Forscher der Technischen Universität München (TUM) stellen die CO2-Berechnung der EU für Elektroautos in Frage und fordern, künftig den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs zu berücksichtigen. TUM-Präsident Thomas Hofmann warnte zugleich vor einem einseitigen Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor: Ein Ausstieg aus einer Technologie aufgrund eines einzelnen Kriteriums sei «sicherlich nicht der richtige Weg», sagte er der Bild-Zeitung. Er fordert stattdessen «Technologieoffenheit».

Bild: KI-generiert.

Falsche Zahlen der EU? Forscher stellen CO2-Berechnungen für Elektroautos in Frage

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Die Forscher werteten neunzehn Studien mit insgesamt 47 Szenarien aus. Demnach verursachen Elektroautos über ihren Lebenszyklus im Durchschnitt 41 Prozent weniger CO2 als Verbrenner. Die Spannweite ist allerdings gross: Abhängig von Produktion und Strommix reicht die Bilanz von 89 Prozent weniger bis zu 21 Prozent mehr Emissionen.

Besonders deutlich ist die Abweichung bei den für 2030 erwarteten Einsparungen. Die EU rechnet laut der vorgelegten Analyse durch den Hochlauf der Elektromobilität mit einer Verringerung um 188 Millionen Tonnen CO2. Eine von der TUM ausgewertete Studie kommt dagegen auf rund 80 Millionen Tonnen – 108 Millionen Tonnen weniger. Damit würde das angestrebte Klimaziel für Personenwagen trotz eines stark steigenden Anteils von Elektroautos verfehlt.

Als Schwachstelle der bisherigen Regulierung sehen die Wissenschaftler die Konzentration auf die Emissionen während des Fahrbetriebs. CO2 aus Fahrzeug- und Batterieproduktion, Stromerzeugung sowie Recycling werde bei der entscheidenden EU-Bewertung nicht ausreichend berücksichtigt. Dadurch würden auch Investitionen etwa in CO2-armen Stahl oder eine klimafreundlichere Batterieproduktion kaum honoriert.

Die TUM schlägt deshalb eine schrittweise Reform vor. Hersteller sollen bis 2029 Daten zum gesamten Lebenszyklus ihrer Fahrzeuge erfassen. Ab 2032 soll ein verbindlicher EU-Standard gelten. Das Elektroauto bleibe dabei Teil der Lösung, betonen die Forscher. TUM-Professor Johannes Fottner formuliert das Ziel so: «Wir wollen das gute Elektroauto vom schlechten Elektroauto unterscheiden.»