Blick über die Eilenriede

Blick über die Eilenriede

Wer kennt sie nicht – die Eilenriede. Mitten im Herzen der Großstadt gelegen, nur einen Kilometer fußläufig vom Hauptbahnhof entfernt.

Weniger bekannt sein dürfte hingegen, dass sie einen großen Schatz birgt. Unweit vom Zoo wurde bereits 1996 eine 22,5 Hektar große „Naturwaldparzelle“ ausgewiesen. Dabei handelt es sich um eine Waldfläche, in der sich die Natur frei entwickeln kann. Hier werden seitdem keine Bäume mehr gefällt. Der Prozesse der natürlichen Waldentwicklung wird stattdessen wissenschaftlich begleitet und dient den Förster*innen als Studienobjekt.

Zwar kann man nach 30 Jahren natürlicher Waldentwicklung noch nicht von einem richtigen Urwald sprechen, auch wenn dort bereits sehr alte und dicke Bäume stehen. Aber das Wort „Großstadtdschungel“ trifft es vielleicht – denn seit Ausweisung der Fläche wurde eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Tierarten kartiert. Biolog*innen und Umweltverbände haben seither in dem Waldstück 53 Brutvogelarten, 75 Stechimmen (Wildbienen), 13 Fledermausarten und 301 Käferarten vorgefunden. Besonders bemerkenswert ist dabei der Fund von neun sogenannten „Urwaldreliktarten“. Das sind Käferarten, die nur in besonders naturnahen Wäldern mit alten Strukturen wie Höhlenbäumen und Alteichen vorkommen. Unter diesen Arten wurde der streng geschützte Eremit (Osmoderma eremita) gefunden.

Anlässlich des Jubiläums hat der BUND zwei Bechsteinfledermäuse in die Freiheit entlassen. Die Tiere wurden vor Monaten in einem teilweise gesundheitlich schlechten Zustand gefunden, abgegeben und vom BUND aufgepäppelt. Die beiden Fledermäuse dürften sich in der Eilenriede nun wohlfühlen, da die alten totholzreichen Buchen- und Eichenwälder genau den Lebensraumansprüchen dieser Art entsprechen.

Die Naturwaldparzelle nahe dem Zoo ist nicht die einzige. Über die Jahre wurde das Konzept sukzessive ausgeweitet, sodass die Landeshauptstadt Hannover nunmehr über 148 Hektar Naturwaldparzellen verfügt – das entspricht 10 % der Forstbetriebsfläche.

Aktuelle Informationen zu den städtischen Wäldern und die detaillierten Ergebnisse der Gutachten bietet das Internet unter www.Hannover.de/stadtwälder.