gesamtbilanz und versucht, den Schaden einzuordnen: Das Investment in den Verius-Fonds habe damals „nur ein Prozent des ganzen Anlagevolumens“ des Bistums ausgemacht. Außerdem habe das Bistum zu dem Zeitpunkt zwei weitere Sonderinvestments abgeschlossen, „die zum heutigen Stand positive Ergebnisse erbracht haben“. In der Stellungnahme heißt es: „Die Verluste aus der Verius-Investition sind bereits vollständig abgeschrieben.“
Ähnlich äußerte sich der Diözesanrat des Bistums auf Anfrage unserer Redaktion: „Aus Sicht der Gläubigen ist natürlich jeder Euro Verlust auch ein Verlust der kirchlichen Verpflichtungen für die Gläubigen. Wir denken jedoch, in Anbetracht des Verhältnisses des Verlustes zum Vermögen des Bistums, ist der Verlust bei reeller Betrachtung akzeptabel, da auch bei vielen privat Verluste in den Zeiten der Niedrigzins- bzw. Nullzinszeit entstanden sind.“
Wie gefährlich war der Verius-Immobilien-Fonds? Waren Investoren gewarnt?
Aber wie gefährlich war die Anlage? Waren die Investoren gewarnt? Das offizielle Verkaufsprospekt für den Verius-Fonds listete 27 Risiken auf, NDR, WDR und SZ zitieren aus dem Dokument. Nur fünf der Risiken werden im Prospekt als „gering“ bewertet, 19 als „mittel“, drei als „hoch“. Sie könnten „zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingezahlten Kapitals führen“.
Über Informanten und Einblicke in den E-Mail-Verkehr der Investoren konnte das Rechercheteam den Skandal aufdecken. Auf der Liste der Anleger stehen unter anderem auch die Bayerische Allgemeine Versicherung sowie die Bayerische Beamten-Lebensversicherung und die Deutsche Pensionskasse, zudem die Altersversorgungswerke von Apothekern, Ärzten und Steuerberatern in mehreren Bundesländern.
Mit gut 1,1 Millionen Kirchenmitgliedern ist das Bistum Augsburg die zweitgrößte Diözese in Bayern.