Die Ostsee war in diesem Sommer deutlich zu warm. Das meldet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) nach Auswertung von Messdaten für Juni bis August 2026. Das Binnenmeer verzeichnete damit den siebtwärmsten Sommer seit 1997.

Drittwärmster Juni seit den 90ern

Mit einer Oberflächentemperatur von 17,2 Grad Celsius lag die Ostsee 1 Grad über dem langjährigen Mittel der vergangenen 25 Jahre. Regional traten Abweichungen von 1,5 Grad und mehr auf. Besonders der Juni stach als Extremmonat heraus: fast drei Grad lag er über dem langjährigen Mittel und ist damit der drittwärmste Juni seit Beginn der Auswertungen, informieren Sina Bold und Tim Kruschke vom BSH am 7. September. Die Monate Juli und August lagen demgegenüber näher am Durchschnitt.

Blick zur Nordsee

Auch die Nordsee war laut Angaben des BSH in diesem Sommer (Juni, Juli, August) überdurchschnittlich warm. Dort lag die mittlere Oberflächentemperatur bei 15,6 Grad, rund 1 Grad über dem Referenzzeitraum 1997 bis 2021; in der südlichen Nordsee und im Ärmelkanal traten örtlich neue Höchstwerte, maritime Hitzewellen und Extremwetterereignisse, auf.

Hier registrierte das BSH vor Helgoland alarmierende 66 Tage mit maritimen Hitzewellen: Am 1. Juli lag die Wassertemperatur etwa vier Grad Celsius über den Durchschnitt.

Vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns sowie entlang der polnischen und schwedischen Küste stiegen die Werte teils sogar um 1,5 Grad Celsius und mehr über den Schnitt. Doch was bedeutet dieser Hitze-Befund nun für die Küstenregion, den Tourismus und das fragile Ökosystem vor unserer Haustür?

Folgen für die Ostsee: Todeszonen weiten sich aus

Wärmeres Wasser klingt für Strandurlauber fast schon verlockend. Doch für die maritimen Lebensräume ist das ein echter Stresstest. Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH, warnt vor den Folgen: Extreme Wärmeereignisse verändern die Lebensräume und Nahrungsnetze drastisch.

Schlieren von sogenannten Blaualgen (Cyanobakterien) haben sich nördlich von Zingst in der Ostsee gebildet (Luftaufnahme).Bild vergrößern

Schlieren von sogenannten Blaualgen (Cyanobakterien) haben sich nördlich von Zingst in der Ostsee gebildet (Luftaufnahme). (Foto: Philip Dulian/dpa/Symbolbild)

In der Ostsee verlieren etwa einige kaltwasserliebende Arten die für sie geeigneten Lebensräume, andere weichen in kühlere Gebiete aus. Eingewanderte, nicht heimische Arten können sich indes ausbreiten. Zudem begünstigen die höheren Wassertemperaturen in Verbindung mit anderen Faktoren, wie beispielsweise gewisse Nährstoffeinträge, die Bildung schädlicher Algenblüten oder das Wachstum und die Ausbreitung von Bakterien, wie etwa der berüchtigten Blaualge.

Außerdem verschärft der Temperaturanstieg den Sauerstoffmangel in den tieferen Wasserschichten. Die Rede ist von den sogenannten Todeszonen, in denen kein Leben mehr möglich ist.

Teufelskreis: Klimawandel wird zusätzlich verstärkt

Zudem warnt das BSH vor weiteren Folgen, auch für andere Gewässer und Ozeane. Denn wärmeres Wasser dehne sich aus. Hinzukomme, dass Gletscher und Eisschilde schmelzen. Die Folge: Der Meeresspiegel steigt und dementsprechend nehmen auch die Sturmflutwasserstände zu. Wärmere Ozeane speichern außerdem weniger Kohlendioxid, was den Klimawandel zusätzlich verstärkt.

Das BSH kombiniert wöchentlich Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen. Aus den Wochenmitteln der Sommermonate werden Saisonwerte berechnet und mit dem Zeitraum 1997 bis 2021 verglichen (25 Jahre, langjähriges Mittel). Die Analysen entstehen im Zuge des DAS-Basisdienstes „Klima und Wasser“ zur Unterstützung der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS).